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Rechtsphilosophie Grundwissen Philosophie von Horster, Detlef (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 05.02.2014
  • Verlag: Reclam Verlag
eBook (ePUB)
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Rechtsphilosophie

Den roten Faden dieses Bandes zur Rechtsphilosophie bildet das Verhältnis von Recht und Moral. Historisch betrachtet waren beide zunächst untrennbar verbunden: Was rechtlich bedenklich war, verstieß in der griechischen Antike auch gegen die moralischen Vorstellungen. Heute lassen sich hingegen klare Unterschiede benennen: So kommen Gesetze etwa durch Beschluss zustande und gelten ab einem bestimmten Zeitpunkt, etwas, das für moralische Regeln undenkbar ist. Ausführlicher vorgestellt werden die zwei grundlegenden Richtungen der Rechtsphilosophie, Naturrecht und Rechtspositivismus. Diese werden mit systematischen und historischen Ansätzen verknüpft. Text aus der Reihe 'Grundwissen Philosophie' mit Seitenzählung der gedruckten Ausgabe.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 112
    Erscheinungsdatum: 05.02.2014
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783159604336
    Verlag: Reclam Verlag
    Größe: 249 kBytes
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Rechtsphilosophie

[15] 2. Das Verhältnis von Recht und Moral im Naturrecht, im Rechtspositivismus und im Nationalsozialismus

Wenden wir uns nach den ersten Vorklärungen nun den beiden grundlegenden Richtungen der Rechtsphilosophie, dem Naturrecht und dem Rechtspositivismus, zu. Das nationalsozialistische Recht spielte in der Rechtsphilosophie immer eine besondere Rolle. Die Auffassungen darüber waren stets kontrovers. Im Folgenden wird in diesem Streit zwar auch eine Positionierung vorgenommen, doch dient die Darstellung vor allem der weiteren und tieferen Klärung von Naturrecht und positivem Recht und deren Unterscheidung.

Naturrecht

Sokrates und Platon

In der Polis wird die Nachfrage nach normiertem, gerechtem Recht drängend, denn nachdem sich die familien- oder standesorientierte Blutrache überlebt hatte, gab es Rechtsprozesse. Der Übergang wurde in den Tragödien unter Bezugnahme auf den Konflikt zwischen dem Stand und der Polis dargestellt. Augenfällig ist das in der Orestie . Nach einer Reihe von standesgemäßen Blutrachen wird Orest, der seine Mutter Klytämnestra pflichtgemäß getötet hat, als Letzter in der Reihe nicht mehr Opfer einer weiteren Blutrache, sondern er wird einer Art Prozess zugeführt, in dem es zwar zu einem Urteil kommt, das aber von Pallas Athene manipuliert wurde. (Vgl. Aischylos 458 v. Chr. / 1958, 135, Rdn 734–743) Dass es überhaupt einen Prozess gab, ist schon eine wichtige Neuerung, [16] die aus unserer heutigen Sicht und Interpretation auf den beginnenden Verrechtlichungs- und Demokratisierungsprozess hinweist.

Die Griechen waren in ihren Prozessen demokratisch organisiert. Deshalb bestanden ihre Gerichte aus einer großen Zahl von Volksrichtern, teilweise hundert und mehr. Vor einem Einzelnen, wie im römischen und in einem heutigen Prozess, argumentiert man anders als vor einer Volksmenge, ruhiger und genauer. "Eine Menschenmenge versucht man eher emotional und rhetorisch auf seine Seite zu ziehen." (Wesel 1992, 53) Darum ist man auch heute noch der Ansicht, dass "nur in der Stille des Beratungszimmers [...] eine ruhige Abwägung aller Gründe für und wider die vorgetragenen Ansichten möglich [sei], nur dort würde sich der Richter unbefangen zur Sache äußern, nur dort könne ein überzeugender Beschluss getroffen werden. Eine öffentliche Urteilsberatung, so wurde befürchtet, würde die Chancen eines unbefangenen Rechtsdiskurses beeinträchtigen und die Bildung von Privatgremien befördern, in denen die entscheidenden Fragen weiterhin ungestört erörtert werden könnten." (Lahusen 2011, 149) Unser Recht steht in dieser Hinsicht in der römischen Tradition und nicht in der griechischen.

Sokrates ging, wie gesagt, von einer Identität von Recht und Moral bzw. Gerechtigkeit aus. Zur gleichen Zeit wurde die Differenzthese formuliert: "In der griechischen Sophistik im 5. Jahrhundert v. Chr. werden zum ersten Male "Recht" und "Gerechtigkeit" nicht in selbstverständlicher Übereinstimmung [...] gesehen." (Loos/Schreiber 1972, 234) Für Sokrates hingegen sind Gesetze gerecht. Unrecht erfuhr Sokrates bei

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