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Aggressionsdiagnostik von Petermann, Franz (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 27.03.2015
  • Verlag: Hogrefe Verlag
eBook (PDF)
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Aggressionsdiagnostik

Kaum ein Verhalten in unserer Gesellschaft bewegt so die Gemüter wie die extremen Formen der Aggression und Gewalt. Die Betroffenheit über die Auswirkungen solcher Verhaltensweisen hängt sicherlich mit den massiven Erscheinungsformen zusammen, die von körperlichen Angriffen, sexueller Gewalt, Zerstörung von fremdem Eigentum bis zu Formen der Psychopathie reichen. Das vorliegende Buch stellt in der 2. Auflage aktuelle Erhebungsverfahren zusammen, mit denen es gelingt, über die gesamte Lebensspanne vielfältige Formen der Aggression differenziert zu erfassen. Das Buch geht auf die verschiedenen Möglichkeiten ein, Aggression mithilfe systematischer Verfahren zu bestimmen. Vielfältige Methoden (Fragebögen, Beobachtungsverfahren, Interviews) werden beschrieben und die Einsatzmöglichkeiten vorgestellt. Dabei werden sehr unterschiedliche Formen von Aggression und Gewalt behandelt, die vom Ärgerausdruck, über den Wutanfall, Formen kindlicher Aggression und der Aggression im Straßenverkehr bis hin zur Psychopathie reichen. An zwei Falldarstellungen wird das diagnostische Vorgehen in der Praxis illustriert. Das Buch bietet damit eine fundierte, praxisnahe Einführung in die Diagnostik aggressiven Verhaltens.

Produktinformationen

    Format: PDF
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 116
    Erscheinungsdatum: 27.03.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783840926556
    Verlag: Hogrefe Verlag
    Größe: 3647 kBytes
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Aggressionsdiagnostik

30 2 Diagnostik aggressiven Verhaltens

2.1 Welche Aussagekraft besitzen unterschiedliche Informationsquellen?

Möchte man aggressives Verhalten erfassen, müssen gezielte Informationen über die Form und Ausprägung der Problematik erhoben werden. Im Rahmen der Aggressionsdiagnostik kann man die

Betroffenen und/oder Bezugspersonen befragen oder

die aggressive Person in dem Kontext beobachten, in dem Problemverhalten gehäuft auftritt.

Entscheidet man sich für den ökonomischen Weg der Befragung, ist zu klären, welche Informationsquelle zu aussagekräftigen Einschätzungen beitragen kann. Bei der Befragung eines Kindes kann man auch Informationen von den Eltern erheben oder Bezugspersonen im Kindergarten oder in der Schule um Auskunft bitten. Alle diese Informationsquellen können typische Verzerrungen aufweisen.

So erkennen Eltern aggressives Problemverhalten bei ihren Kindern leicht und neigen häufig zu einer Dramatisierung ( Andrews, Garrison, Jackson, Addy & McKeown, 1993 ; Döpfner & Petermann, 2012 ; Drotar, Stein & Perrin, 1995 ). Eltern neigen aber auch dazu, lediglich die Symptome zu berichten, die sie als am störendsten bzw. auffälligsten empfinden ( Weiss, Jackson & Süsser, 1997 ). Lehrer stellen generell während der Grundschulzeit wichtige Informanten über die Entwicklung des Sozialverhaltens dar. Mögliche Diskrepanzen zwischen den Bewertungen von Kindern und den Einschätzungen ihrer Bezugspersonen führen Cantwell, Lewinsohn, Rohde und Seeley (1997 ) u.a. darauf zurück, dass

Kinder unter Umständen noch nicht die kognitive Reife besitzen, vollständige und zuverlässige Angaben zu ihrem psychischen Funktionsniveau zu machen; so erweist sich zum Beispiel die Erinnerungsfähigkeit bei retrospektiven Befragungen von Kindern unter acht Jahren als schlecht;

Kinder und Jugendliche dazu neigen, problematisches Verhalten nicht zu erwähnen oder bewusst Verhaltensweisen zu leugnen;

31 Eltern (aber auch Lehrkräfte) häufig nicht die gesamte Bandbreite an Situationen kennen, in denen sich das Problemverhalten der Kinder äußert (z.B. oppositionelles Verhalten, das sich nur im Freizeitverhalten unter Gleichaltrigen zeigt);

zwischen Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen unterschiedliche Vorstellungen über die klinische Bedeutsamkeit bestimmter Verhaltensweisen vorliegen könnten;

Kinder sich hinsichtlich ihrer Verhaltensmuster in verschiedenen Situationen und Altersgruppen entwicklungsbedingt unterscheiden.

Die großen Unterschiede in den Aussagen verschiedener Informationsquellen unterstreichen die Notwendigkeit, nicht nur die Eltern oder die Kinder alleine zu befragen, sondern vielmehr verschiedene Informanten einzubeziehen, vor allem, wenn es um indirekte Formen der Aggression geht ( Hinshaw & Zupan, 1997 ; Marées & Petermann, 2010 ).

Im frühen Kindesalter stellen sicherlich die Eltern die beste Informationsquelle dar. Während der Kindheit können beispielsweise zusätzlich die pädagogischen Fachkräfte ( Marées & Petermann, 2010 ) und während der ersten Schuljahre die Lehrkräfte befragt werden. Insbesondere

für die Bewertung offen-aggressiven Verhaltens erweist sich die Befragung von Eltern und Lehrern,

für die Bewertung verdeckter, dissozialer Verhaltensweisen die Befragung eines Kindes selbst und

für die Ermittlung indirekt-aggressiven Verhaltens insbesondere die Befragung Gleichaltriger (z.B. im schulischen Kontext) als sinnvoll (vgl. Kazdin, 1995 ).

Probleme ergeben sich, wenn verschiedene Informationen mithilfe unterschiedlicher Methoden (z.B. Befragung, Beobachtung) und aus unterschiedlichen Quellen (z.B. Eltern, Kind, Lehrer) i

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