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Das psychologische Experiment Eine Einführung von Huber, Oswald (eBook)

  • Verlag: Verlag Hans Huber
eBook (PDF)
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Das psychologische Experiment

Das schon seit Jahren bewährte Buch von Oswald Huber will auch in dieser inzwischen 5. Auflage Studienanfänger und -anfängerinnen mit den elementaren Grundlagen des Experimentierens und ganz allgemein der Prüfung von empirischen Hypothesen vertraut machen. Der Autor konzentriert sich dabei auf die wesentlichen Probleme. Zunächst wird die Experimentalpsychologie in den Rahmen der Formulierung und Prüfung wissenschaftlicher Hypothesen eingebettet. Anschließend werden die experimentelle Methodik und die dabei auftretenden Probleme behandelt. Es werden durchgängig konkrete Hinweise und Tipps aus der Praxis des Experimentierens gegeben. Der letzte Teil bringt eine Erweiterung und Vertiefung der Grundlagen (z.B. Versuchsleitereffekte, Quasi-Experimente, ethische Probleme beim Experimentieren). Zum besseren Verständnis und zur Auflockerung beim Lernen enthält der Text zahlreiche Cartoons. Das Konzept des Buches ist aus der jahrelangen Lehrtätigkeit des Autors in der Methodikausbildung entstanden. Es wurde vielfach erfolgreich in der Praxis erprobt. Interessenten: Studierende der Psychologie und der Nachbardisziplinen, Lehrende im Bereich der Methodenlehre, Nicht-Psychologen, die an einem besseren Verständnis der empirisch und experimentell arbeitenden Psychologie interessiert sind.

Produktinformationen

    Format: PDF
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 221
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783456952994
    Verlag: Verlag Hans Huber
    Größe: 2040 kBytes
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Das psychologische Experiment

(2) Alltagspsychologische Annahmen (auch falsche) beeinflussen unser Handeln. Durch unser Handeln können wir aber u. U. das erwartete Ergebnis herbeiführen, auch wenn diese alltagspsychologische Annahme falsch ist.

Ein Elternpaar hat z. B. die falsche alltagspsychologische Hypothese, dass Mädchen technisch weniger begabt sind als Knaben. Aus diesem Grund versorgen sie ihre Tochter auch hauptsächlich mit typischem Mädchenspielzeug: Puppen, Puppenküche, etc. Spielzeug, welches das technische Verständnis fördert (z. B. technische Baukästen), bieten sie nicht an. Beschäftigt sich das Mädchen dennoch gelegentlich mit technischen Dingen, machen sie abwertende Bemerkungen ("Das verstehst Du doch nicht", "Das ist doch nichts für ein Mädchen", etc.). Damit - und durch noch andere Verhaltensweisen - erreichen die Eltern im Lauf der Zeit (und ohne das speziell geplant zu haben), dass das Mädchen sein Interesse an technischen Dingen tatsächlich verliert, und sich ihr sehr wohl vorhandenes technisches Verständnis nicht weiterentwickelt. Für die Eltern ist aber dann ihr Mangel an technischem Verständnis wieder ein weiterer Beweis für ihre Alltagstheorie, dass dies eine spezifische Eigenschaft von Frauen ist. (3) Was wir wahrnehmen und erinnern, ist oft von unseren Wünschen, Erwartungen, etc. beeinflusst und verzerrt. Dies kann z.B. dazu führen, dass eine falsche alltagspsychologische Annahme nicht als solche erkannt wird.

Herr S. ist davon überzeugt, dass Leute, die im Sternbild der Zwillinge geboren sind, neugierig sind. Nun kann man aber sehr viele menschliche Verhaltensweisen als mehr oder weniger neugierig interpretieren: fernsehen, lesen, tratschen, etc. Es kann durchaus sein, dass Herr S. ein-und-dieselbe Verhaltensweise anders wahrnimmt und interpretiert, je nachdem, ob die handelnde Person Zwilling ist oder nicht. Was ihm bei einem Zwilling als typisch neugierig erscheint, fällt ihm vielleicht bei einem Löwen gar nicht auf. Es findet also bereits auf der Ebene der Wahrnehmung eine Verzerrung zugunsten der Erwartung statt. Tatsächlich lässt sich zeigen, dass derartige Verzerrungen ungemein wirksam sind und uns helfen, unsere Vorurteile beizubehalten, solange es irgendwie geht. Aber auch das Gedächtnis spielt mit: Wir tendieren z. B. dazu, uns an die Fälle, welche unserer Erwartung entsprechen (also in unserem Beispiel: neugierige Zwillinge) gut zu erinnern, während wir solche, bei denen derartige Erwartungen nicht erfüllt werden, eher vergessen. Auch das bewahrt uns davor, unsere Annahmen ändern zu müssen.

(4) Bei der Anwendung alltagspsychologischen Wissens ist es oft schlicht irrelevant, ob das Wissen richtig oder falsch oder auch widersprüchlich ist. Wir verwenden es häufig nur dazu, um uns bestimmte Vorgänge nachträglich zu erklären. Dabei genügt es uns, wenn wir eine plausible (Schein-)Erklärung finden. Ob sie auch stimmt, ist nebensächlich. Ein ganz einfaches Beispiel: Frau X. erklärt sich die Tatsache, dass Fräulein G. (Akademikerin) und Herr D. (ungelernter Hilfsarbeiter) geheiratet haben, damit, dass sich Gegensätze eben anziehen. Sie hat damit eine subjektiv befriedigende Erklärung gefunden. Ob diese Alltagstheorie über die Gründe, warum Menschen einander anziehend finden, stimmt, ist irrelevant. Ihre wichtigste Funktion ist, dass Frau X das Ereignis nun in ihr Weltbild einordnen kann.

Die wissenschaftliche Psychologie bemüht sich systematisch, herauszufinden, ob ihre Behauptungen wahr sind oder falsch. Bei dieser kritischen Überprüfung versucht sie, die vorher besprochenen (und auch noch andere) Fehlerquellen zu neutralisieren. Wie wir gesehen haben, ist das nicht einfach, denn die Falschheit einer Behauptung muss gar nicht so ohne weiteres auffallen. Die wissenschaftliche Psychologie entwickelt daher gezielt Strategien, welche es ermöglichen, auch falsche Behauptungen als solche zu entlarven.

Diese methodisch kontrollierte kritische Überprüfung ist der ver

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