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Colines Welt hat tausend Rätsel Alltags- und Lerngeschichten für Kinder und Jugendliche mit Asperger-Syndrom von Schuster, Nicole (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 01.10.2014
  • Verlag: Kohlhammer Verlag
eBook (ePUB)
21,99 €
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Colines Welt hat tausend Rätsel

Warum küssen sich Menschen, wenn sie sich mögen? Warum schmeckt Ketchup nur aus einer bestimmten Flasche so lecker? Für die Autistin Coline ist die Welt voller Rätsel. Zusammen mit ihrem Opa macht sie sich auf, die großen und kleinen Geheimnisse des Alltags verstehen zu lernen. Dabei erfährt Coline eine Menge über menschliche Verhaltensweisen und ihr Opa merkt, dass vieles, was wir täglich machen, mit Worten kaum zu erklären ist. Für die Leser sind in sozialen Anleitungen die wichtigsten Fragen von Coline beantwortet und durch viele praktische und alltagstaugliche Tipps ergänzt. Das Buch gibt damit nicht nur einen tiefen Einblick in die Weltsicht autistischer Menschen, sondern zeigt auch, wie man ihnen täglich helfen kann, das Leben leichter verstehen und bewältigen zu können. Rezension zur 1. Auflage: 'Die Autorinnen haben es verstanden, das Thema auf eine sehr humorvolle, unterhaltsame und interessante Weise zu behandeln, nicht zuletzt aufgrund der gewählten Form des Tagebuchs, das einen lebhaften Einblick in die Welt des Autismus erlaubt.' (Ergotherapie und Rehabilitation, 10/52009) Nicole Schuster, Pharmazeutin und Fachjournalistin, engagiert sich im Bereich Autismus. Melanie Matzies-Köhler, Diplom-Psychologin, arbeitet als Fachberaterin für Autismus in Berlin.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 242
    Erscheinungsdatum: 01.10.2014
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783170257030
    Verlag: Kohlhammer Verlag
    Größe: 8578 kBytes
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Colines Welt hat tausend Rätsel

1 Coline und das Puppen-Aua

12. September 1995

(Coline, 5 Jahre)

Liebes Tagebuch,

letzte Woche habe ich mit Opa Comics angeschaut. Ein Comic besteht aus kleinen Bildchen., auf denen Figuren Sachen machen. Opa sagte., dass man damit viel lernen könne. Und zwar darüber., wie Menschen sich verhalten sollten und warum sie oft trotzdem etwas anderes tun. Ich verstehe das nicht. Es ist mir auch ganz egal, was andere tun oder was sie tun sollten. Was hat das mit mir zu tun? Und außerdem: Mein Comic zeigte zwei Mäuse, wie soll man da etwas über Menschen lernen?

Die Bilder ergaben noch nicht mal einen Sinn. Auf dem ersten waren die beiden Mäuse zu sehen, wie sie eine Nuss finden. Auf dem nächsten Bild zerrt jede Maus an einem Ende der Nuss. Und noch ein Bild weiter prügeln sich die Mäuse. Eine Maus gerät dabei nah an eine Treppe und fällt auf dem vorletzten Bild die Treppe runter. Das sieht lustig aus und ich musste lachen. Auf dem letzten Bild liegt eine Maus im Bett mit vielen Pflastern und einem Bein in Gips. Die andere Maus sitzt daneben und zwischen ihnen steht ein Teller, auf dem die Nuss in viele kleine Stücke zerteilt ist.

Absolut komisch, diese Geschichte.

"Die ist blöd", informierte ich Opa.

"Gar nicht blöd, Coline. Hast du überhaupt verstanden, worum es geht?"

Ich schüttelte den Kopf.

"Ich verstehe nicht, was die Nuss in der Geschichte soll."

Opa holte tief Luft. Das macht er immer, wenn er etwas Großes sagen will.

"Also, Coline, das ist so. Die beiden Mäuse finden eine Nuss. Beide finden Nüsse ganz toll und jede Maus will die Nuss für sich haben."

"Ich würde so eine Nuss nicht haben wollen. Ich würde lieber ganz viel Moos haben."

"Vielleicht. Die Mäuse wollen aber beide die Nuss. Und weil sie sich nicht einigen können, wer sie bekommt., streiten sie. Der Streit wird ziemlich schlimm und eine Maus fällt dabei eine Treppe runter. Dabei tut sie sich sehr weh."

"Wie schlimm weh?"

"So schlimm, dass sie danach ganz viele Pflaster braucht und einen Gips ums Bein bekommt. Und sie muss im Bett liegen. Guck hier auf dem letzten Bild: So schlecht geht es der einen Maus nach der Prügelei."

"Musste sie auch zum Arzt gehen?"

"Mit Sicherheit."

"Warum sieht man das nicht auf einem der Bilder?"

"Weil das für die Geschichte unwichtig ist."

"Warum unwichtig?"

"Weil man sie auch so versteht."

"Ich nicht."

Opa seufzte.

"Es geht in der Geschichte darum, dass man sich nicht streiten und schon gar nicht prügeln darf, wenn man sich uneinig ist. Man sollte immer versuchen, miteinander zu reden. Und friedlich eine Lösung zu finden."

"Warum? Für die Maus im Bett hat sich das doch gelohnt. Sie liegt im Bett, braucht nicht in den Kindergarten zu gehen und die Nuss bekommt sie auch noch."

Opa wollte noch was sagen, doch ich hatte keine Zeit mehr für ihn. Mir war gerade eingefallen, dass Gerda die Treppe runtergefallen war, vor kurzem erst, als ich sie Mama zum Abstauben bringen sollte. Eigentlich ist Gerda ja nur langweilig und noch langweiliger ist, dass sie so viele Kleider hat, deren Röcke aus ganz vielen Schichten bestehen. Trotzdem. Gerda musste viel Aua haben und ich musste ihr helfen. Komisch, dass Mama nicht längst mit ihr zum Arzt gegangen war.

Wahrscheinlich hatte sie dafür keine Zeit gehabt. Mama hatte ja auch ein ganzes Regal voll mit solchen Puppen. Gerda mochte sie aber am liebsten. Weil sie die älteste war. Als ich mir das jetzt so überlegte., war ich mir sicher., dass sich bei Gerda schon viel Aua angesammelt habe musste, weil sie bestimmt schon oft runtergefallen war.

Gerda musste also dringend ins Bett und brauchte viele Pflaster und einen Gips. Ich holte alle Pflastervorräte, die wir hatten., aus dem Badezimmer und klebte die ganze Puppe voller Pflaster. Auch auf den Kopf und übe

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