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Liebe und Krieg in Paarbeziehungen Verbundenheit, Unverbundenheit und wechselseitige Regulation in der Paartherapie von Solomon, Marion F. (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 21.06.2013
  • Verlag: Junfermann
eBook (PDF)
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Liebe und Krieg in Paarbeziehungen

Zwischenmenschliche Beziehungen im Allgemeinen und Paarbeziehungen im Besonderen sind immer wieder anfällig für Konflikte unterschiedlichster Art. Gerade der Mensch, der einem am nächsten steht, ist oft Quelle bewusster oder unbewusster Kränkungen und Verletzungen. Dabei könnte das Wissen um die Bindungsmuster, auf deren Basis Menschen im sozialen Kontext agieren, eine Menge Ärger ersparen helfen. Marion Solomon und Stan Tatkin erklären in ihrem Buch, wie Bindungserfahrungen aus frühester Kindheit die aktuellen Beziehungen beeinflussen und manipulieren. Stück für Stück werden alte Enttäuschungen und Ängste, die mit den ersten Bezugspersonen der Klienten zusammenhängen, aufgedeckt und bearbeitet. Anhand von Beispielen aus der Praxis zeigen die Autoren eindrucksvoll, wie auf diese Weise das Verhalten des Partners erklärt, Verständnis geschenkt und die Beziehung langfristig verbessert werden kann. Dr. Marion Solomon ist Dozentin an der David Geffen School der University of California (UCLA), Abteilung Psychiatrie, und Ausbildungsleiterin am Lifespan Learning Institute. Sie hat zahlreiche Bücher zum Thema Paartherapie geschrieben.

Produktinformationen

    Format: PDF
    Kopierschutz: AdobeDRM
    Seitenzahl: 306
    Erscheinungsdatum: 21.06.2013
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783955711450
    Verlag: Junfermann
    Originaltitel: Love and war in intimate relationships
    Größe: 480 kBytes
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Liebe und Krieg in Paarbeziehungen

1. Verbundenheit und Unverbundenheit

Wenn sich bei dem Menschen, den wir uns unter all denen, die infrage gekommen wären, ausgesucht haben, um ihn zum Mittelpunkt unserer Welt zu machen, irgendwann eine unheimlich anmutende Ähnlichkeit zu einem Menschen zeigt, der uns einst großgezogen hat, ist das kein Zufall. In der Paarbeziehung reproduzieren wir Interaktionsmuster, die durch die - guten oder schwierigen - Beziehungen zu den primären Bezugspersonen unserer Kindheit vorgegeben sind. Sobald diese Grundmuster einmal in unser Gehirn eingeschrieben sind, haben wir unser ganzes Leben lang die Tendenz, sie in jeder späteren engen Beziehung wiederzubeleben. Wie oft haben wir schon mitbekommen, dass sich jemand scheiden lässt, nur um eine Person zu heiraten, die dem verlassenen Partner sehr ähnlich ist?

Die gute Nachricht ist, dass Partner, deren frühkindliche Bindungsbeziehungen problematisch waren, durch ihr Engagement Wunden der Vergangenheit schließen und das Paarsystem so umgestalten können, dass sie sich darin sicher und geborgen fühlen. Neuere Erkenntnisse der Bindungsforschung und der affektiven Neurowissenschaft zeigen, wie Beziehungsmuster sowohl die Gehirne der einzelnen Partner als auch ihr gemeinsames Nervensystem (s. a. Abschnitt 8.3 ) modifizieren und umgekehrt auch fortwährend von diesen verändert werden. Das aus dieser Sichtweise abgeleitete Transformationsmodell nutzt die Dynamik der Paarbeziehung, um die Bindung der Partner aneinander zu festigen und positive Veränderungen in Gang zu setzen.

Wir alle sind psychobiologisch darauf programmiert, uns an einen anderen Menschen zu binden. In ihrer positivsten Form ist die Bindung an einen Menschen ein sicherer Hafen, eine Zuflucht vor den kleinen und großen Stürmen draußen in der Welt. In der Kindheit führt das Bedürfnis nach Bindung zum Aufbau der primären engen Beziehung zwischen Baby und Pflegeperson. Im Erwachsenenalter erleben wir es am intensivsten in einer Paarbeziehung (Dicks, 1967; Shaver et al., 2000).

Aus der Beziehung zu unserem primären Gegenüber ziehen wir die Energie, die wir brauchen, um uns der Welt da draußen mit ihren fremden Menschen und fremden Dingen stellen zu können. Wir sind darauf angewiesen, dass dieser Mensch uns wieder Leben einhaucht, wenn wir gekränkt oder erschöpft sind oder angesichts der Geschehnisse um uns herum verzagen. Wenn wir uns zusammen mit ihm auf unbekanntes Terrain begeben, halten wir uns an den Händen und geben einander Rückhalt. Wie gut wir uns behaupten und wie wohl wir uns fühlen, hängt direkt davon ab, wie gut wir diese primäre Beziehung zu gestalten wissen. Christopher Lasch hat die "Vorstellung von der Familie als einem Ort der Geborgenheit in einer herzlosen Welt" aus historischer Sicht untersucht (1977, S. 3; dt. 1981, S. 24).

In einer primären Bindungsbeziehung zwischen Erwachsenen hat jeder der Partner eine Art "Amt" inne, das der Position entspricht, die einst der frühesten Pflegeperson des anderen zukam, und übt Selbstobjekt-Funktionen im Sinne Kohuts (1971) aus (bei denen wir vom anderen als Teil des eigenen Selbst wahrgenommen werden). Diese Aufgabe aktiviert bestimmte neurale Netzwerke im Gehirn, die sich in den ersten Jahren nach der Geburt entwickeln und dabei von unseren frühen Bindungsbeziehungen geprägt werden.

Die neurowissenschaftliche Forschung der letzten zwei Jahrzehnte (z. B. Schore, 2000, 2001c; Siegel, 1999, 2010a, 2010b; Trevarthen, 2001) hat bestätigt, dass in unseren prägenden ersten Jahren Bindungs-, Trennungs- und Verlusterfahrungen Beziehungsmuster entstehen lassen, die dann unser ganzes Leben lang weiterwirken und sich dementsprechend in der strukturellen und funktionellen Entwicklung des Gehirns, des gesamten Nervensystems und des neuroendokrinen Systems niederschlagen (mehr zu diesem Thema in Teil III). Die betreffenden Verschaltungen führen dazu, dass bestimmte Bahnen neuraler Netzwerke in besonderem Maße beanspruch

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