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Das Jüdische Gesetz Zur Soziologie des Diaspora-Judentums. Dissertation von Fromm, Erich (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 30.11.2015
  • Verlag: Edition Erich Fromm
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Das Jüdische Gesetz

Das 'Jüdische Gesetz' ist die soziologische Dissertation Erich Fromms, die er 1922 an der Universität Heidelberg einreichte. An drei historischen Erscheinungen des in der Zerstreuung lebenden Judentums (den Karäern, den deutschen Reformjuden und der chassidischen Bewegung) zeigt Fromm, was diese Gruppierungen soziologisch zusammenhält. Auch wenn Fromm für diese Doktorarbeit bei Alfred Weber noch nicht die Erkenntnisse der Psychoanalyse nutzen konnte, so ist sein erkenntnisleitendes Interesse in der Dissertation bereits ein sozial-psychologisches. Fromm fragt bereits hier, was viele einzelne Menschen ähnlich denken, fühlen und handeln lässt und wie man dieses Gesellschaftsbildende im Individuum verorten kann. Im Kontext des Frankfurter Instituts für Sozialforschung hat Fromm zehn Jahre später diese Fragen mit seiner Gesellschafts-Charaktertheorie detailliert beantwortet; die Ursprünge seines sogenannten 'Freudo-Marxismus' lassen sich aber bereits in der Dissertation und in Fromms spezifisch jüdischem Denken ausmachen. Fromms Dissertation 'Das jüdische Gesetz' ist deshalb nicht nur für jene eine Pflichtlektüre, die in ihm einen Ideengeber für die Programmatik der Frankfurter Schule sehen; sie ist darüber hinaus auch eine Fundgrube für alle, die mehr über das Jüdische in Fromms Denken und Werk erfahren wollen. Aus dem Inhalt - Die Bedeutung des Gesetzes im Judentum - Arbeit und Beruf im rabbinischen Judentum - Die gesellschaftlich-religiöse Struktur des Karäismus - Das Reformjudentum - Das jüdische Gesetz und der bürgerlich-kapitalistische Geschichtskörper - Die Neoorthodoxie als Reaktion auf die Reform - Der Chassidismus - Die Bedeutung des Gesetzes im Chassidismus

Erich Fromm, Psychoanalytiker, Sozialpsychologe und Autor zahlreicher aufsehenerregender Werke, wurde 1900 in Frankfurt am Main geboren. Der promovierte Soziologe und praktizierende Psychoanalytiker widmete sich zeitlebens der Frage, was Menschen ähnlich denken, fühlen und handeln lässt. Er verband soziologisches und psychologisches Denken. Anfang der Dreißiger Jahre war er mit seinen Theorien zum autoritären Charakter der wichtigste Ideengeber der sogenannten 'Frankfurter Schule' um Max Horkheimer. 1934 emigrierte Fromm in die USA. Dort hatte er verschiedene Professuren inne und wurde 1941 mit seinem Buch 'Die Furcht vor der Freiheit' weltbekannt. Von 1950 bis 1973 lebte und lehrte er in Mexiko, von wo aus er nicht nur das Buch 'Die Kunst des Liebens' schrieb, sondern auch das Buch 'Wege aus einer kranken Gesellschaft'. Immer stärker nahm der humanistische Denker Fromm auf die Politik der Vereinigten Staaten Einfluss und engagierte sich in der Friedensbewegung. Die letzten sieben Jahre seines Lebens verbrachte er in Locarno in der Schweiz. Dort entstand das Buch 'Haben oder Sein'. In ihm resümierte Fromm seine Erkenntnisse über die seelischen Grundlagen einer neuen Gesellschaft. Am 18. März 1980 ist Fromm in Locarno gestorben.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 112
    Erscheinungsdatum: 30.11.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783959121200
    Verlag: Edition Erich Fromm
    Größe: 1481kBytes
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Das Jüdische Gesetz

2. Der Karäismus

a) Der geschichtliche Kontext

Bevor wir zur Strukturanalyse des Karäismus schreiten, sei ein kurzer Blick auf seine Geschichte geworfen, wie ihn uns der heutige Stand der Forschungen ermöglicht. (Vgl. besonders die ausgezeichnete Darstellung der Geschichte des Karäismus in der Realenzyklopädie für Protestantische Theologie und Kirche , Band X, S. 54°ff.) Der Stifter der Sekte der Karäer (= Söhne der Schrift [ Bene Mikrah ], von karo = lesen) ist Anan ben David, der 761 zur Zeit des Kalifats von Abu Ga'far al-Mansur mit seinem Bruder um die Würde des Exilarchen in Streit geriet. Als es ihm nicht gelang, das Exilarchat an sich zu reißen, gründete er eine neue Sekte. Beim Kalifen wurde er wegen dieses Aufruhrs angeklagt und vermochte sich nur dadurch zu retten, dass er vorgab, seine Religion sei von der des rabbinischen Judentums ganz verschieden. Vor allem sei seine Berechnung des Neumonds nicht die des rabbinischen Judentums, sondern entspreche der des Islam.

Mag auch die Aussage, die ihm zugesprochen wird, nicht genau in dieser Formulierung und Prägnanz von ihm gesagt worden sein, so drückt sie doch seine antirabbinische Tendenz treffend aus: "Forschet sorgfältig in der Thora!" Er und seine Anhänger wurden mit dem Bann belegt (vgl. J. Fürst, 1862 , S. 59) und aus dem Kreis des Judentums ausgeschlossen. Die Karäer ihrerseits sagten sich von den Rabbaniten los [den Anhängern der rabbinischen Tradition]. Von ihrer langsamen Lostrennung von der jüdischen Gemeinschaft wird später zu sprechen sein.

Anan ben David verfasste das Sefer ha-Mizwot ["Buch der Gebote"], eine Kodifizierung aller von ihm als gültig anerkannten Gesetze; ferner schrieb er einen Kommentar zum Pentateuch und schließlich die Schrift Fadlaka ("Summe"), die wohl eine Dogmatik [oder eine Zusammenfassung des Sefer ha-Mizwot ] war. Erhalten haben sich von seinen Werken nur größere zusammenhängende Stücke aus dem Sefer ha-Mizwot , Stellen aus verschiedenen Schriften von ihm und Zitate späterer Schriftsteller, die aus seinen Werken zitieren.

Der bedeutendste Nachfolger Anans war Benjamin ben Moses Nahawendi (um 830 bis 860). Er betonte vor allem, dass Gott unsinnlich und nicht menschenähnlich sei, [XI-054] ähnlich wie dies vor ihm schon der Perser Jehuda Judguan entsprechend der mohammedanischen Schule der Mu'tasila getan hatte (vgl. A. Neubauer, 1866 ). Gott sei zu erhaben, als dass er sich selbst dem Menschen offenbaren würde, so dass vielmehr die Offenbarung durch einen Engel erfolgt sei, der überhaupt alles getan habe, was die Thora Gott tun lässt. Von seinen Schriften hat sich nur das Sefer Dinim (Rechtsvorschriften) erhalten, die übrigen Schriften (Kommentare zu verschiedenen Schriften der Bibel und ein Sefer ha-Mizwot ) kennen wir nur auf Grund von Zitaten bei anderen. Er war der erste karäische Autor, der in hebräischer Sprache schrieb. Er bildete die Theologie des Karäismus weiter aus, nahm aber gegenüber dem Rabbinismus keine so feindselige und hasserfüllte Stellung mehr ein wie sein Vorgänger Anan.

Im Zehnten Jahrhundert breitete sich der Karäismus rasch aus. War er schon früher nach Palästina gekommen, so finden wir ihn jetzt auch in Griechenland und Spanien. Gleichzeitig verloren die Karäergemeinden in Persien und Babylonien an Bedeutung. Die Karäer in Jerusalem bildeten eine besondere Gruppe. Sie nannten sich Awele Zions ("um Zion Trauernde") und hatten starke asketische Züge. Einer ihrer bedeutendsten Gelehrten war Nissi ben Noach (um 850 n. Chr.). Er schrieb ein Werk über die religiösen Pflichten.

Den geistigen Höhepunkt erreichte der Karäismus im Zehnten und Elften Jahrhundert, zu einem Zeitpunkt, da ihm in Gaon Saadja (892-942) sein stärkster Gegner aus dem Rabbinismus entgegentrat. In seinen Widerlegungen und in dem Buch der Unterscheidungen/em

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