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Psychotherapie der Depression von Böker, Heinz (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 01.01.2011
  • Verlag: Verlag Hans Huber
eBook (PDF)
32,99 €
inkl. gesetzl. MwSt.
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Psychotherapie der Depression

Depressionen gehören zu den häufigsten und schwersten psychischen Erkrankungen. Bei der Behandlung depressiv Erkrankter müssen die psychosozialen und die biologischen Bedingungen der Depression gleichermaßen berücksichtigt werden. Dieses Buch vermittelt einen umfassenden Überblick über die unterschiedlichen Verlaufsformen depressiver Erkrankungen, die Begriffsgeschichte der Depression und die Entwicklung der verschiedenen psychologischen Depressionsmodelle. Ausgehend von einem umfassenden Verständnis depressiver Erkrankungen als "Psychosomatosen der Emotionsregulation" werden die psychotherapeutischen Ansätze dargestellt, die sich in einem Gesamtkontext bewährt haben. Dabei werden insbesondere auch die Ergebnisse der Therapie- und Psychotherapieforschung bei depressiv Erkrankten berücksichtigt. Das Buch richtet sich speziell an die im Bereich der Depressionsbehandlung tätigen Psychiater, Psychotherapeuten, Psychoanalytiker, Klinischen Psychologen und an alle weiteren Berufsgruppen, die spezielle therapeutische Interventionen anwenden, um der Vielschichtigkeit depressiven Erlebens gerecht zu werden. Mit seinem interdisziplinären Ansatz leistet dieses Buch einen wertvollen Beitrag zu einem umfassenden Verständnis depressiver Erkrankungen. Nicht zuletzt eröffnet es wichtige neue Perspektiven für die Weiterentwicklung geeigneter therapeutischer Konzepte in der Depressionsbehandlung.

Produktinformationen

    Format: PDF
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 245
    Erscheinungsdatum: 01.01.2011
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783456949895
    Verlag: Verlag Hans Huber
    Größe: 1998 kBytes
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Psychotherapie der Depression

2Die anthropologische Dimension der Depression und das Zeiterleben Depressiver

Depressive Erkrankungen weisen eine vielfältige Symptomatik auf, die in jedem Einzelfall durch die jeweilige Lebensgeschichte, die Persönlichkeit des Betreffenden und vielfältige weitere Faktoren geprägt ist. Die genaue Erfassung und Beschreibung der Symptomatik steht dabei keineswegs in einem Widerspruch zu dem Anliegen, der Person des Erkrankten auf der Grundlage einer therapeutischen Beziehung zu begegnen. Insbesondere die auf der Phänomenologie gründende anthropologische Psychiatrie stellt sich "der Erfahrung, dass die Beschreibung der Symptomatologie seelischer Krankheit zuerst und vor allem das Ergebnis intuitiver Einfühlung in das Erleben des anderen ist. Die Phänomenologie des seelisch Kranken ist also immer auch eine Phänomenologie der Intersubjektivität" (Schmidt-Degenhardt 1983, S. 138). Die therapeutische Erfahrung wird zum Ausgangspunkt von Erörterungen über den Menschen; dabei wird der Blick von der Krankheit zum Kranken gewendet, der Gang zum Mensch wird gegenüber einer bloßen Beeinträchtigung seiner Organe und Krankheiten betont. Die anthropologische Psychiatrie geht dabei von dem "In-der-Welt-Sein" des Menschen - einem zentralen Begriff Heideggers - als Grundverfassung des menschlichen Lebens aus. So beschrieb zum Beispiel von Gebsattel (1939) den "Affekt der Verwunderung", des Staunens vor dem Anders-Sein des anderen, das eine Haltung wirklicher Ehrfurcht vor seinem Kranksein voraussetzt, als ersten Schritt in der therapeutischen Begegnung. Die Melancholie erscheint dabei als eine das Menschsein in toto abwandelnde Seinsweise, als ontologischer Begriff, der von dem nosologischen Depressionsbegriff der Psychiatrie unterschieden werden muss. Wyss (1972) betonte, dass ohne die helfende, verstehende Wesenserkenntnis des Krankseins des anderen die Therapie der Krankheit zum apersonalen, rein pragmatischen Akt werde. Auf dieser Grundlage zielen die Melancholie-Studien im Rahmen der anthropologischen Psychiatrie insbesondere auf die Veränderung des Zeiterlebens in der endogenen Depression. Henry Ey (1970) beschrieb eindrucksvoll das veränderte Zeiterleben des Depressiven: Das Wesen der Melancholie bestehe in der "Erfahrung des Nie". Die Komplexität der Zeit und des Lebens zerfalle und sinke auf eine niedrigere Stufe: "Die Lebenskraft weicht und das Werden (nun nicht mehr durch den "élan vital" auf die Zukunft gerichtet) stürzt auf uns zu und erweist sich in seiner Gesamtheit als feindliche Macht, die uns nur leiden lassen kann". Dieser Satz unterstreicht die erschreckende Erfahrung in der tiefen Depression.

Im Zusammenhang mit dem Zeiterlebnis in der endogenen Depression beschrieb Strauss (1928) die "vitale Hemmung" (vgl. Schneider 1920) als ein biologisches Kardinalsymptom der Depression. Strauss leitete die Symptome der schweren Depression - die Verstimmung, die Wahnbildung und das Zwangsdenken - von der vitalen Grundstörung des Zeiterlebens ab:

Auch die vitale Hemmung der endogenen Depression beeinflusst vermitteltst der Veränderung des wirken Könnens zunächst nur das Zukunftserlebnis. Aber mit dem Verlangsamen, Stocken, schließlich Stillstehen der wachsenden inneren Zeit verändert sich auch die Struktur des Vergangenen. Sobald die innere Lebensgeschichte einen Stillstand erleidet, verändert sich auch Sinn und aktuelle Bedeutung der Ereignisse auf der bisher durchlaufenden Lebensstrecke. Diese Veränderung ist nicht nur eine inhaltliche, durch eine neue affektive Tönung der vergangenen Ereignisse, sondern auch eine formale, insofern das Erlebnis des Bestimmtseins durch das Vergangene und das des Erledigens des Vergangenen eine tiefgreifende Wandlung erfährt, die sich auf alles Vergangene bezieht, Erinnerungstäuschungen und -fälschungen fundiert. (Strauss 1928, S. 646)

Von Gebsattel erfasste das Zeiterleben in der Melancholie mit der philosophischen Wendung: "Das Werden wird als Entwerden erfah

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