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Narzissmus Theorie, Diagnostik, Therapie

  • Erscheinungsdatum: 06.09.2012
  • Verlag: Kohlhammer Verlag
eBook (ePUB)
25,99 €
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Narzissmus

Mit Beiträgen u.a. von E. Dieckmann, H. Gündel, O. F. Kernberg und M. Walter. Die narzisstischen Störungen finden in den letzten Jahren wieder vermehrt Beachtung. Narzisstische Phänomene nehmen möglicherweise zu und prägen unsere Gesellschaft. Trotz dieser Relevanz ist der Narzissmus mit seinen vielfältigen Erscheinungsformen nicht einfach zu verstehen. Dieses praxisorientierte Buch versammelt Beiträge renommierter Autoren wie bspw. Stephan Doering, Harald Gündel und Otto F. Kernberg zur Diagnostik und Therapie narzisstischer Störungsbilder und bietet fundierte Einsichten in das komplexe klinische Konzept ?Narzissmus?. Dabei wird sowohl auf psychodynamische Verstehenszugänge wie auch auf die Weiterentwicklung der kognitiven Therapie in Form der Schematherapie eingegangen. Beiträge u. a. zum Zusammenhang von Narzissmus und Körper, Narzissmus und Macht, Narzissmus und Adoleszenz als besonders vulnerable Phase sowie Narzissmus und Paarbeziehung runden das Buch ab. Dr. Gerhard Dammann, PD Dr. Isa Sammet und Dr. Bernhard Grimmer sind in leitender Funktion als Fachärzte bzw. Fachpsychologen in der Psychiatrischen Klinik Münsterlingen am Bodensee tätig.

Produktinformationen

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Narzissmus

II Therapie

4 Besonderheiten analytischer Gruppentherapie mit narzisstischen Patienten

Christiane Rösch

Obwohl die analytische Gruppentherapie zunächst "aus der Not geboren" wurde, gilt sie heute als anerkannte und effektive, auf den Erkenntnissen der psychoanalytischen Krankheitslehre basierende Behandlungsmethode von neurotischen und strukturellen Störungen. Als "aus der Not geboren" gilt die analytische Gruppenpsychotherapie deshalb, weil die beiden Pioniere der Gruppenanalyse S. H. Foulkes und R. W. Bion auf diese Anwendungsmethode psychodynamischer Konzepte zurückgreifen "mussten". Zur Zeit des Zweiten Weltkriegs wären die Militärpsychiater in der Tavistock Klinik dem Versorgungsbedarf der traumatisierten Kriegsveteranen durch Behandlung im Einzelsetting nicht gerecht geworden. Bion wie auch Foulkes hatten sich jedoch schon vor ihrer Tätigkeit in der Tavistock Klinik mit der Dynamik in Gruppen beschäftigt: Foulkes, der 1933 nach London emigrierte, noch während seiner Frankfurter Zeit, als die Psychoanalytiker eng mit den Soziologen der Frankfurter Schule zusammenarbeiteten, und Bion aufgrund seiner Erfahrungen mit Gruppen im Ersten Weltkrieg. Beide waren auch mit dem Konzept der Objektbeziehungstheorie vertraut. Foulkes hatte seine Lehranalyse bei Melanie Klein fortgesetzt und Bion dienten die konzeptuellen Grundlagen der Objektbeziehungstheorie bei seiner Arbeit mit psychotischen und früh gestörten Patienten.

Galt die Gruppenanalyse zunächst als zweite Wahl gegenüber der Einzelanalyse, so sind heute psychodynamische gruppentherapeutische Konzepte nicht mehr wegzudenken, weder aus der stationären Psychotherapie noch aus der ambulanten Versorgung - nicht nur der von Menschen mit neurotischen Störungen, sondern insbesondere von Menschen mit Persönlichkeitsstörungen.
4.1 Überlegungen zur Dynamik in Gruppen mit Patienten mit narzisstischen Persönlichkeitsstörungen

Vor einem psychodynamischen Verstehenshintergrund sind Persönlichkeitsstörungen die Folge traumatischer Beziehungserfahrungen mit den primären Objekten der frühen Kindheit. Der Mentalisierungstheoretiker Fonagy konzeptualisiert die Pathologie des Patienten als eine Folge mangelnder Gefühlswahrnehmung aufgrund des Versagens der primären Objekte hinsichtlich Rezeptivität und Resonanzfähigkeit. Der Patient konnte so die Fähigkeit, den eigenen mentalen Zustand und denjenigen des signifikanten Gegenübers zu verstehen, nicht erwerben. Für Kernberg ist die Pathologie des Patienten Ausdruck einer gestörten psychischen Struktur, die sich von Geburt an durch die gemachten Beziehungserfahrungen bildet und zum Ausdruck einer "inneren Welt" wird. Jene ist vor dem Hintergrund traumatisierender Beziehungserfahrungen aufgrund abwehrbedingter Spaltungsprozesse von widersprüchlichen, bösen und guten internalisierten Beziehungsmustern (Selbst-Objekt-Beziehungsdyaden) bevölkert. Während es für die Mentalisierungstheoretiker wegen der mangelnden Mentalisierungsfähigkeit der Patienten zu den interpersonellen Beziehungsschwierigkeiten kommt, sind es für Kernberg die widersprüchlichen internalisierten Beziehungsmuster, die unbewusst in Beziehungssituationen im Hier und Jetzt reinszeniert werden und zu den interpersonellen Schwierigkeiten führen.

Unabhängig davon, welchem theoretischen Konzept man sich bedient, um die narzisstische Persönlichkeitsstörung zu verstehen, die psychodynamische Behandlung in Gruppen ist eine geeignete Methode - zumal die Gruppe der Patienten mit narzisstischen Persönlichkeitsstörungen sehr heterogen sowie durch unterschiedliche interpersonelle Merkmale geprägt ist und, wie G. O. Gabbard (2006) postuliert, bei allen narzisstischen Persönlichkeitsstörungen von einer beeinträchtigten Mentalisierungsfähigkeit ausgegangen werden muss.

Bezug nehmend auf Herbert Rosenfeld unterteilt Gabbard die narzisstischen Persönlichkeitsstörungen in zwei Gruppen: in die "dick

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