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Lebenskunst Vergebung Befreiender Umgang mit Verletzungen von Grabe, Martin (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 01.05.2012
  • Verlag: Verlag der Francke-Buchhandlung
eBook (ePUB)
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Lebenskunst Vergebung

Kaum etwas kann befreiender sein als richtig verstandene Vergebung. Wer von anderen Menschen verletzt wird, gerät leicht in einen Kreislauf negativer Gedanken hinein. Das kann ihm auf Dauer größeren Schaden zufügen als das eigentliche Unrecht. Dieses Buch zeigt ganz praktisch, wie es einem Betroffenen gelingt, mit Verletzungen umzugehen und sie loszulassen. Die geschilderten Wege der Vergebung haben sich in Psychotherapie und Seelsorge vielfach bewährt. Ein Handbuch für Betroffene, Therapeuten und Seelsorger. Dr. med. Martin Grabe ist Psychiater, Psychotherapeut und Chefarzt der psychotherapeutischen Abteilung der Klinik Hohe Mark in Oberursel. Gleichzeitig engagiert er sich in der Leitung seiner Ortsgemeinde, ist verheiratet und hat vier Kinder. All diese Lebensbereiche steuern Erfahrungen und Gedankenanstöße zu seinen Büchern bei.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: AdobeDRM
    Seitenzahl: 192
    Erscheinungsdatum: 01.05.2012
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783868278644
    Verlag: Verlag der Francke-Buchhandlung
    Größe: 437 kBytes
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Lebenskunst Vergebung

3. Die drei Wege zur Vergebung

Im vorigen Kapitel habe ich beschrieben, wie Kränkungen zustande kommen und sich im Leben der Betroffenen auswirken.

Wenn die Arten von Kränkungen, die dort aufgeführt wurden, der Gegenstand der Vergebung sein sollen, mag man jetzt vielleicht denken, dass das Ganze ja eine ziemlich subjektive Sache ist. Und wenn Sie selbst betroffen sind, werden Sie sich möglicherweise sogar missverstanden fühlen, denn was Ihnen passiert ist, war vielleicht wirklich eine ausgemachte Gemeinheit oder ein schlimmes Unrecht. Wenn es angeblich sein kann, dass sich der eine bei genau der gleichen Handlung überhaupt nicht gekränkt oder geschädigt fühlt, während ein anderer tief verletzt ist, gibt es dann überhaupt so etwas wie ein objektives Recht, gekränkt zu sein? Wenn es das nicht gibt, was gibt es dann zu vergeben? Ist denn alles nur meine Empfindlichkeit, meine Animosität? Oder, wenn wir die Begrifflichkeit von oben verwenden wollen: Liegt alles nur daran, dass mein Selbst seinen Identitätsraum zu weit ausgedehnt hat, zumindest in eine der möglichen Richtungen?

Ich möchte hier eine vorläufige Antwort wagen. Später werden wir noch näher darauf eingehen. Sie lautet: Wenn Sie verletzt sind, haben Sie recht.

Das Gefühl der Kränkung ist subjektiv, wie alle psychische Befindlichkeit subjektiv ist. Und wir haben ja gerade gesehen, dass es gar keine Kränkungen auf der objektiven Ebene gibt. Verlust (von Geld z. B.) kann sowohl Kränkung bedeuten als auch das Selbstbewusstsein heben, es geht nicht um den objektiven Verlust. Selbst der drohende Verlust des eigenen Lebens, normalerweise die größte denkbare Kränkung, wird nicht eindeutig bewertet. Denken Sie nur an die Märtyrer der frühen Kirche oder auch - man möge mir die Nebeneinanderstellung verzeihen, es geht mir aber um die sachliche Klarheit - die Selbstmordattentäter der heutigen Zeit.

Wenn Sie verletzt sind, haben Sie also recht, subjektiv recht. Und das bedeutet für die Vergebung: Es wird und kann auch nur Ihre Vergebung sein, Ihre subjektive Vergebung.

Was jetzt folgt, sind demnach Wege, wie Sie mit Ihrer persönlichen Kränkung umgehen können. Das wird allerdings auch Auswirkungen auf Ihre Umgebung haben, die nicht zu unterschätzen sind. Es wird auch Auswirkungen auf den Täter haben.

Ein sehr häufiges Missverständnis in christlichen Kreisen ist, dass viele Menschen Vergebung im Grunde für einen mehr oder weniger definierten Verhaltenskatalog halten. Wenn einem dieses oder jenes Unrecht angetan wird, hat man in etwa so und so zu reagieren, das ist dann eben christlich bzw. christlich korrekt. Dabei steht, auch wenn das nicht so benannt und darüber nicht weiter nachgedacht wird, ein Modell von objektiver Vergebung als Antwort auf objektives Unrecht im Hintergrund.

Wenn Kindern Beispiele von gelungener Vergebung erzählt werden, können sie diese nur als Vorbild zum direkten Nachmachen verstehen, und ähnlich kommt es auch bei vielen Erwachsenen an. Wenn Vergebungsberichte in Gemeinden so verstanden werden, wird ein praktisch unerfüllbarer Standard gesetzt. In der Bibel ist zu lesen, dass die Apostel den Herrn priesen, weil sie für ihn Schmach leiden durften, als sie gerade verprügelt worden waren. Oder es wird berichtet, dass vielleicht ein Missionar gerade wieder in das Dorf zurückging und für die Leute betete, die ihm seine Hütte verbrannt hatten. Brave Gemeindemitglieder nicken vielleicht, wenn sie diese Berichte hören, aber im Grunde ist jedem klar: es würde mich völlig überfordern, tatsächlich so zu reagieren. Ich würde das nicht aushalten. Ich würde auch nicht so reagieren. Gott sei Dank prügelt mich keiner.

Im Unklaren bleibt meist, dass es bei diesen Beispielen immer um eine individuelle Bewältigung von Kränkungen geht, die subjektiv auf ganz bestimmte Weise erlebt wurden. Was in den Betroffenen wirklich abgelaufen ist, wird normalerweise nicht transparent. Es wird alle

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