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Experimentelle Handlungsforschung Kognitive Grundlagen der Wahrnehmung und Steuerung von Handlungen

  • Erscheinungsdatum: 18.09.2014
  • Verlag: Kohlhammer
eBook (ePUB)
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Experimentelle Handlungsforschung

Die Struktur menschlichen Handelns ist in den vergangenen zwei Jahrzehnten erneut zu einem zentralen Thema psychologischer Forschung geworden. Lange Zeit davor galt Psychologie als Wissenschaft vom Denken, Fühlen und Wollen, und Handeln kam, wenn überhaupt, nur am Rande vor. Einen zentralen Anteil an der Renaissance des Handelns hat die moderne Kognitionspsychologie, die im Mittelpunkt des Buchs steht. Sie untersucht die repräsentationalen Grundlagen von Handlungen & die Lernprozesse, in denen Handlungswissen entsteht, und die Kontrollprozesse, in denen es in Handlungen umgesetzt wird. Das Buch führt in den ideomotorischen Ansatz ein, der der kognitiven Handlungsforschung entscheidende Impulse gegeben hat. Es gibt einen Überblick über den aktuellen Stand der Forschung aus drei unterschiedlichen Perspektiven: der individuellen Perspektive der Allgemeinen Psychologie, der interindividuellen Perspektive der Sozialpsychologie und der ontogenetischen Perspektive der Entwicklungspsychologie.

Prof. Dr. Wolfgang Prinz ist emeritierter Direktor am Max-Planck-Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften, Leipzig. Mit Beiträgen von Gisa Aschersleben, Moritz M. Daum, Arvid Herwig, Esther Kuehn, Wolfgang Prinz und Simone Schütz-Bosbach.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 232
    Erscheinungsdatum: 18.09.2014
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783170249950
    Verlag: Kohlhammer
    Größe: 3858kBytes
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Experimentelle Handlungsforschung

2 Experimentelle Handlungsforschung: Die individuelle Perspektive

Arvid Herwig

In diesem Kapitel geht es um die intraindividuelle Hauptlinie der ideomotorischen Theorie. Diese Linie möchte erklären, auf welche Weise einzelne Individuen Handlungswissen erwerben, repräsentieren und zur Handlungssteuerung nutzen. Handlungswissen umfasst hierbei das Wissen über Ziele, Bewegungen und Zusammenhänge zwischen Zielen und Bewegungen. Der Fokus liegt also auf der Frage, welche Rolle das Handlungswissen innerhalb von zumeist erwachsenen Individuen spielt. Fragen nach der Rolle ideomotorischer Prozesse im sozialen sowie entwicklungspsychologischen Kontext werden dagegen in den nachfolgenden Kapiteln 3 und 4 behandelt.

Die Handlungsforschung ideomotorischer Prägung hat in den letzten ein bis zwei Jahrzehnten ein reichhaltiges Repertoire von experimentellen Paradigmen vorgelegt. Dies ist unter anderem darauf zurückzuführen, dass der Nachweis von Effektrepräsentationen als Teil des Handlungswissens tatsächlich kein leichtes Unterfangen ist. Wie im Einleitungskapitel bereits beschrieben wurde, wirken Effektrepräsentationen zumeist im Verborgenen und müssen daher durch geeignete experimentelle Manipulationen erst dingfest gemacht werden. Auf den ersten Blick mag die Vielzahl unterschiedlicher Paradigmen als Hürde erscheinen, die eine Integration der Ergebnisse erschwert. Auf den zweiten Blick bietet sie jedoch auch einen enormen Vorteil. Dank des reichhaltigen Repertoires lässt sich neben den Kernannahmen des ideomotorischen Ansatzes zusätzlich eine Vielzahl weitergehender Fragen untersuchen, die ein tieferes Verständnis ideomotorischer Prozesse ermöglichen. Wann und wie schnell erwerben wir neues Handlungswissen? Was genau beinhaltet dieses Wissen? Zu welchem Zeitpunkt der Handlungsplanung kommen Effektantizipationen ins Spiel? Wie genau kann man sich diese Effektantizipationen vorstellen? Wie werden Handlungseffekte im Anschluss an die Handlung verarbeitet? Welche weiteren spezifischen Wechselwirkungen zwischen Wahrnehmung und Handlung treten auf und was sagt uns das über die Art und Weise, wie Handlungswissen repräsentiert ist? Von jüngerem Interesse ist also nicht ausschließlich die Frage, ob wir Handlungswissen erwerben, repräsentieren und nutzen, sondern vor allem, wann und wie genau das vonstattengeht.

Das vorliegende Kapitel versucht, diesen jüngeren Entwicklungen Rechnung zu tragen. Im Folgenden wird dazu zunächst die Frage unter die Lupe genommen, wie wir Handlungswissen erwerben ( Abschn. 2.1 : Ideomotorisches Lernen). Der anschließende Abschnitt diskutiert die Frage, wie wir dieses Handlungswissen zur Handlungssteuerung nutzen ( Abschn. 2.2 : Ideomotorische Kontrolle). Kernannahme ist hier, dass wir Handlungen durch die Antizipation ihrer sensorischen Effekte auswählen und überwachen. Schließlich behandelt der dritte Abschnitt die Frage, wie wir Handlungswissen repräsentieren, indem die Wechselwirkungen zwischen Wahrnehmung und Handlung näher beleuchtet werden ( Abschn. 2.3 : Wahrnehmung und Handlung).
2.1 Ideomotorisches Lernen: Erwerb von Handlungswissen

Zielgerichtetes Handeln erfordert Wissen darüber, welche spezifischen Bewegungen geeignet sind, um die gesetzten Ziele zu erreichen. Die ideomotorische Theorie nimmt an, dass dieses Wissen auf gesammelten Erfahrungen beruht ( Kap. 1 ). Erst wenn man erfahren hat, dass eine bestimmte Bewegung (z. B. Herunterdrücken einer Klaviertaste) zu einem bestimmten sensorischen Effekt führt (z. B. Ertönen eines 'c'), kann diese Erfahrung genutzt werden, um den sensorischen Effekt absichtlich herbeizuführen ( Abb. 2.1 ). Zielgerichtetes Handeln sollte demnach abhängig von Lernproze

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