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Wege der Traumabehandlung Trauma und Traumabehandlung, Teil 2 von Huber, Michaela (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 23.01.2012
  • Verlag: Junfermann
eBook (ePUB)
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Wege der Traumabehandlung

Moderne Traumatherapie ist heute gut strukturiert, folgt einem konsequenten und überprüfbaren Behandlungsmodell und hilft den Betroffenen, sich zunächst zu stabilisieren, um dann das brisante Geschehen und dessen Folgen Schritt für Schritt verarbeiten zu können. Michaela Huber stellt in diesem Buch - dem zweiten Band der Reihe 'Trauma und Traumabehandlung' auf eine auch für Laien verständliche Weise die ethischen Grundlagen der Traumabehandlung dar und beantwortet die wichtigsten Fragen von Betroffenen und Therapeuten rund um das Behandlungsgeschehen, zum Beispiel: · Wann ist es Zeit für Traumatherapie - und wann nicht? · Wieso brauchen Frauen und Männer verschiedene Therapien? · Ambulante und/oder stationäre Traumatherapie? · Wieso beginnt Traumatherapie mit Stabilisierung und Ressourcen-Aktivierung? · Was heißt hier Täter-Opfer-Spaltung? · Was ist in der Traumatherapie mit rituell mißhandelten Menschen zu beachten? · Läßt sich das Trauma-Schema verändern? · Was braucht man, um mit Flashbacks und Selbstverletzungen sowie anderen heftigen Gefühlen umzugehen? · Wie kann man Distanz zum Traumaerleben gewinnen? Außerdem beschreibt die Autorin anhand von zahlreichen Beispielen die wichtigsten Durcharbeitungs-Techniken für Traumatisierungen. Ergänzend gibt sie Empfehlungen für KollegInnen und Angehörige von Traumatisierten, wie sie die 'Mitempfindens-Müdigkeit' verhindern können. Im Anhang schließlich werden traumatherapeutisch arbeitende Kliniken und andere Institutionen empfohlen. Michaela Huber , Jahrgang 1952, ist psychologische Psychotherapeutin, Supervisorin und Ausbilderin in Traumabehandlung, niedergelassen in Kassel. Sie ist seit deren Gründung 1. Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Trauma und Dissoziation und erhielt 1997 auf dem Traumakongress in Montreal den "International Distinguished Achievement Award" der ISSD für ihre Verdienste auf dem Gebiet der Publikation und Fortbildung zum Thema der schweren posttraumatischen, dissoziativen Störungen. Sie ist Mitbegründerin des Zentrums für Psychotraumatologie in Kassel. 2008 erhielt sie für ihren Einsatz für traumatisierte Menschen das Bundesverdienstkreuz.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 400
    Erscheinungsdatum: 23.01.2012
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783873878105
    Verlag: Junfermann
    Größe: 1339 kBytes
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Wege der Traumabehandlung

Einleitung

"Menschen, die ein Trauma zu bewältigen haben, fühlen sich oft hilflos und von Umständen überwältigt, die außerhalb ihrer Kontrolle liegen.
Wir werden als auf immer geschädigte Menschen angesehen (und sehen uns auch selbst so) - als ,Überlebende' ..."
- Linda B. Jones, 2003

"Für den Stellenwert therapeutischer Verfahren zur Linderung oder Heilung Posttraumatischer Belastungsstörungen ist grundsätzlich festzuhalten, dass es unrealistisch ist zu hoffen, dass durch eine Psychopharmakotherapie oder durch eine Psychotherapie in irgendeiner Art und Weise das traumatische Ereignis aus dem Leben und aus der Erinnerung des Betroffenen beseitigt werden kann. Es geht vielmehr immer darum, dass die Betreffenden in die Lage versetzt werden, adäquat mit den belastenden Erlebnissen umzugehen und sich entsprechend ihres Lebensentwurfes auch darauf einzustellen."
- Steffen Haas, 2000

Wer Opfer eines seelischen Traumas geworden ist, befindet sich oft lange im Status des "Überlebenden". Und Linda Jones hat recht: Von vielen Menschen werden Überlebende so betrachtet, als hätten sie eine Krankheit, auf die sie sich "adäquat einzustellen" hätten; ähnlich wie man sich nach einem körperlichen Trauma etwa auf eine Behinderung einstellen muss. Entsprechend drastisch fallen auch oft die psychischen Diagnosen nach Extremstress-Ereignissen aus. Wer Überlebende/r von Langzeittraumata ist, bekommt nicht selten solche Diagnosen zugeschrieben wie "Borderline" oder andere "Persönlichkeitsstörungen", wie denn überhaupt oft von Störungen die Rede ist: depressive Störung, Angststörung, dissoziative Störung, posttraumatische Störung - und dann sieht es in der Krankenakte so aus, als sei diese Person eo ipso irreparabel geschädigt, wobei die Ursache aus dem Blickfeld gerät. Dabei ist sie doch nur traumatisiert.

Was heißt "nur": Sie ist gezwungen worden, extreme Abwehr gegen extremen Stress auszuprägen. Bei den Überlebenden von frühen Traumata bedeutet dies: Sie sind von Kindesbeinen an gezwungen worden, wieder und wieder Gewalt durch nahe Angehörige, später vielleicht durch Freunde, Partner, Fremde zu erdulden, weit mehr, als ein Gehirn und ein Organismus gesunderweise verkraften können. Und das hatte gravierende Folgen. Aber sind sie deswegen irreparabel geschädigt? Oder lassen sich nicht doch die Folgen der seelischen Traumata durch sorgfältige Behandlung so verändern, dass aus Trauma-Überlebenden "Neurotiker wie du und ich" werden?

Vielleicht ist machmal beides richtig, mal mehr das eine, mal mehr das andere. Die Bedingungen, unter denen mehr positive Veränderungen möglich sind, werden in diesem Buch genauer betrachtet.

In einem jedoch hat Steffen Haas sicher recht: Ein Trauma "lässt sich nicht beseitigen". Es geht nicht weg. Es kann nur, wie wir heute wissen, durch adäquate traumazentrierte Behandlungsmethoden im Hirnstoffwechsel zu Veränderungen kommen, sodass das Trauma auf eine neue Art "metabolisiert" wird - so, wie man einen Tropfen Gift im Ozean auflöst, statt weiterhin eine Art "undichte Giftphiole" mit sich herumzutragen.
Dissoziation und Spaltung

In Band 1 wurden die neurophysiologischen Prozesse während eines Traumas genauer beschrieben. Der entscheidende Abwehrmechanismus des Gehirns im Moment der Traumatisierung ist Dissoziation. In der individuellen Wahrnehmung erleben die Traumaopfer im Augenblick der seelischen Todesnähe eine Art "Zerspringen des Spiegels" - sie verlieren den raum-zeitlichen Bezug, erleben sich als entfremdet von sich und anderen; später leiden sie dann, wenn es ihnen nicht gelingt, das Trauma innerhalb weniger Wochen zu integrieren, unter Gedächtnislücken, Körpersymptomen, sozialem Rückzug, Schreckreaktionen ...

Dissoziation ist dazu da, Erkenntnis zu verhinde

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