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Anti Freud Die Psychoanalyse wird entzaubert von Onfray, Michel (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 01.10.2012
  • Verlag: Knaus
eBook (ePUB)
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Anti Freud

Eine Brandschrift gegen Freud Verdrängung, Sublimierung der Triebe, Ödipuskomplex, der ganze Freud: Einer Religion gleich hat seine Psychoanalyse unsere Kultur verführt. Michel Onfray, der große radikale unter den Denkern der Gegenwart, führt Freud als Schamanen und mächtigen Guru vor und entlarvt dessen Vermächtnis als "großartiges Märchen" und kollektive Wahnvorstellung, der alle erliegen. Freuds Doktrin vom Unbewussten und von den körperlichen Bedürfnissen (vulgo: den Trieben) hat eine ganze Zivilisation verführt. Kein gesellschaftliches Thema kann ohne Psychologisierung auskommen, nur zu gern bietet sich die Psychoanalyse als "wissenschaftliche" Erklärung an. Doch weder dachte Freud wissenschaftlich, noch heilte er, noch befreite er die Sexualität, so der französische Philosoph Michel Onfray. In einer furios geschriebenen "Gegenbiographie", die in Frankreich einen Skandal auslöste und zum Nr.-1-Bestseller wurde, entzaubert Onfray die Psychoanalyse als das autobiographische Abenteuer eines einzelnen Mannes, der seine Bedürfnisse zur wissenschaftlichen Grundlage machte. Er demontiert den Freudismus als schamanisches Vermächtnis eines reaktionären Frauenhassers und postmodernen Hexenmeisters aus Wien. Der Philosoph Michel Onfray, geboren 1959 in Argentan/Frankreich, gründete 2002 in Caen die "Université Populaire", eine Art Volksuniversität, zu der jedermann Zutritt hat. Jährlich besuchen Tausende Zuhörer seine Vorlesungen. Mit seiner Absage an alle Religionen und dem Plädoyer für ein freies, vernunftbestimmtes Leben entfachte er eine leidenschaftlich und kontrovers geführte Debatte. Er verfasste mehr als 50 Bücher, die in über 25 Ländern übersetzt wurden, unter anderem "Traité d'athéologie" (Dt: "Wir brauchen keinen Gott") und eine mehrbändige Gegen-Geschichte der Philosophie.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 544
    Erscheinungsdatum: 01.10.2012
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641095451
    Verlag: Knaus
    Originaltitel: Le crépuscule d' une idole
    Größe: 781 kBytes
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Anti Freud

I.

Mit Feuer und Schwert gegen die Biographen

"[D]ie biographische Wahrheit ist nicht zu haben,
und wenn man sie hätte, wäre sie nicht zu brauchen."

Sigmund Freud, Brief an Arnold Zweig, 31. Mai 1936
(Freud/Zweig, Briefwechsel, S. 137)

"Die 'Selbstdarstellung' zeigt, wie die
Psychoanalyse mein Lebensinhalt wird."

Sigmund Freud, Nachschrift 1935 zu
"Selbstdarstellung" (Bd. XVI, S. 31)

Wir sollten uns vor jenen Philosophen hüten, welche die Zeit nach ihrem Tod zu kontrollieren versuchen. Sie halten sich Biographen, fürchten zugleich deren Recherchen, lassen von ihren Anhängern hagiographische Darstellungen verbreiten, zerstören ihre Korrespondenz, verwischen Spuren, verbrennen Dokumente und arbeiten zu Lebzeiten an einer Legende, die lästige Nachfragen verhindern soll. Sie umgeben sich mit einer Art Leibwache aus Schülern, welche die akribisch gezeichneten frommen Bilder drucken und verteilen. Sie schreiben ihre Autobiographie und wissen, dass ihr sorgsam justiertes Scheinwerferlicht den Blick von den stillen, dunklen Ecken fernhält, in denen sich ihre Schlangenbrut versteckt hält.

Auch Freud war Teil dieser Spezies, die die Vorteile des Berühmtseins genießen will, ohne unter den Nachteilen zu leiden: Er legte es stets darauf an, dass man über ihn sprach, aber nur Gutes und nur in seinem Sinn. Was war das Anliegen des Erfinders der Psychoanalyse? Sein ganzes Leben lang versuchte er die Meinung seiner Mutter zu bestätigen, er sei das achte Weltwunder. Legendenschreiber wie er fühlen sich von der meist nüchternen Wirklichkeit gelangweilt. Sie bevorzugen das Reich der Fantasie, das von Vorstellungen, Wünschen und Träumen bestimmt wird. Besser eine hübsche und falsche Geschichte, als eine schlechte und wahre. Ein Fälscher beschönigt, übermalt, arrangiert und schiebt jene Momente seines Lebens beiseite, in denen unschöne Gefühle die Oberhand hatten, etwa Neid, Eifersucht, Boshaftigkeit, Ehrgeiz, Hass, Grausamkeit oder Hochmut.

Der Autor von "Selbstdarstellung" und Die Frage der Laienanalyse wollte nie, dass man sein Werk mit seinem Leben, sein Denken mit seiner Biographie oder seine Theorien mit seinem Dasein erklärt. Wie die meisten Philosophen hing auch Freud der idealistischen Vorstellung an, Ideen fielen vom Himmel, schössen Feuerzungen gleich aus dem Empyreum hinab und erhellten den auserwählten Geist mit ihrer Gnade. Freud setzte alles daran, dass man seiner Darstellung folgte - der Geschichte eines Wissenschaftlers ohne Körper oder Leidenschaften, der wie ein Mystiker der reinen Vernunft durch bloße Beobachtung die Nadel im Heuhaufen fand, als wäre das ein Kinderspiel, und alles, was man dazu brauche, sei ein ausreichendes Maß an Genialität.

Doch wie jeder andere ist natürlich auch Freud ein Produkt dessen, was er las, des Austauschs mit anderen, der Begegnungen und von Freunden (die sich häufig im Lauf der Zeit zu Feinden entwickelten). Er studierte, arbeitete auch mit Vorgesetzten im Labor, er las viel, zitierte wenig, huldigte selten jemandem, sondern verunglimpfte ihn lieber. Er schrieb dieses, jenes und das genaue Gegenteil. Er hatte Freundinnen, heiratete eine von ihnen, hielt die inzestuöse Beziehung zu einer anderen geheim, bekam Kinder und gründete eine Familie.

1885, einige Tage vor seinem neunundzwanzigsten Geburtstag, schrieb er an seine Braut Martha Bernays einen seltsamen Brief, in dem er seine Freude darüber kundtat, die Spuren von vierzehn Jahren Arbeit zerstört zu haben. Er hatte seine Tagebücher, Notizen, Briefe und alle Unterlagen mit wissenschaftlichen Kommentaren verbrannt; er hatte die - noch nicht sehr zahlreichen - Manuskripte den Flammen überlassen; und nun bejubelte er, dass nichts davon übrig war.

Mit diesem Holocaust in Mini

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