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Studien über Hysterie Fassung von 1895 von Breuer, Josef (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 31.03.2010
  • Verlag: GRIN Verlag
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Studien über Hysterie

Klassiker aus dem Jahr 2009 im Fachbereich Psychologie - Allgemeine Psychologie, , Veranstaltung: -, Sprache: Deutsch, Abstract: Behandlung hysterischer Phänomene 1893 in einer 'Vorläufigen Mittheilung' veröffentlicht und daran in möglichster Knappheit die theoretischen Anschauungen geknüpft, zu denen wir gekommen waren. Diese 'Vorläufige Mittheilung' wird hier, als die zu illustrirende und zu erweisende These, nochmals abgedruckt. Wir schliessen nun hieran eine Reihe von Krankenbeobachtungen, bei deren Auswahl wir uns leider nicht bloss von wissenschaftlichen Rücksichten bestimmen lassen durften. Unsere Erfahrungen entstammen der Privatpraxis in einer gebildeten und lesenden Gesellschaftsclasse, und ihr Inhalt berührt vielfach das intimste Leben und Geschick unserer Kranken. Es wäre ein schwerer Vertrauensmissbrauch, solche Mittheilungen zu veröffentlichen, auf die Gefahr hin, dass die Kranken erkannt und Thatsachen in ihrem Kreise verbreitet werden, welche nur dem Arzte anvertraut wurden. Wir haben darum auf instructivste und beweiskräftigste Beobachtungen verzichten müssen. Dieses betrifft naturgemäss vor allem jene Fälle, in denen die sexualen und ehelichen Verhältnisse ätiologische Bedeutung haben. Daher kommt es, dass wir nur sehr unvollständig den Beweis für unsere Anschauung erbringen können: die Sexualität spiele als Quelle psychischer Traumen und als Motiv der 'Abwehr', der Verdrängung von Vorstellungen aus dem Bewusstsein, eine Hauptrolle in der Pathogenese der Hysterie. Wir mussten eben die stark sexualen Beobachtungen von der Veröffentlichung ausschliessen. Den Krankengeschichten folgt eine Reihe theoretischer Erörterungen, und in einem therapeutischen Schlusscapitel wird die Technik der 'kathartischen Methode' dargelegt, sowie sie sich in der Hand des Neurologen entwickelt hat. Wenn an manchen Stellen verschiedene, ja sich widersprechende Meinungen vertreten werden, so möge das nicht als ein Schwanken der Auffassung betrachtet werden. Es entspringt den natürlichen und berechtigten Meinungsverschiedenheiten zweier Beobachter, die bezüglich der Thatsachen und der Grundanschauungen übereinstimmen, deren Deutungen und Vermuthungen aber nicht immer zusammenfallen. April 1895. J. Breuer, S. Freud.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 236
    Erscheinungsdatum: 31.03.2010
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783640582372
    Verlag: GRIN Verlag
    Serie: Akademische Schriftenreihe Bd.V121716
    Größe: 451kBytes
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Studien über Hysterie

II. Krankengeschichten.

Beobachtung I. Frl. Anna 0 (Breuer).

Frl. Anna 0 ..., zur Zeit der Erkrankung (1880) 21 Jahre alt, erscheint als neuropathisch massig stark belastet durch einige in der grossen Familie vorgekommenen Psychosen; die Eltern sind nervös gesund. Sie selbst früher stets gesund, ohne irgend ein Nervosum während der Entwicklungsperiode; von bedeutender Intelligenz, erstaunlich scharfsinniger Combination und scharfsichtiger Intuition; ein kräftiger Intellect, der auch solide geistige Nahrung verdaut hätte und sie brauchte, nach Verlassen der Schule aber nicht erhielt. Reiche poetische und phantastische Begabung, controlirt durch sehr scharfen und kritischen Verstand. Dieser letztere machte sie auch völlig unsuggestibel ; nur Argumente, nie Behauptungen hatten Einfluss auf sie. Ihr Wille war energisch, zäh und ausdauernd; manchmal zum Eigensinn gesteigert, der sein Ziel nur aus Güte, um Anderer willen, aufgab.

Zu den wesentlichsten Zügen des Charakters gehörte mitleidige Güte; die Pflege und Besorgung einiger Armen und Kranken leistete ihr selbst in ihrer Krankheit ausgezeichnete Dienste, da sie dadurch einen starken Trieb befriedigen konnte. Ihre Stimmungen hatten immer eine leichte Tendenz zum Uebermaass, der Lustigkeit und der Trauer; daher auch einige Launenhaftigkeit. Das sexuale Element war erstaunlich unentwickelt; die Kranke, deren Leben mir durchsichtig wurde, wie selten das eines Menschen einem ändern, hatte nie eine Liebe gehabt und in all den massenhaften Hallucinationen ihrer Krankheit tauchte niemals dieses Element des Seelenlebens empor.

Dieses Mädchen von überfliessender geistiger Vitalität führte in der puritanisch gesinnten Familie ein höchst monotones Leben, dass sie sich in einer für ihre Krankheit wahrscheinlich maassgebenden Weise verschönerte. Sie pflegte systematisch das Wachträumen, das sie ihr Privattheater nannte. Während alle sie anwesend glaubten, lebte sie im Geiste Märchen durch, war aber angerufen immer präsent, so dass niemand davon wusste. Neben den Beschäftigungen der Häuslichkeit, die sie tadellos versorgte, gieng diese geistige Thätigkeit fast fortlaufend einher. Ich werde dann zu berichten haben, wie unmittelbar diese gewohnheitsmässige Träumerei der Gesunden in Krankheit übergieng.

Der Krankheitsverlauf zerfällt in mehrere gut getrennte Phasen; es sind:

die latente Incubation. Mitte Juli 1880 bis etwa 10. December. In diese Phase, die sich in den meisten Fällen unserer Kenntnis entzieht, gewährte die Eigenart dieses Falles so vollständigen Einblick, dass ich schon deshalb sein pathologisches Interesse nicht gering anschlage. Ich werde diesen Theil der Geschichte später darlegen.

die manifeste Erkrankung; eine eigenthümliche Psychose, Paraphasie, Strabismus convergens, schwere Sehstörungen, Contracturlähmungen, vollständig in der rechten obern, beiden untern Extremitäten, unvollständig in der linken obern Extremität, Parese der Nackenmusculatur. Allmähliche Reduction der Contractur auf die rechtseitigen Extremitäten. Einige Besserung, unterbrochen durch ein schweres psychisches Trauma (Tod des Vaters) im April, auf welche

eine Periode andauernden Somnambulismus folgt, der dann mit normaleren Zuständen alternirt; Fortbestand einer Reihe von Dauersymptomen bis December 1880.

Allmähliche Abwicklung der Zustände und Phänomene bis Juni 1882.

Im Juli 1880 erkrankte der Vater der Patientin, den sie leidenschaftlich liebte, an einem peripleuritischen Abscess, der nicht ausheilte und dem er im April 1881 erlag. Während der ersten Mon

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