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Psychologie der Jugendsexualität Theorie, Fakten, Interventionen von Bodmer, Nancy M. (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 29.05.2015
  • Verlag: Verlag Hans Huber
eBook (ePUB)
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Psychologie der Jugendsexualität

"In der Forschung wurde Jugendsexualität lange fast ausschließlich aus der Problemperspektive untersucht. Inzwischen wurden jedoch neue Erklärungsansätze entwickelt, um zu verstehen, weshalb, wann und unter welchen Bedingungen Jugendliche sexuell aktiv werden. Gibt es spezifische Entwicklungspfade, die zu einem früheren Einstieg in die sexuelle Aktivität führen? Was heißt heute überhaupt "früh"? Das Thema "Jugendsexualität" bietet sich an, um spezifische Fragestellungen zu beleuchten: Stehen religiöse Werte und Normvorstellungen mit dem Zeitpunkt des ersten Geschlechtsverkehrs in einem Zusammenhang? Wie ist das Verhütungsverhalten heutiger Teenager? Was bedeutet es für Heranwachsende, wenn sie merken, dass sie eventuell eine andere sexuelle Orientierung haben als die meisten ihrer Altersgenossen? Dank aktuellen Befunden wird es zunehmend möglich, Interventionen besser zu planen und informierend an die Jugendlichen heranzugehen. Die Autorin trägt den gegenwärtigen Wissensschatz zusammentragen und beantwortet einige dieser wichtigen Fragen. Das Ergebnis ist das vorliegende Buch, in dem Theorie, Empirie und Intervention verknüpft werden."

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 208
    Erscheinungsdatum: 29.05.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783456752266
    Verlag: Verlag Hans Huber
    Größe: 2726kBytes
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Psychologie der Jugendsexualität

[18] [19] 1. Ein verantwortungsvoller Umgang mit Sexualität als Entwicklungsaufgabe des Jugendalters

Um das Sexualverhalten Jugendlicher zu verstehen, werden im Folgenden die vielfältigen Entwicklungsaufgaben dieser Lebensphase ausgeleuchtet. Das Kapitel beginnt mit einer Definition von Entwicklung. Dar auf aufbauend wird das Konzept der Entwicklungsaufgaben erläutert; Entwicklungsaufgaben beschreiben die konkreten Entwicklungsschritte in spezifischen Lebensphasen. Die Entwicklungsaufgaben des Jugendalters werden dargestellt und es wird diskutiert, welche Bedeutung diese für das Erlernen eines verantwortungsvollen Umgangs mit Sexualität haben. Es folgen Modelle zur Erklärung des Sexualverhaltens sowie die Darstellung biologischer Reifeprozesse in der Pubertät. Die Bedeutung des Gesundheits- und Risikoverhaltens im Jugendalter für die sexuelle Entwicklung Jugendlicher und junger Erwachsener wird abschließend thematisiert.

1.1 Der entwicklungspsychologische Kontext

Eine moderne Auffassung von Entwicklung beschreibt Entwicklungsverläufe als komplexe Wechselwirkungen zwischen biologischen, psychischen und sozialen Faktoren. 2 Die genetischen Grundlagen und biologischen [20] Reifungsprozesse stellen dabei den Rahmen sowie die Basis dar. Gleichzeitig bewegt sich das sich entwickelnde Individuum in Umweltsystemen (zu denen die genannten sozialen, psychischen etc. Faktoren gehören): Es beeinflusst diese Systeme und wird selbst von diesen mitgestaltet. Solche Systeme sind für Jugendliche beispielsweise die Familie, der Freundeskreis, die Schule und/oder Arbeit sowie die Freizeit. Diese Systeme werden ihrerseits von der sich wandelnden Gesellschaft geformt. Der Jugendliche 3 bewegt sich im Verlaufe seiner Entwicklung zunehmend kompetenter und selbstständiger in diesen Systemen und eröffnet zunehmend weitere Räume, beispielsweise im Freizeitbereich oder durch die Aufnahme von Kontakten mit neuen Gleichaltrigen. Durch eine aktive und gezielte Auseinandersetzung mit seiner Umwelt gestaltet der Heranwachsende seine Entwicklung zunehmend mit.

1.1.1 Entwicklungsaufgaben

Eine wechselseitige Beeinflussung zwischen dem Individuum und seiner Umwelt steht im Zentrum einer Betrachtung von Entwicklung in den verschiedenen Lebensphasen. In diesen finden über die Lebensspanne altersspezifische Lernprozesse statt. Diese Lernprozesse lassen sich mit dem Konzept der Entwicklungsaufgaben von Robert Havighurst (1948, S. 6) beschreiben:

"Eine Entwicklungsaufgabe ist eine Aufgabe, die sich in einer bestimmten Lebensperiode des Individuums stellt. Ihre erfolgreiche Bewältigung führt zu Glück und Erfolg in Bezug auf spätere Aufgaben, während eine nicht erfolgreiche Bewältigung das Individuum unglücklich macht, es auf Ablehnung durch die Gesellschaft stoßen lässt und zu Schwierigkeiten bei der Bewältigung späterer Aufgaben führt."

Eine Entwicklungsaufgabe ist eine an ein bestimmtes Alter gebundene Entwicklungsanforderung in einem bestimmten Lebensbereich. Es werden drei sogenannte Quellen für Entwicklungsaufgaben definiert:

[21] Die physische Reifung des Organismus bildet die Ausgangslage für die Bewältigung von Entwicklungsaufgaben. (Die zur physischen Reife führenden biologischen Prozesse werden in Kapitel 1.3 dargestellt.) Im Jugendalter erfolgen mit dem Beginn der Pubertät, der Zeit der eintretenden Geschlechtsreife, Veränderungen in den Einstellungen gegenüber sich selbst beispielsweise Anpassung des Selbstwerts, Geschlechterrollenidentität und Körperbild sowie bezüglich der Handlungen gegenüber der sozialen Umwelt beispielsweise Kontaktaufnahme zu gegengeschlechtlichen Gleichaltrigen oder Autonomiebestrebungen gegenüber den Eltern.

Die Bewältigung von Entwicklungsaufgaben untersteht weiter einem kulturellen Druck respektive den mehr oder weniger ausgesprochenen Erwartungen und Wertvorstellungen der

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