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Psychodynamische Therapien mit Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen Geschichte, Theorie, Praxis von Hopf, Hans (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 27.07.2016
  • Verlag: Kohlhammer Verlag
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Psychodynamische Therapien mit Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen

Ausgehend von einem geschichtlichen Überblick fasst das Werk den heutigen Stand der Psychodynamischen Psychotherapien mit Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen in komprimierter und verständlicher Form zusammen. Wissenschaftlich fundiert und praxisorientiert bietet es einen Überblick über die von der Psychoanalyse ausgehenden therapeutischen Schulen und Verfahren. Dabei werden sowohl die von Freud als auch die von C. G. Jung beeinflussten Richtungen dargestellt: ein Kompendium der Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie aus psychodynamischer Perspektive. Didaktisch durchdacht wird der Leser in die komplexe Thematik eingeführt und durch Fragen und vertiefende Literaturempfehlungen zum weiteren Studium angeregt. Dr. rer. biol. hum. Hans Hopf ist als Kinder- und Jugendlichen-Psychotherapeut und in der Ausbildung von Psychotherapeuten tätig, Gutachter für ambulante tiefenpsychologisch fundierte und analytische Psychotherapie bei Kindern und Jugendlichen, Dozent und Kontrollanalytiker an den Psychoanalytischen Instituten Stuttgart, Freiburg und Würzburg. Arne Burchartz, Diplom-Pädagoge und Theologe, ist Kinder- und Jugendlichen-Psychotherapeut mit eigener Praxis sowie Dozent und Supervisor am Psychoanalytischen Institut Stuttgart. Psychodramaleiter. Christiane Lutz ist als Kinder- und Jugendpsychotherapeutin sowie als Paar- und Familientherapeutin in eigener Praxis in Stuttgart tätig. Sie ist Dozentin am C. G. Jung- Institut in Stuttgart und an der Akademie für Tiefenpsychologie in Stuttgart.

Produktinformationen

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Psychodynamische Therapien mit Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen

2 Das Spiel ersetzt die Traumerzählung (Hermine Hug-Hellmuth, Anna Freud, Melanie Klein)

2.1 Am Beginn der Kinderpsychotherapie steht eine Tragödie

Hermine Hug-Hellmuth (eigentlich Hug Edle von Hugenstein, 1871 in Wien, 1924 Wien) gilt als die erste Kinderanalytikerin. Von Anfang an war sie davon überzeugt, dass das identische Ziel der Erwachsenen- wie der Kinderanalyse die Herstellung von psychischer Gesundheit sei. Unterschiede resultierten ihrer Meinung nach aus der noch nicht ausreichenden Einsicht der Kinder, die weder aus eigenem Antrieb zur Behandlung kommen, noch an ihrer Vergangenheit leiden oder sich gar ändern möchten. Als bedeutendste Neuerung führte Hug-Hellmuth ein, neben den Träumen auch auf das Spiel der Kinder einzugehen. Sie war der Auffassung, dass sich in den Spielformen manche Symptome, Eigenheiten und Charakterzüge erkennen ließen; bei jüngeren Patienten würde das Spiel sogar seine herausragende Rolle während der ganzen Behandlung behaupten (vgl. Heinemann & Hopf 2015). Inwieweit und wann freie Assoziation überhaupt anwendbar sei, ließ sich ihrer Meinung nach lediglich von Fall zu Fall entscheiden. Damit hat Hermine Hug-Hellmuth als erste die dem Traum oder der freien Assoziation gleichgestellte Verwendung des Spiels in die Kinderanalyse eingeführt (vgl. Geissmann & Geissmann 1994).

Ihre Leistungen auf dem Gebiet der Kinderpsychoanalyse wurden allerdings von den Umständen ihres Todes überschattet. Hug-Hellmuth hatte ihren Neffen, nichteheliches Kind ihrer Schwester, als kleines Kind selbst analysiert. Im Alter von 18 Jahren hatte er schließlich seine 53-jährige Tante, die seit seinem neunten Lebensjahr die gesamte Erziehungsverantwortung für ihn übernommen hatte, überfallen, beraubt und erdrosselt. Dieser tragische Vorfall bedeutete einen erheblichen Rückschlag für die gesamte Psychoanalyse, weil er alle damaligen Vorurteile zu bestätigen schien, dass es Schäden bewirken könnte, die Psychoanalyse in der Kindererziehung anzuwenden.

2.2 Anna Freud, die Verwalterin von Sigmund Freuds Werk

Als die eigentlichen Begründerinnen der Kinderanalyse gelten Anna Freud und Melanie Klein. Anna Freud ( 1895 in Wien, 1992 in London) wurde als sechstes Kind von Martha und Sigmund Freud geboren. Ihr Traum, den sie im Alter von 19 Monaten hatte, wurde am Anfang des ersten Kapitels vorgestellt. Nach Gay (2006) wurde sie Sekretärin, Vertraute, Kollegin und Krankenschwester Freuds und vor allem zu einer glühenden Verfechterin und Verteidigerin seiner Theorien. Ihre ersten Überlegungen zur Technik der Kinderanalyse trug Anna Freud in vier Vorträgen vor der Wiener Psychoanalytischen Vereinigung vor. Diese Vorträge wurden mit einem weiteren in dem Buch "Einführung in die Technik der Kinderanalyse" im Jahr 1926 publiziert.

Anna Freud entwickelte wesentliche Grundeinsichten der Kinderanalyse und eine spezielle Technik, die anfänglich darauf gründete, dass das Kind im Gegensatz zum Erwachsenen noch ein unreifes und unselbständiges Wesen sei, und der Entschluss zur Analyse nicht vom Patienten selbst, sondern von den Eltern oder seiner sonstigen Umgebung komme: "So fehlt uns in der Situation des Kindes alles, was in der des Erwachsenen unentbehrlich erscheint: die Krankheitseinsicht, der freiwillige Entschluss und der Wille zur Heilung" (1973, S. 16). Manche ihrer Ausführungen zur Einleitung einer Analyse und ihre frühen Äußerungen zum Erziehungsverständnis muten heute etwas befremdlich an. Wie bei Hug-Hellmuth können wir ihr damaliges Verständnis von Erziehung nur aus historischer Perspektive betrachten. Mittlerweile sehen wir es auch als Grenzüberschreitung in der Kinderanalyse, wenn - wie in den Anfangszeiten - Analytiker ihre eigenen

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