text.skipToContent text.skipToNavigation
background-image

Esprit und Geisteswissenschaften Wechselwirkungen zwischen Kunst, Philosophie und Psychologie von Schuett, Rolf Friedrich (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 01.02.2016
  • Verlag: Books on Demand
eBook (ePUB)
7,99 €
inkl. gesetzl. MwSt.
Sofort per Download lieferbar

Online verfügbar

Esprit und Geisteswissenschaften

Deutsche Intellektuelle begründeten die historischen Geisteswissenschaften und eine genuin philosophische Anthropologie ('moral sciences'), weil sie niemals rechten Anschluss an die Entwicklung der europäischen, vor allem der französischen Moralistik gesucht und gefunden hatten. 'Wenn man vor den Deutschen Geist zeigt, ... tun (sie) sich zusammen, um ein Bonmot zu verstehen.' (Rivarol, 1753-1801) Und sie entwickelten trockene Geisteswissenschaften, um den fehlenden Witz und Esprit akademisch zu ersetzen und zu überbieten, bis der kurze Geistesblitz langweilig entschärft und 'diskursiv' zerredet ist. War der Franzose virtuos und geistreich, wurde der Deutsche pedantisch breit und gründlich, auch und gerade im Zeitalter der Aufklärung. Geistreich wäre die Abbildung eines intellektuellen Codes auf einen ganz anderen, z.B. philosophischer Gehalt in literarischer Gestalt, oder philosophische Überlegungen in psychologischen Auslegungen. Esprit entzündet sich an Widersprüchen, Antinomien und Aporien, die geisteswissenschaftlich gerade aufgelöst werden wollen, also am ewigen Konflikt zwischen Allgemeinheit und Individuum, Tradition und Revolution, Theorie und Praxis, Gefühl und Gedanke, Atmosphäre und Geistessphäre, körperlicher und geistiger Beweglichkeit, Gesetz und Liebe, Gott und Welt, Naturwissenschaften und Naturschönheiten, Bild und Begriff, untätigem Geist und geistloser Untat, Lebensreisen durch Orte oder durch Worte, etc. Dazu bietet das Buch einige Musterbeispiele und exemplarische Modellversuche. 2. erweiterte Auflage Studium der Literaturwissenschaft und Philosophie. Systemanalytiker in Atom- und Raumfahrtindustrie.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 176
    Erscheinungsdatum: 01.02.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783739284156
    Verlag: Books on Demand
    Größe: 250kBytes
Weiterlesen weniger lesen

Esprit und Geisteswissenschaften

Die Kritische Theorie auf der Couch

Die theoretischen Köpfe der sogenannten Frankfurter Schule der Sozialphilosophie, Max Horkheimer und Theodor W. Adorno, waren neben dem Heideggerschüler Herbert Marcuse, der später in den USA einer der Hauptideologen der Neuen studentischen Linken wurde, die ersten und bisher einzigen namhaften Philosophen, die der Freudschen Psychoanalyse, nicht ohne sie zugleich massiv zu kritisieren, einen wichtigen Platz in ihrem Denken einräumten. Die drei Denker spielen die vergleichsweise heroische Frühphase Freuds gegen den revisionistischen Neofreudianisrnus vor allem angelsächsischer Observanz aus, in dem sie eine herrschaftsstabilisierende Ideologie der therapeutischen Anpassung leidender Menschen an unmenschliche gesellschaftliche Zustände ablehnen. Was Marcuse betrifft, ist sein Aufruf zur Großen Verweigerung des Mitmachens und seine Kritik der Psychoanalyse in "Eros and Civilisation" bereits selbst durchpsychoanalysiert worden von Gerard Mendel in "La crise de générations", kritisiert als folgenreiche Unterschätzung der ödipalen Problematik heute. Kurz gesagt, wirft Mendel Marcuse vor, regressive Kollektiv-Phantasien der Studentenbewegung der Sechzigerjähre nur eben rationalisiert zu haben, als er in ihnen die fällige Revolte der Söhne gegen den imperialistischen Monopolismus der Väter begrüßte und gleichzeitig der Versuchung erlag, nicht die Vergesellschaftung der erzphallischen Produktionsmittel dieses Vaters, die Aufteilung seiner technologischen Potenz unter die aufmüpfigen Söhne, zu fordern, sondern die "Überwindung" der technischen Welt im Namen einer verschandelten Natur. Hinter der vatermörderischen Attitüde derer, die sich auf Marcuse berufen, will G. Mendel einen maschinenstürmenden Aufstand gegen die sadistische Übermacht entdeckt haben, die von dem verabsolutierten technologischen Machtarsenal der Väter über die Natur selbst ausgeht. Nicht mehr nur der Vater erscheint dem Sohn als bedrohlich, nicht mehr nur seine private Aneignung des technisch Erreichbaren, sondern die fetischisierte Eigengewalt seines phallischen Instrumentariums der Naturbeherrschung. Die Potenz der technischen Apparaturen erscheint dem Sohn nicht mehr als Potenz eines starken, gerechten, freien und gütigen Vaters, der vor der grausamen Seite der unwirtlichen Natur beschützt, sondern als archaische Omnipotenz einer sadistischen, "phallischen Mutter" selbst. Kurzum: Kultur droht selbst als jene Übermacht der Natur, von der sie befreien sollte, sie wird zur "zweiten Natur". Das Instrument der Naturbeherrschung, die Rationalität des Vaterbildes, wird selbst zu einem Stück blinder Natur, fällt zurück in die Irrationalität der Natur, die sie überwinden sollte. Im Angriff auf die böse Mutterimago der kulturellen Institutionen droht nach G. Mendel nun aber das einzige Werkzeug rnitzerschlagen zu werden, das Hilfe gegen die Stiefmutter Natur verspreche : Die rationalen Waffen des bewunderten Vaters, der mit der Mutter fertig wird. Der ödipale Kampf des Sohnes gegen den bösen Vater um die begehrte Mutter Erde ist ja in ein und derselben Bewegung immer auch der präödipale Kampf gegen eine Rabenmutter Natur mit Hilfe eines guten und starken Vaters. Nolens volens ist also der Kampf gegen den bösen Vater um die gute Mutter immer schon implizite ein Kampf gewesen gegen einen guten Vater, der allein gegen die böse Mutter abschirmen konnte. Man kennt Freuds Vorstellung vom gelungenen Auflassen dieses Komplexes: Dieser Hass auf den Besitzer der Mutter und die Liebe zum bewunderten Bezwinger der Mutter Natur verbinden sich zum Wunsch, recht bald wie er zu werden.

Nach Mendel schüttet Marcuse das Kind mit dem Bad aus, den guten Vater (der vor der Rabenmutter Natur schützt) mit dem bösen Vater (der die inzestuösen Regungen des Sohnes mit Kastration bedroht) - und mit der bösen Mutter, die in der sadistischen Übermacht einer zur "zweiten Natur" gewordenen technischen Pot

Weiterlesen weniger lesen

Kundenbewertungen