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Geschenkte Jahre Glücksmomente und Herausforderungen von Pörtner, Marlis (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 20.02.2016
  • Verlag: Klett-Cotta
eBook (ePUB)
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Geschenkte Jahre

Eine starke Frau macht Mut, das Leben bis ins hohe Alter hinein immer wieder neu zu gestalten. Am eigenen Leibe fühlt sie, auf welche feinen Nuancen es im Umgang und bei der Begleitung, Pflege und Betreuung alter oder behinderter Menschen ankommt. Ein Buch nicht nur für das Alter, sondern für das Leben. Im Alter schränken Beeinträchtigungen zwar die Möglichkeiten ein, doch dieser begrenzte Raum schärft den Blick für das Naheliegende. Dinge werden aufmerksamer wahrgenommen und intensiver erlebt. Marlis Pörtner schreibt u. a. über: - Tagesgestaltung und Zeiterleben alter Menschen, - Tod, Freunde verlieren, im Alter neue Freunde gewinnen, - die Rolle der Kinder und der Enkelkinder, - ausgewogenes Gleichgewicht zwischenTun und Nichtstun, - den Wunsch, Neues zu beginnen, angesichts der Befürchtung, es nicht mehr zu erleben. Marlis Pörtner, inzwischen über 80 Jahre alt und mit den entsprechenden Altersbeschwerden, ist Psychotherapeutin und bis heute in der Fortbildung und Beratung sozialer Institutionen tätig. Sie ist Autorin mehrerer erfolgreicher Fachbücher über den Umgang mit behinderten und alten Menschen.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 178
    Erscheinungsdatum: 20.02.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783608109559
    Verlag: Klett-Cotta
    Größe: 2315 kBytes
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Geschenkte Jahre

Heimkehr und Neubeginn

Manche meiner Leser hatten es vorausgeahnt und mich mehrmals darauf angesprochen. Für mich kam es überraschend: Ich bin wieder in die Stadt zurückgezogen. Das war nicht vorgesehen. Gewiss, der Gedanke ist als Wunschfantasie in meinem letzten Buch kurz aufgetaucht, doch eine ernsthafte Absicht steckte nicht dahinter. Die hat sich erst im Sommer 2011 abgezeichnet, als ich nach einer komplizierten Schulteroperation in meiner Bewegungsfreiheit stark eingeschränkt war und wochenlang in meiner ländlichen Wohnung festsaß.

Dass sich schon kurz nach der Operation eine erste leise Andeutung abgezeichnet hat, ist mir erst im Nachhinein bewusst geworden. Meine Tochter besuchte mich im Krankenhaus, wir spazierten zusammen zu dem kleinen Balkon am Ende des Flurs, wo man weit über den Zürichsee auf das gegenüberliegende Ufer bis hin zu den Schneebergen am Horizont blickte – und auf mein früheres Wohnquartier direkt unter uns. "Schön ist es hier", sagte meine Tochter. Und da schoss mir durch den Kopf: Ich gehöre hierher – wie ein Blitzlicht, das gleich wieder erlosch. Später stellte sich heraus, dass meine Tochter in dem Moment genau das gleiche gedacht hatte.

Erst in der Zeit danach verdichtete sich der flüchtige Gedanke allmählich zum konkreten Entschluss. Während sechs Wochen war mein rechter Arm Tag und Nacht in Schulterhöhe auf einem Keil fixiert. Das war äußerst unbequem und behinderte mich erheblich. Für alles, was nicht einhändig machbar war, brauchte ich Hilfe. Beim Duschen, Anziehen und anderen Alltagsverrichtungen war ich auf ambulante Pflegedienste angewiesen. Die Frauen machten ihre Sache sehr gut, lästig war nur, dass sie vorher nie genau sagen konnten, wann sie kommen würden. Manchmal vertrödelte ich den halben Vormittag mit Warten. Ein Glück, dass ich wenigstens allein zur Toilette gehen und das Zähneputzen, etwas mühsam zwar, mit der linken Hand bewältigen konnte, sodass ich den Pflegedienst nur einmal am Tag in Anspruch nehmen musste. Um die Mittagszeit kam fast immer jemand vorbei, meistens meine Tochter oder dann mein Sohn, einer der Enkel oder auch mal Freunde. Sie kauften für mich ein, bereiteten das Essen zu und richteten die Überbleibsel der reichlich bemessenen gemeinsamen Mahlzeit so her, dass ich sie später noch einmal aufwärmen und problemlos mit einer Hand essen konnte. Wie sehr man im Alltag ständig beide Hände braucht, wurde mir erst jetzt so richtig bewusst.

Schön war es, spontane nachbarschaftliche Hilfe zu erleben. Als meine Wohnungsnachbarin mich mit dem fixierten Arm sah, anerbot sie sich sofort, mir alle paar Tage die Haare zu waschen, sie sei dafür mit allem Nötigen eingerichtet. So erfuhr ich, dass sie früher einen eigenen Coiffeursalon geführt hatte, den sie aufgeben musste, als die Liegenschaft verkauft und ihr Mietvertrag gekündigt wurde. Bezahlbare neue Räumlichkeiten hatte sie nicht gefunden und sich eine andere Arbeit suchen müssen. Für den Eigengebrauch hatte sie im kleinen Abstellraum ihrer Wohnung eine professionell ausgestattete Mini-Coiffeurkabine eingerichtet. Das war natürlich sehr angenehm für mich. Anstatt mir die Haare beim Duschen von den ambulanten Pflegerinnen waschen zu lassen, was ziemlich mühsam war, konnte ich mich hier bequem hinsetzen und von der Nachbarin fachkundig bedienen lassen. Dass wir dabei ins Gespräch kamen und uns ein wenig näher kennenlernten, war eine schöne Zugabe.

Dreimal in der Woche musste ich zur Physiotherapie am anderen Ende des angrenzenden Städtchens. Das nahm fast den ganzen Vormittag in Anspruch, obwohl die Sitzungen nur 25 Minuten dauerten. Doch die Zeiten wa

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