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Dachschaden kann man nicht versichern Die wunderbare Welt unserer Psyche von Fisser, Kristina (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 18.06.2018
  • Verlag: Goldmann
eBook (ePUB)
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Dachschaden kann man nicht versichern

Jeden Abend ein Gläschen Wein? Schon wieder prokrastiniert und eine wichtige Aufgabe vor sich hergeschoben? Oder beim Streit mit dem Nachbarn zu einem kleinen Tobsuchtsanfall hinreißen lassen? Wir alle fragen uns manchmal: Ist das noch normal oder bin in ich nicht ganz richtig im Kopf? Kristina Fisser erklärt auf humorvolle Weise, warum es nichts Ungewöhnliches ist, ein bisschen 'verrückt' zu sein, wie wir unsere kleinen Dachschäden in den Griff kriegen und ab wann wir uns wirklich Gedanken über unsere geistige Gesundheit machen sollten.

Kristina Fisser, geboren 1987, hat Psychologie studiert und arbeitet seit mehreren Jahren unter anderem mit Borderline-Patienten, Depressiven, Angsterkrankten und auch frischgebackenen Mamas mit psychischen Problemen, seit 2018 in eigener Praxis.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 272
    Erscheinungsdatum: 18.06.2018
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641210496
    Verlag: Goldmann
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Dachschaden kann man nicht versichern

Vorweg: Es ist normal, nicht normal zu sein

2002, ein Schulhof in der Oberpfalz. Ich sitze mit einer Freundin in der Sonne, und sie macht Witze über unsere Schulkameraden. Dann schaut sie mich an. "Weißt du, Kristina, manchmal denke ich, wir sind die zwei einzigen Normalen hier."

Seit dieser Szene sind über 15 Jahre vergangen, doch ein Gedanke, der mir damals bei den Worten meiner Freundin durch den Kopf ging, ist bei mir hängen geblieben: Sind wir wirklich normal? Vielleicht sind ja nicht die anderen die Durchgeknallten, sondern wir? Gedanken einer 15-Jährigen, wie sie typisch sind für die pubertäre Suche nach der eigenen Identität - und doch ist an dieser Frage etwas dran:

Was ist eigentlich normal?

Inzwischen konnte ich einiges an Lebenserfahrung sammeln. Ich habe Psychologie studiert und eine fünfjährige Ausbildung zur Verhaltenstherapeutin erfolgreich mit der Approbation zu Ende gebracht. In verschiedenen Kliniken habe ich so einige psychisch Kranke in Gruppen- und Einzeltherapie betreut und tue das nun auch in meiner eigenen Praxis. Der Antwort auf die Frage "Was ist eigentlich normal?" bin ich dabei jedoch nicht wirklich näher gekommen.

Vielleicht können wir es ja gemeinsam herausfinden. Machen wir doch die Probe aufs Exempel:

Sabrina ist chipssüchtig. Sie liebt das Rascheln einer prall gefüllten Tüte. Das salzige Knuspern der Chips. Das Gefühl auf der Zunge, wenn sie über die geriffelte Oberfläche fährt. Weil sie weiß, dass man nicht jeden Tag Chips essen sollte, erlaubt sie sich jeden Donnerstagabend eine Tüte, während sie Germany's Next Topmodel anschaut. Die kauft sie - Vorfreude ist schließlich die schönste Freude - bereits am Dienstag. Und manchmal isst sie sie dann schon am Mittwoch auf. Dann kauft Sabrina eben noch eine Tüte.

Peter ist langweilig. Nicht am Sonntag. Nicht am Feierabend. Nein, im Büro. Er hat einfach nicht genug zu tun. Und das schon seit einiger Zeit. Genauer gesagt seit drei Jahren. Am Anfang hat er sich nicht getraut, das anzusprechen. Und jetzt ist es irgendwie auch zu spät. Wenn er an seinem Schreibtisch sitzt und vor sich hin starrt, stellt er sich vor, wie er aus dem Fenster springt und sich sein Blut unten auf dem Gehweg in tausend kleinen Rinnsalen verzweigt. Er hat mit seinen Kumpels über die Langeweile gesprochen, die ihn so quält. Sie sagen, er soll sich nicht so anstellen und lieber froh sein, dass er ein bisschen chillen kann.

Anna wird bald heiraten. Es soll der schönste Tag ihres Lebens werden. Deshalb will sie auch so schön sein wie nie zuvor - das heißt, so schlank wie nie zuvor. Weil die Crashdiät nicht wirklich gefruchtet hat, nimmt Anna nun seit vier Wochen Abführmittel. Und es funktioniert. Am Tag ihrer Hochzeit passt sie tatsächlich in das Kleid, das sie extra eine Nummer kleiner gekauft hat. Alle sagen, wie wunderschön sie ist. Es ist wirklich der schönste Tag in ihrem Leben.

Julian kann mit seiner Frau nicht in einem Bett schlafen. Nein, nicht weil sie sich zu viel herumwälzt. Oder schnarcht. Oder weil er sich innerlich längst von ihr getrennt hat. Nein, Julian schläft einfach gern allein. Aber seine Frau versteht das nicht. "Wenn man jemanden wirklich liebt, dann möchte man auch mit ihm in einem Bett schlafen", sagt sie. "Geh doch endlich mal zum Psychologen und lass dir helfen."

Claudias Mann Thomas ist vor fünf Jahren bei einem Unfall gestorben. Claudia war dabei und konnte ihm nicht helfen. Die beiden gemeinsamen Kinder hat Claudia seitdem allein aufgezogen. Die Steuererklärung macht sie jetzt auch selbst. Manchmal geht Claudia in den Wald und schreit die Bäume an, weil Thomas ihr so schrecklich fehlt. Und die Sonntage verbringt sie am liebsten im Bett und weint.

Und nun die Preisfrage: Sind Sabrina, Peter, Anna, Julian und Claudia noch normal oder doch schon irgendwie krank? Ganz schön schwierig, oder?

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