text.skipToContent text.skipToNavigation
background-image

Begegnung mit dem Fremden Zur Psychotherapie, Philosophie und Spiritualität menschlichen Wachsens von Brühlmann, Toni (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 22.09.2011
  • Verlag: Kohlhammer Verlag
eBook (ePUB)
25,99 €
inkl. gesetzl. MwSt.
Sofort per Download lieferbar

Online verfügbar

Begegnung mit dem Fremden

Das Buch betrachtet die menschliche Entwicklung in der heutigen Zeit aus der Perspektive geisteswissenschaftlicher Grundlagen. Philosophische, soziologische, psychoanalytische und spirituelle Einsichten werden miteinander verknüpft. Daraus erwächst ein vertieftes Verständnis von Entwicklungskrisen und den zeittypischen Krankheitsbildern Burnout-Syndrom und narzisstische Störungen. Es eröffnen sich neue Wege, dem bisher Fremden zu begegnen und daran zu wachsen. Die Ethik und die Transzendenzfrage erlangen dabei im Leben des Einzelnen einen zentralen Stellenwert. Der Hauptfokus des Buches liegt in den praktischen Konsequenzen dieser Analysen für die psychotherapeutische Arbeit. Philosophie und Spiritualität werden in den therapeutischen Prozess einbezogen und wirken sich auf die therapeutische Haltung, die therapeutische Beziehung und die analytische Bearbeitung von Selbstbild und dysfunktionalen Beziehungsmustern aus.

Dr. med. Toni Brühlmann, Ärztlicher Direktor der Privatklinik Hohenegg, Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik, Meilen bei Zürich. Zahlreiche Publikationen zu Burnout, Depression, narzisstischen Störungen sowie medizinphilosophischen Themen.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 178
    Erscheinungsdatum: 22.09.2011
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783170274846
    Verlag: Kohlhammer Verlag
    Größe: 7777 kBytes
Weiterlesen weniger lesen

Begegnung mit dem Fremden

1 Voraussetzungen menschlichen Wachsens

Zunächst wird dargelegt, weshalb der Mensch überhaupt in der Situation des Wachsens steht. "Voraussetzung" ist in diesem Sinne gemeint: Was ist dem Wachstum voraus gesetzt? Was veranlasst unser Wachsen? Wodurch zeichnet sich unser Wachsen grundsätzlich aus? Welche Elemente gehören notwendig dazu?
1.1 Conditio humana: Differenzierung und Verzeitlichung

Mit dem Begriff "conditio humana" soll etwas Grundsätzliches über die menschliche Situation ausgesagt werden. Dazu gehören Differenzierung und Verzeitlichung. Das Basale ist auch das Banale, weil es einem ja immer schon gegeben und prima vista klar ist. Da stellt sich zu Recht die Frage: Was bringt es, sich damit auseinanderzusetzen? Ist es mehr als eine philosophische Selbstgefälligkeit? Alles, was in diesem Buch besprochen wird, hat Differenzierung und Verzeitlichung als Voraussetzung. Sie sind das Fundament und verdienen deshalb Interesse. Aber auch für die Psychotherapie wirft die Auseinandersetzung damit bereits einen Gewinn ab. Welche Veränderungsschritte uns auch immer gelingen oder misslingen, sie sind von vorübergehender Natur, weil der Prozess von Differenzierung und Verzeitlichung unvermeidlich weitergeht. Diese Einsicht fördert die Akzeptanz dessen, was im eigenen Leben momentan ist oder nicht ist.
1.1.1 Das Eine und das Viele

Erkennen wir etwas, unterscheiden wir es von anderem. Auch wenn wir Erfahrungen machen, Erlebnisse haben oder Handlungen ausführen, sind es diese und eben nicht andere. Immer gibt es das Viele, wovon wir ein Einzelnes situativ auswählen und es durch Abgrenzung identifizieren. Identifikation und Differenz gehören zusammen.

Als Beispiel dient das Selbsterleben des Neugeborenen, wie es die Psychoanalyse in Kombination mit der Säuglingsbeobachtung darlegt. Freuds (1914) Idee des primären Narzissmus, der ausschließlichen Selbstbezogenheit zu Beginn des Lebens, ist überholt. Die Theorie hat sich in vielen Etappen weiter entwickelt. Eine breite Aufmerksamkeit fanden Mahlers (1968) Ideen zu Symbiose und Separation. Der Säugling erlebt sich anfänglich in der Symbiose mit der Mutter und mit der Zeit individuiert er sich durch schrittweise Separation. Hier ist es das Individuationsprinzip, das Selbsterleben und Identität bewirkt. Die Differenzierung von der Mutter führt zur eigenen Identität. Stern (1985) hat später die Symbiose durch die primäre Intersubjektivität ersetzt. Das Erleben des Säuglings ist von Beginn an als Selbst- und Zusammensein differenziert. Es entsteht überhaupt auf diese Weise und die Identität bildet sich durch den Vorgang der wechselseitigen Differenzierung von Zusammen und Selbst. Es ließe sich nun dennoch fragen: Spürt der Neugeborene zuerst das Selbstsein oder Zusammensein? In der Mahlerschen Auffassung wäre es das Zusammensein, die Symbiose und erst nachher das separierte Selbstsein. Die Frage ist aber falsch gestellt und passt nicht zu Sterns Idee der primären Intersubjektivität. Der Differenzierungsvorgang von Selbst- und Zusammensein weist keinen Anfang auf, vielmehr ist das eine nur durch die Abgrenzung vom anderen.

Stern vertritt hiermit ein neues Denkmuster, das sich auch in der aktuellen Philosophie findet. Einen anfänglichen Seinsbestand gibt es nicht. Der Prozess des Differenzierens ist von Beginn an da. Derrida (1972) verwendet für dieses unhintergehbare Grundgeschehen den Begriff différance, als Neologismus mit einem "a" geschrieben, um das Unvergleichliche auszudrücken. Immer wird etwas Neues konstruiert und Bisheriges destruiert, es läuft eine andauernde Dekonstruktion ab. Der Differenzierungsvorgang ist notwendig mit Erschaffen und Zerstören verbunden, er ist somit eine schöpferische Zerstörung. Auch das menschliche Wachsen ist ein dekonstruktiver Ablauf, in dem Aufbau und Abbau einander bedingen. An sich hat der Grundgedanke der Unbeständigkeit eine lange Vorgeschichte. Bekannt geworden sind unter and

Weiterlesen weniger lesen

Kundenbewertungen