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Lehrbuch Sexualtherapie von Maß, Reinhard (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 27.08.2016
  • Verlag: Klett-Cotta
eBook (ePUB)
26,99 €
inkl. gesetzl. MwSt.
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Lehrbuch Sexualtherapie

Das Buch nimmt eine Bestandsaufnahme der wichtigsten sexualtherapeutischen Konzepte vor und bewertet sie kritisch im Hinblick auf ihre Wirksamkeit. Die Therapieansätze werden anschaulich beschrieben und miteinander verglichen. Das Buch gibt detaillierte Empfehlungen für die Durchführung einer Sexualtherapie anhand von zahlreichen Beispielen und stellt konkrete therapeutische Interventionen vor. Mangelndes Verlangen, Vaginismus, vorzeitiger Samenerguss, Erektions- und Orgasmusstörungen gehören zu den häufigsten sexuellen Problemen. Doch welche Therapieform ist bei welcher der genannten Störungen tatsächlich erprobt und geeignet? Die Autoren geben eine Übersicht und Bewertung der im deutschsprachigen Raum bekanntesten sexualtherapeutischen Konzepte: Masters und Johnson, Helen S. Kaplan, Hamburger Modell, Syndyastische Sexual therapie, Crucible-Ansatz von David Schnarch, Systemische Sexualtherapie und Sexocorporel. Auf der Grundlage dieser Analysen schlagen sie ein sexualtherapeutisches Konzept mit Paar- und Einzelübungen vor und beschreiben hypnotherapeutische Interventions möglichkeiten. - Übersicht und Bewertung der wichtigsten Konzepte der Sexualtherapie - Konkrete Empfehlungen für die sexualtherapeutische Praxis Dieses Buch richtet sich an: - SexualtherapeutInnen, Ärztliche und Psychologische PsychotherapeutInnen - Praktische ÄrztInnen, UrologInnen, GynäkologInnen - PsychologInnen und SozialarbeiterInnen Reinhard Maß, Prof. Dr., ist approbierter Psychologischer Psychotherapeut, Verhaltenstherapeut und Sexualtherapeut und arbeitet als Leitender Psychologe am Zentrum für Seelische Gesundheit Marienheide. Renate Bauer ist approbierte Psychologische Psychotherapeutin, Verhaltenstherapeutin und Sexualtherapeutin und ist in eigener Praxis in Gummersbach niedergelassen.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 256
    Erscheinungsdatum: 27.08.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783608100570
    Verlag: Klett-Cotta
    Größe: 2740 kBytes
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Lehrbuch Sexualtherapie

2.6 Systemische Sexualtherapie

2.6.1 Vorbemerkungen

Die Systemische Sexualtherapie nach Clement (2004) kann als Anwendung der Systemischen Therapie (vgl. Retzer, 2007 ; von Schlippe & Schweitzer, 2007 ) auf Paare mit sexuellen Problemen aufgefasst werden, wobei neben dem breiten Fundus allgemeiner systemischer Techniken auch einige spezifische Interventionsformen Anwendung finden, unter denen das sog. "Ideale Sexuelle Szenario" eine zentrale Bedeutung hat. Der defizitorientierte Blick auf gestörte Funktionen wird zugunsten einer Betrachtung des sexuellen Begehrens verworfen. Dabei wird ausdrücklich auf den Differenzierungs-Ansatz von Murray Bowen ( Kerr & Bowen, 1988 ) und das Crucible-Konzept von Schnarch (1991) Bezug genommen. (Man kann somit einwenden, dass auch der Systemischen Sexualtherapie eine Defizit-Perspektive zugrunde liegt: Es geht hier um ein Defizit an Selbstdifferenzierung.)

Die gegenwärtige Geschlechterordnung ist nach Clement (2004) ein postpatriarchalischer und postfeministischer Übergangszustand, in dem die Gleichwertigkeit der beiden Geschlechter und die sexuelle Selbstbestimmung Konsens sind. Sexuelle Tabus seien abgebaut worden, mit Ausnahme des Gewalttabus und des pädosexuellen Tabus, welche heute eher stärker als früher akzentuiert werden. Das Beziehungsleben sei flexibler geworden, Männer wie Frauen hätten heute mehr feste Beziehungen als früher, Ehen seien kürzer, es gebe Platz für " . . . Beziehungen vor der Ehe, nach der Ehe, zwischen den Ehen und statt der Ehe" ( Clement, 2004 , S. 12). In der postmodernen Sexualität dürfe man alles und müsse nichts, die alten Koordinaten seien nicht mehr gültig (vgl. das Konzept der neosexuellen Revolution von Sigusch, 1998 ). Trotz dieser neuen Freiheiten nähmen sexuelle Unzufriedenheit und mangelndes sexuelles Verlangen eher zu. Eine "Verhandlungsmoral" sei heute als zentrale interaktionelle Orientierung an die Stelle der alten, inhaltlich definierten Werte (das Normale, Natürliche, Angemessene) getreten: Akzeptabel sei nun das, worauf beide sich einigen können; was einer der Partner ablehnt, werde nicht akzeptiert. Die Verhandlungsmoral sei zwar einerseits potentiell kreativ, weil sie konventionelle Skripte und Routinen in Frage stelle. Andererseits könne sie aber auch Ängste mobilisieren und so ausgelegt werden, dass sie einengt und jegliche Spontaneität abtötet, weil das Tempo stets der langsamere, vorsichtigere, ängstlichere Partner bestimmt. Verhandlungsmoral könne deswegen nur funktionieren, wenn auch die andere Seite ins Spiel kommen kann. Retzer (2007 , S. 249) schreibt dazu:

" . . . Seit Mitte der 80er Jahre stand dann die Etablierung von Sexualität als friedliche, berechenbare und herrschaftsfreie zwischenmenschliche Umgangsform auf dem Programm. Sexuelle Korrektheit war angesagt, und die Entsexualisierung von Paarbeziehungen war nun das Ziel. Es entstand die Verpflichtung zu eindeutigem Fragen und eindeutigem Antworten. Sexualität wurde zu einer Form korrekter Kommunikation. Diese Entwicklung der sexuellen Enttabuisierung mit anschließender Pazifizierung sexueller Beziehungen geht mit einer Veränderung der Klagen über sexuelle Schwierigkeiten einher: Die Klagen der 90er Jahre und der Gegenwart sind nicht mehr vorrangig Vaginismus, Orgasmusstörungen oder Ejakulationsprobleme, sondern mangelndes sexuelles Verlangen und Erektionsstörungen."

Hier setzt Clement (2004) mit seiner Kritik der klassischen sexualtherapeutischen Konzepte an. Klassisch meint in diesem Zusammenhang das Programm von Masters & Johnson (1970) und alle seine späteren Modifikationen, insbesondere auch das Hamburger Modell. Clem

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