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Die jesuitische Berichterstattung über die Neue Welt von Borja Gonzalez, Galaxis (eBook)

  • Erschienen: 16.11.2011
  • Verlag: Vandenhoeck & Ruprecht
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Die jesuitische Berichterstattung über die Neue Welt

Am Fallbeispiel der jesuitischen Americana wird die Bedeutung des Buchdrucks für die Vermittlung der Neuen Welt im Übergang zur Moderne erörtert. Es wird von der These ausgegangen, dass der Prozess, mit dem Hispanoamerika in das Bewusstsein der Europäer trat, nicht nur aus ideengeschichtlicher Perspektive, sondern auch im Zusammenhang mit den materiellen Verhältnissen auf dem Buchmarkt zu betrachten ist. Diskutiert wird die Wechselbeziehung zwischen Inhalt, Medium und den am Buchmarkt beteiligten Subjekten: Weshalb wurden die Amerika-Schriften jesuitischer Verfasser auf dem deutschen Buchmarkt gedruckt, gehandelt und gelesen? Welche Bedeutung kam den Lesewünschen und Erwerbsmöglichkeiten potentieller Buchkäufer im Hinblick auf die Publikations-, Verbreitungs- und Vertriebsmodalitäten von Americana zu? Welchen Einfluss übten die materielle Aufmachung der Texte, ihre medialen Verbreitungsformen und Zugangsmöglichkeiten auf die Art und Weise aus, wie die Leser die im Buch vermittelten Aussagen mit Sinn füllten? Die Analyse der jesuitischen Literatur ermöglicht, die Kraft des gedruckten Wortes vermittelten Selbst- und Fremdbilder einer religiösen Gemeinschaft zu erfassen, die fast zweihundert Jahre überstaatlich, interkulturell und transkontinental agierte und deren Mitglieder den Bildungs- und kirchlichen Eliten in der neuzeitlichen sozialen Ordnung angehörten. Die Kontinuitäten, Umbrüche und Auslassungen im jesuitischen Diskurs über den amerikanischen Kontinent und dessen Einwohner werden aufgezeigt. Zugleich wird die Interdependenz zwischen den materiellen Formen ihrer Übermittlung, den konkreten Aneignungsweisen der Subjekte und den innerhalb einer jeden Kommunikationsgemeinschaft geltenden Ordnungskategorien und Sinnstiftungsweisen diskutiert.

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Die jesuitische Berichterstattung über die Neue Welt

3. Die zweite Phase jesuitischer Americana (S. 167-168)
Als 1767 der Jesuitenorden durch Erlass von Karl III. aus den spanischen Ländern ausgewiesen wurde, gingen ca. 5.700 Ordensmitglieder ins europäische Exil1. Die Mehrheit von ihnen kam aus den Kolonien der amerikanischen und philippinischen Territorien. Darunter befanden sich auch ca. 300 ausländische Jesuiten, die u.a. aus den deutschen und italienischen Ordensprovinzen stammten und sich in den Kolonien hauptsächlich als Missionare betätigt hatten.
Nach der Bekanntmachung der königlichen Verfügung wurden die Ausgewiesenen in den kolonialen Hauptstädten gesammelt und als Gefangene nach Spanien gebracht. Dort aber trennten sich ihre Wege. Während die ausländischen Patres mehrheitlich in ihre Herkunftsprovinzen zurückkehrten, führte der Verbannungsweg die spanischen und kreolischen Jesuiten in den Vatikanstaat2. Im italienischen Exil durften die Ordensbrüder zunächst weder religiöse noch andere Ämter bekleiden, ebenso wenig wurde ihnen gestattet, die ihnen angewiesenen Aufenthaltsorte zu verlassen. 1773 ordnete Clemens XIV. mit dem Breve Dominus ac Redemptor die weltweite Auflösung der Gesellschaft Jesu an.
Die päpstliche Verfügung bedeutete zweifelsohne einen schweren Schlag für die Ordensleute, andererseits gab sie den Patres die Handlungsfreiheit zurück, die sie während der ersten Jahre nach der Ausweisung verloren hatten. Viele der ehemaligen Jesuiten im Exil zogen in die kulturellen Zentren Italiens, widmeten sich nunmehr den Wissenschaften und mischten sich mit ihren mehrsprachigen Abhandlungen und wissenschaftlichen Beiträgen in die zeitgenössischen Debatten ein.
Im Folgenden werden die jesuitischen Americana, die in den letzten drei Dekaden des 18. Jahrhunderts und in den ersten Jahren des 19. Jahrhunderts auf dem deutschen Buchmarkt erschienen sind, untersucht. Diese zweite Phase der jesuitischen Publikationstätigkeiten erfolgt im Zusammenhang mit der Ausweisung und Auflösung des Ordens, entstand aber auch als Reaktion auf die aufgeklärten Thesen über den Charakter des amerikanischen Kontinents und seinen Status in der Menschheitsgeschichte. Diese in die Geschichtsforschung als "Disput über Amerika"4 eingegangene Debatte entfachte eine rege publizistische Tätigkeit, an der sich Gegner und Fürsprecher Amerikas beteiligten, darunter auch die Mitglieder der verbotenen Gesellschaft Jesu.
Auf der Grundlage welcher diskursiven Strategien, mit welchen Beweggründen und mittels welcher Kommunikationsmedien wurden die Werke der verbotenen Ordensmitglieder während der letzten Dekaden des 18. Jahrhunderts auf dem deutschen Buchmarkt angeboten? Welche Bilder von Amerika wurden darin formuliert, und in welcher Beziehung stand der vermittelte Inhalt zu den Überlegungen der an der Veröffentlichung und Verbreitung der jeweiligen Schrift beteiligten Anbieter?
Dies sind die Fragen, denen sich das folgende Kapitel widmet. Das Erkenntnisziel besteht darin, die Americana aus der zweiten Phase jesuitischer Publikationstätigkeit im Zusammenhang mit den Entwicklungen auf dem Buchmarkt, den Identitätsentwürfen der Aufklärung und den in die Defensive geratenen jesuitischen Verfassern zu erforschen. Im ersten Abschnitt (3.1) wird die Auseinandersetzung zwischen aufgeklärten Intellektuellen und Exjesuiten über die Rolle der Mission in den spanischen Gebieten Amerikas vor dem Hintergrund der jesuitenfeindlichen und kolonialkritischen Debatten erörtert.

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