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Sexualität in Paarbeziehungen von Sydow, Kirsten von (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 20.01.2015
  • Verlag: Hogrefe Verlag
eBook (PDF)
26,99 €
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Sexualität in Paarbeziehungen

Sexuelle Störungen und Probleme sind in dauerhaften Paarbeziehungen keine Seltenheit. In therapeutischen und beraterischen Kontexten wird damit ganz unterschiedlich umgegangen. Die Bandbreite reicht von großartigen Optimierungsversprechen über Pessimismus bis hin zur kompletten Vermeidung des Themas. Ausgehend von der Grundlagenforschung wird in diesem Band ein Überblick über die sexuelle Entwicklung im Lebenslauf und in Dauerbeziehungen, die Verbreitung sexueller Probleme und relevante Risiko- und Schutzfaktoren gegeben. Verschiedene Theorien zur Sexualität, z.B. neuropsychologische, evolutionäre, soziologische, psychoanalytische, bindungs- und traumabezogene, werden kritisch diskutiert. Daran angelehnt werden die Möglichkeiten und Grenzen beraterischer und therapeutischer Interventionen bei Einzelpersonen und Paaren dargestellt. Hierzu gehören Pharmakotherapie, Beratung und Psychoedukation, klassische sexualtherapeutische und systemisch-integrative Therapieansätze. Zum einen wird auf Funktionsstörungen wie Lustlosigkeit, Impotenz oder ausbleibenden Orgasmus eingegangen; zum anderen werden nichtfunktionelle sexuelle Probleme, wie z.B. sexuelle Langeweile, Außenbeziehungen, Gewalt oder Konflikt über sexuelle Fragen, behandelt. Wesentlich dabei ist sowohl die individuelle Weiterentwicklung der Betroffenen in Richtung Selbstverantwortung, Autonomie und Entwicklung der emotionalen Selbstregulation als auch die Stärkung der Bindungsfähigkeit eines Paares. Fallbeispiele illustrieren die integrative psychotherapeutische Arbeit der Autorinnen, die durch systemische, psychodynamische und sexualtherapeutische Ansätze geprägt ist.

Produktinformationen

    Format: PDF
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 240
    Erscheinungsdatum: 20.01.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783840916441
    Verlag: Hogrefe Verlag
    Größe: 1786 kBytes
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Sexualität in Paarbeziehungen

2 Sexuelle Entwicklungen in heterosexuellen Beziehungen (S. 5-6)

2.1 Der Entwicklungsverlauf über die gesamte Beziehungsdauer

Die Forschung konzentriert sich auf die Frage, wie oft Ehepaare durchschnittlich Geschlechtsverkehr haben. Über alles andere weiß man nur wenig.

2.1.1 Die Bedeutung von Zärtlichkeit und Sexualität

Sex ist für die meisten Menschen die meiste Zeit hindurch weniger bedeutsam als die Medien suggerieren: Nur ein Viertel der Deutschen (33 % der Männer, 20 % der Frauen) würde sich grundlegend daran stören, "wenn mein Partner keinen Sex mehr haben will". Ernstere Probleme wären es, wenn der "Partner die Kinder schlecht behandelte" (für 68 %), "sich nicht mehr um sein Äußeres kümmerte" (für 50 %) oder die ganze Zeit vor dem Computer verbrächte (für 46 %; EMNID-Institut, 2011).

Sehr wichtig sind aus Sicht der deutschen Bevölkerung bei einem Partner oder einer Partnerin Attribute wie "Ehrlichkeit", "Treue", Wärme/Herzlichkeit", "gute Mutter/guter Vater" oder "Natürlichkeit". Frauen nennen sexuelle Attraktivität erst auf Platz 10 (32 %), Männer auf Platz 6 (51 %; ohne Namen, 2012b). Auch als Motiv für das Scheitern von Beziehungen und Ehen spielt Sexuelles eine weniger wichtige Rolle. Bedeutsamer sind "die Partner haben sich auseinanderentwickelt" (55 %), Alltagsroutine und Langeweile (45 %), finanzielle Konflikte (41 %) - erst dann folgt "ein Seitensprung" (37 %), gefolgt von zu großer Karriereorientierung eines Partners (29 %), Konflikte über Kindererziehung (20 %), ein unbefriedigendes Sexualleben (19 %) und Streit über Hausarbeit (17 %; ohne Namen, 2008). Nach Einschätzung der 16- bis 69-jährigen Deutschen machen vor allem Gesundheit (76 %) und - für über 60 % - eine glückliche Partnerschaft/Ehe, eine Familie oder Menschen, die einen lieben, glücklich. Dagegen spielten "viel Geld haben", beruflicher Erfolg oder "ein erfülltes Sexleben" eine weitaus geringere Rolle (Merten, 2007, S. 102).

Da seriöse Studien zum Thema nicht vorliegen, wollen wir nur kurz methodisch fragwürdige Studien erwähnen, laut denen Frauen dem Sex manchmal TV-Romanzen (35 %), Schokolade (23 %), Schaumbäder (19 %) oder Sport (17 %) vorziehen (GEWIS-Umfrage für die Zeitschrift Für Sie; Umfrage: Frauen würden eher ..., 2006). Für Männer oft reizvoller als Sex mit ihrer Partnerin seien Fußballspiele (62 %; zitiert nach Hamburger Morgenpost, 30. 05. 2008) oder neue Computerspiele (für 72 %).

Für die Mehrheit der Erwachsenen in Deutschland (60 %) sind Küsse, Zärtlichkeiten und Petting das wichtigste Element ihres Sexuallebens. Geschlechtsverkehr rangiert erst an zweiter Stelle (37 %; Kluge & Sonnenmoser, 2002). Die Bedeutung von Sexualität nimmt mit zunehmender Beziehungsdauer stärker ab als die von Zärtlichkeit: Während bei drei Viertel der glücklichen Paare Ende 20 Sex wichtig ist, und das auch für glückliche Paare in den Vierzigern gilt, spielt dieses Thema für glückliche Paare mit Mitte 60 nur noch eine geringe Rolle, während emotionale Sicherheit und Loyalität an Bedeutung gewonnen haben (Reedy et al., 1981). Zärtlichkeit war in den ersten Ehejahren für 63 % wichtig und ist bei 44 % auch in reiferen Jahren nach wie vor bedeutsam (Sydow, 1993).

2.1.2 Erotische Fantasien, erotisches (Des-)Interesse und Motive für sexuelle Aktivität

Die meisten Menschen sind lebenslang interessiert an Zärtlichkeit. Die Schweizer Bevölkerung ist zwischen 45 bis 69 Jahren jedenfalls fast durchweg interessiert an Zärtlichkeit (Streicheln, in den Arm nehmen, Küssen; 98 bis 100 %), nur in der Gruppe ab 70 Jahren ist das weibliche Interesse etwas geringer (bei rund 80 % vorhanden) als das männliche (rund 95 %; Bucher et al., 2001). Interessiert an Petting sind rund 90 % der Männer ab 45 Jahren und noch 75 % der 75- bis 91-jährigen Männer. Bei den Frauen sind 65 bis 94 % ab 45 Jahren interessiert an Petting, allerdings nur noch 35 % der Frauen ab 75 Jahren. Geschlechtsverk

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