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Das falsche Leben Ursachen und Folgen unserer normopathischen Gesellschaft von Maaz, Hans-Joachim (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 23.03.2017
  • Verlag: Verlag C.H.Beck
eBook (ePUB)
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Das falsche Leben

Ein Normopath ist stets normal und angepasst, sein Verhalten überkorrekt und überkonform. Die Zwanghaftigkeit, mit der er den Erwartungen entspricht, verrät indes, dass er ein falsches, ein unechtes Leben führt. Krank ist nicht nur er, sondern vor allem die Gesellschaft, in der er lebt und deren Anpassungsdruck er sich unterwirft - bis er die Gelegenheit gekommen sieht, seine aufgestaute Wut an noch Schwächeren oder am 'System' abzureagieren. Der Hallener Psychoanalytiker und Psychiater Hans-Joachim Maaz ist bekannt für seine brillanten, zukunftsweisenden Analysen kollektiver Befindlichkeiten und gesellschaftlicher Zustände - vom Gefühlsstau, einem Psychogramm der DDR, bis zur narzisstischen Gesellschaft, einer Psycho-Analyse unserer Promi- und Leistungsgesellschaft. In seinem neuen Buch nimmt er Phänomene wie Pegida und AfD, den zunehmenden Hass auf Ausländer, aber auch die Selbstgerechtigkeit der politischen Elite zum Anlass, ein konturenscharfes Bild unseres falschen Lebens zu zeichnen, in dem wir uns lange eingerichtet haben und aus dem uns nun die zunehmende Polarisierung und Barbarisierung unserer sozialen und politischen Verhältnisse herausreißt. Das falsche Leben ist das Buch zur Stunde - Augen öffnend und alles andere als Mainstream.

Hans-Joachim Maaz, Bestsellerautor und seit 40 Jahren praktizierender Psychiater und Psychoanalytiker, war Chefarzt der Klinik für Psychotherapie und Psychosomatik des Diakoniekrankenhauses Halle.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 256
    Erscheinungsdatum: 23.03.2017
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783406705564
    Verlag: Verlag C.H.Beck
    Größe: 2989 kBytes
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Das falsche Leben

1 Wie entsteht die Fälschung?

Der Mensch ist ein soziales Lebewesen. Beziehungen entscheiden über seine Entwicklung, und Beziehungskultur bestimmt die Lebensqualität. Durch Säuglingsforschung, Hirnforschung und die Erkenntnisse der Entwicklungspsychologie sind diese einfachen Aussagen in überzeugender Weise wissenschaftlich gesichert. Umso erstaunlicher, ja beunruhigender ist deshalb die Tatsache, dass in Politik und Wirtschaft dieses Wissen nicht ausreichend berücksichtigt wird und im menschlichen Zusammenleben psychosoziale Konflikte, Beziehungsängste und Feindseligkeiten das Leben mehr bestimmen als soziale Gemeinschaft, als die Erfahrung psychischer Verbundenheit und eines wechselseitigen empathischen Verstehens.

Die Säuglingsforschung hat uns gelehrt, dass der Mensch von Anfang an ein Subjekt von Beziehung ist. Dabei ist die Beziehungsqualität zwischen Mutter - Kind, Vater - Kind und Mutter - Vater - Kind von entscheidender Bedeutung. Der Säugling gestaltet in seiner Einmaligkeit und mit seinen Bedürfnissen die Beziehung aktiv mit. Das Kind macht die Frau zur Mutter und den Mann zum Vater. Es geht bei der Einschätzung der Beziehungsqualität um die Frage, wie die Eltern auf die originären Angebote ihres Kindes reagieren und welche individuellen Beziehungsangebote sie selbst machen. Die Beziehungspartner bilden allmählich ein spezifisches Beziehungsensemble - ein Familienmuster. Dabei liegt die Gestaltungsmacht mehr bei den Eltern, und die Kinder sind die Opfer der elterlichen Einflüsse. Aber auch die immer schon vorhandenen Eigenarten eines Kindes, sein einmaliges Sosein, verlangen empathisches Verstehen und adäquates Reagieren der Eltern. Mutter und Vater mit schwacher, ungeübter oder gestörter Elternfunktion werden schnell selbst zu Opfern ihrer Kinder, wenn sich diese aufgrund von vorenthaltenem Verständnis, erlittener Kränkung oder verweigerter Begrenzung in "Quälgeister" verwandeln. Auffälliges Verhalten von Kindern oder später die sogenannte "Pubertät" sind keine Krankheiten, sondern Symptome von Beziehungsstörungen zwischen Eltern und Kind. Wenn Kinder mit Handicaps geboren werden, ist das zumeist eine besondere Herausforderung für die Eltern. Sie müssen dann lernen, Ängste und Unsicherheit, aber auch Kränkungen aufgrund der Behinderung, für die sie sich zumeist verantwortlich fühlen, sowie mögliche eigene Ablehnungstendenzen gegen das Kind zu regulieren und zugleich eine schuldgefühlsgetragene falsche Fürsorge zu vermeiden.

Vor der Erforschung der Mutter-Kind-Interaktionen galt das Kind als ein Objekt der Erziehung, dem das "richtige" und "gute" Leben beigebracht werden müsse. Das Kind war den Erziehungsvorstellungen der Familie und damit in der Regel den gesellschaftlichen Normen und Entwicklungserwartungen ausgesetzt. Erziehung geschah überwiegend durch autoritären Druck, durch Einschüchterung, mittels Manipulation durch Lob und Strafe und endete am häufigsten in der Unterwerfung des Kindes unter den Willen der Erwachsenen. Nicht selten führte dieses Verhalten zu Erkrankungen des Kindes und manchmal auch zu rebellischen Kämpfen. Heute wissen wir, dass die Entwicklungschancen eines Menschen ganz wesentlich davon abhängen, ob und wie die ersten Beziehungspartner (Eltern, Geschwister, Großeltern, Krippenerzieher, Tagesmütter) in der Lage sind, die Beziehungsangebote des Kindes richtig zu verstehen und angemessen darauf einzugehen. Dabei ist mit "angemessen" eine Antwort auf das Signal des Säuglings im Sinne einer optimalen Befriedigung (qualitativ und quantitativ) des gezeigten Bedürfnisses gemeint, optimal nach dem Empfinden des Kindes und nicht nach den Vorstellungen der Betreuungspersonen. Solange keine krankheitswertige Störung vorliegt, äußern nicht frustrierte Säuglinge kein falsches oder überzogenes Verlangen. Es ist alles echt und unmittelbar und sollte so auch verstanden und beantwortet werden. Der Säugling erfährt Lust oder Unlust noch

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