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Zurück ins Gleichgewicht Vom Abnehmen und über das Glück, das eigene Maß zu finden von Onken, Julia (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 22.06.2015
  • Verlag: Verlag C.H.Beck
eBook (ePUB)
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Zurück ins Gleichgewicht

Dick wird man meistens nicht vom vielen Essen sondern von Diäten. Wer Diät hält, folgt irgendeinem Programm, das sich irgendjemand ausgedacht hat. Die eigenen Bedürfnisse, die Signale des Körpers werden dabei überhört. Wer Gewichtsprobleme bewältigen will, sollte umdenken und sich auf die eigene Lebensweise konzentrieren. Die erfahrene Therapeutin Julia Onken zeigt, wie Frauen lernen können, den eigenen Körper anzunehmen, auf sich selbst zu achten und den persönlichen Erfahrungen zu vertrauen, mit dem Ziel, wieder ins - innere und äußere - Gleichgewicht zu kommen. Julia Onken, ist diplomierte Psychologin, Psychotherapeutin, Leiterin des Frauenseminars Bodensee (gemeinsam mit ihrer Tochter Maya), Dozentin in der Erwachsenenbildung und Herausgeberin von Generation Superior. Die Kunst des langen Lebens.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 139
    Erscheinungsdatum: 22.06.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783406625107
    Verlag: Verlag C.H.Beck
    Größe: 2596 kBytes
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Zurück ins Gleichgewicht

1.

In eigener Sache

Darf ich mich vorstellen? Ich heiße Julia Onken, und ich war esssüchtig. Jedenfalls würde ich mich, ginge es um Alkoholabhängigkeit, mit solchen Worten vorstellen. Damit geben "trockene" Alkoholiker einen Teil ihrer Lebensproblematik gleich zu Beginn bei einem Treffen anonymer Alkoholiker preis und weisen darauf hin, dass sie sich ihrer Alkoholsucht bewusst sind und sich intensiv damit auseinandergesetzt haben. Wenn sie so offen aussprechen, dass sie Alkoholiker waren, heißt das im Klartext aber auch: "Ich habe keine Lust, irgendetwas vorzutäuschen oder etwas vertuschen zu wollen, ich will niemandem etwas vormachen und mich besser darstellen, als ich bin. Ich spiele mit offenen Karten. Im Moment unterliege ich zwar dieser Sucht nicht, bin aber ständig achtsam." Und genau das ist es, was ich in diesem Buch sagen möchte. Denn aufgrund meiner eigenen Situation fühle ich mich nicht nur legitimiert, sondern auch befähigt, zum Thema Übergewicht das Wort zu ergreifen.

Mehr als 40 Jahre lang hielt ich mich an irgendwelche Diäten. Mindestens während der Hälfte meines Lebens bildete ich mir ein, übergewichtig zu sein, und oft wiesen messbare und belegbare Daten und vor allem optisch wahrnehmbare Tatsachen darauf hin, dass ich deutlich Übergewicht hatte. Ich bin also eine Fachfrau, was Übergewicht und Diäthalten betrifft. Denn es gibt wohl keine Diät, die ich nicht brav befolgt und durchexerziert hätte. Und mit allen diätischen Bemühungen erzielte ich beachtliche Erfolge, die Pfunde purzelten nur so von mir herunter, und ich war überglücklich. Leider hielt das Glück nicht lange an. In dem Moment, wo ich mir eine Verschnaufpause gönnte und das enge Korsett der Verbote lockerte, hefteten sich die verlorenen Pfunde in Windeseile wieder an mich, und zu meinem großen Leidwesen kamen oft noch ein paar zusätzliche dazu. Ebenso erging es mir mit dem Fasten. Ich lebte mehrere Wochen pro Jahr euphorisch mit null Kalorien, schwebte leichtfüßig und schmetterlingsfroh durch den Tag, vom wunderbaren Gefühl getragen, federleicht zu sein, um hinterher, nach Beendigung der Fastenhochform und mit Rückkehr zur "Normalität", wie eine unförmige Kröte auf dem Boden zu stranden. Wenn ich meine Fastenzeiten zusammenrechne, komme ich locker auf ein Jahr ohne Essen. Ich habe erst im Nachhinein begriffen, dass diese Art zu hungern nicht mit Fasten gleichgesetzt werden kann.

Und da ich mich beruflich mit der menschlichen Psyche beschäftige, lag es auf der Hand, alles, was es an diesbezüglicher Fachliteratur gibt, zu lesen. So habe ich mich in unzähligen psychoanalytischen Sitzungen mit sämtlichen Möglichkeiten psychischer Fehlentwicklungen auseinandergesetzt, den Verlauf meiner eigenen frühkindlichen oralen Phase durchforstet und daraufhin durchsucht, ob ich etwa zu früh abgestillt worden bin oder ob im späteren Entwicklungsverlauf etwas schiefgegangen war. Ebenso habe ich die gesamte Frustrations- und Deprivationspalette, die sich in einem Erwachsenenleben einstellen kann, gewissenhaft analysiert, ob die überflüssigen Pfunde auf Essen als Lustersatz oder andere Ersatzbefriedigungen zurückgeführt werden könnten. Ich bin also hart mit mir ins Gericht gegangen, habe mich auch gefragt: Bilde ich mir meine grundsätzliche Zufriedenheit etwa nur ein, verdränge ich erfolgreich Leere, Angst, Frustration? Ach, ich hätte viel darum gegeben, etwas Handfestes ausfindig machen und sagen zu können: Hier sitzt das Übel, jawohl, das ist es. Aber ich fand nichts, keine psychischen Auffälligkeiten, Abnormitäten oder verdächtige Schmauchspuren unverarbeiteter Kindheitserlebnisse, nicht einmal eine unbefriedigende Sexualität.

Ich tappte also über Jahrzehnte im Dunkeln. Und gleichzeitig führte ich einen Kampf gegen das Übergewicht, den ich ständig verlor. Nur wer selbst einmal in diesem hoffnungslosen Gefecht mit sich selbst stand, weiß, was das bedeutet. Das ganze Leben ist vom Thema Übe

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