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Gewaltfreie Kommunikation in Kirchen und Gemeinden Die Nächsten lieben wie sich selbst von Orth, Gottfried (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 14.12.2015
  • Verlag: Junfermann
eBook (ePUB)
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Gewaltfreie Kommunikation in Kirchen und Gemeinden

Liebe deinen Nächsten wie dich selbst - wie macht man das? Dies war eine der Kernfragen Marshall Rosenbergs, als er im Kontext der US-amerikanischen Bürgerrechtsbewegung die Gewaltfreie Kommunikation (GFK) entwickelte. Wertschätzung aller Menschen war ihm ein zentrales gesellschaftliches wie spirituelles Anliegen. Grundlage der GFK ist eine Haltung, die einen wertschätzenden Umgang mit sich selbst und anderen erleichtert und vertrauensvolle Beziehungen ermöglicht. Das Buch führt zunächst im Sinne eines Lehrbuchs in Spiritualität, Haltung und Methode der GFK ein. Im zweiten Teil wird an konkreten Beispielen gezeigt, wie GFK helfen kann, lebendige Beziehungen in Kirchen und Gemeinden zu gestalten und die theologische Reflexion zu bereichern. Mit Beiträgen von Gerlinde Fritsch, Britta Lange-Geck, Jutta Salzmann, Cornelia Timm und Barbara Wündisch-Konz. Prof. Dr. Gottfried Orth, Professor für Evangelische Theologie und Religionspädagogik an der TU Braunschweig, Mitglied im Team des ORCA-Instituts für Konfliktmanagement und Training, Leiter des Projektes Gewaltfreie Kommunikation - Theologie, Religionspädagogik, Schule.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 224
    Erscheinungsdatum: 14.12.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783955714802
    Verlag: Junfermann
    Größe: 1593 kBytes
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Gewaltfreie Kommunikation in Kirchen und Gemeinden

2. Bedürfnisse, Gefühle und Strategien - Das Zentrum Gewaltfreier Kommunikation

Was willst du, dass ich für dich tun soll? - Biblische Inspirationen

Ich möchte zunächst von einer Wundergeschichte erzählen, die Markus berichtet (10, 46-52): Jesus heilt einen Blinden. In der revidierten Lutherübersetzung von 1984 ist der griechische Text so übersetzt:

Und sie kamen nach Jericho. Und als er aus Jericho wegging, er und seine Jünger und eine große Menge, da saß ein blinder Bettler am Wege, Bartimäus, der Sohn des Timäus.

Und als er hörte, dass es Jesus von Nazareth war, fing er an zu schreien und zu sagen: Jesus, du Sohn Davids, erbarme dich meiner!

Und viele fuhren ihn an, er solle stillschweigen. Er aber schrie noch viel mehr: Du Sohn Davids, erbarme dich meiner!

Und Jesus blieb stehen und sprach: Ruft ihn her! Und sie riefen den Blinden und sprachen zu ihm: Sei getrost, steh auf! Er ruft dich!

Da warf er seinen Mantel von sich, sprang auf und kam zu Jesus.

Und Jesus antwortete und sprach zu ihm: Was willst du, dass ich für dich tun soll? Der Blinde sprach zu ihm: Rabbuni, dass ich sehend werde.

Jesus aber sprach zu ihm: Geh hin, dein Glaube hat dir geholfen. Und sogleich wurde er sehend und folgte ihm nach auf dem Wege.

Werfen wir zunächst einen kurzen Blick auf Jesus: Er überfällt den Blinden nicht einfach mit irgendetwas - nicht einmal mit einem Heilungswunder. Jesus respektiert die Würde und die Autonomie des blinden Mannes: Was soll ich für dich tun? Jesus fragt nach den Bedürfnissen des Blinden: Was brauchst du? Sie sollen im Zentrum stehen. Wann frage ich, wann fragen Sie, wenn wir mit Erwachsenen oder vor allem, wenn wir mit Kindern zusammen sind, nach deren Bedürfnissen: Was brauchst du? Was ist dir jetzt wichtig? Aus Jesu Frage "Was soll ich für dich tun?" spricht die Achtung vor diesem Fremden am Wegesrand, den andere zum Schweigen bringen wollten. Er soll rufen und reden dürfen, er soll "Ich" sagen können.

"Sohn Davids, hab Erbarmen mit mir!", "Herr, ich möchte wieder sehen können!" Ein blinder Bettler richtet Bitten an Jesus. Zunächst bittet der Blinde um Erbarmen, ein uns fremd gewordenes Wort: Es bedeutet mitfühlen, mitempfinden, Anteil nehmen, Mitgefühl zeigen. Der Blinde bittet um Empathie. Die Menschen verweigerten ihm genau das: Schweigen sollte er. Doch der Blinde steht zu seinem Bedürfnis, und er schrie lauter: "Sohn Davids, hab Erbarmen mit mir!" Und Jesus unterbricht seinen Weg, hält inne, hat in diesem Moment nichts Wichtigeres zu tun: Er wendet sich dem Blinden zu. Präsenz! Der mitfühlende Jesus fragt den Blinden, was er tun solle. "Herr, ich möchte sehen können!" Mitgefühl ist das Erste, was er braucht, einen, der Anteil nimmt an seinem Leben. Und im Vertrauen auf solches Mitgefühl kann er dann bitten: "Herr, ich möchte sehen können!" Physical needs stehen im Zentrum dieser Wundergeschichte.

Einiges wird diesen Bitten innerlich vorausgegangen sein: Möglicherweise ist der Blinde zutiefst verzweifelt. Und er kennt den Grund seiner Verzweiflung: sein unerfülltes Bedürfnis zu sehen. Und dahinter stehen vielleicht noch zwei andere Grundbedürfnisse, die Grundlage aller unserer Bedürfnisse sind: das Bedürfnis nach Autonomie - endlich mal nicht mehr auf fremde Hilfe angewiesen sein müssen, einfach Ich sein können - und das Bedürfnis nach Verbindung und Gemeinschaft - endlich gleichberechtigt dazugehören können. Vielleicht - eine waghalsige Vermutung, ich gebe es zu, doch Juden kennen ihre Schrift - hat sich Bartimäus mit seinem Bedürfnis nach Autonomie und Verbundenheit und Gemeinschaft auch an Psalm 31 erinnert: "Denn du, Gott, bist mein Fels und meine Burg" (Vers 4) und "Du stellst meine Füße auf weiten Raum" (Vers 9). "Denn du, Gott, bist mein Fels und meine Burg" - "Sohn Davids, hab Erbarmen mit mir!" - Verbundenheit. Und "Du stellst meine Füße auf weiten Raum" - "Herr, ic

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