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Digitale Theologie Gott und die Medienrevolution der Gegenwart von Haberer, Johanna (eBook)

  • Verlag: Kösel
eBook (ePUB)
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Digitale Theologie

Die digitale Revolution hat unser Denken dramatisch verändert. Wir betreten mit dieser Technik einen neuen Lebensraum, in dem herkömmliche Regeln nicht gelten und die Gesellschaften lernen müssen, neue Normen auszuhandeln. Der Umgang mit Texten und anderen traditionellen Autoritäten verändert sich, und damit auch ethische Fragestellungen aus christlicher Perspektive. Zum Beispiel: Wer ist mein Nächster? Es wird ein langer Weg, bis die herkömmliche Wissenschaft von Gott diesen neuen Lebensraum nach theologischen Kriterien einordnen und deuten kann. Dieses Buch möchte einen Anfang machen. Johanna Haberer, geb. 1956, ist evangelische Theologin und Professorin für Christliche Publizistik an der Theologischen Fakultät der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg. In der ARD sprach sie vier Jahre lang das Wort zum Sonntag.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 208
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641161330
    Verlag: Kösel
    Größe: 374 kBytes
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Digitale Theologie

BIBLISCHE EINSICHTEN

Die heiligen Schriften des Alten und Neuen Testaments werden in der modernen Theologie in ihren historischen Zusammenhängen gelesen und eröffnen damit neue Räume des Verstehens in der damaligen und der heutigen Zeit. Die Schriften waren aber ausgehend von ihrer historischen Verortung immer auch prägend für die zwischenmenschliche und die gesellschaftliche Kommunikation. Wie Menschen sich in ihren sozialen und kommunikativen Räumen bewegen und welchen Regeln sie dabei folgen, das prägen religiöse und kulturelle Modelle.

Beteiligung und Befähigung

Rollenmuster

Und nach diesem will ich meinen Geist ausgießen über alles Fleisch, und eure Söhne und Töchter sollen weissagen, eure Alten sollen Träume haben und eure Jünglinge sollen Gesichte sehen. (Jo ë l 3,1)

In der biblischen Welt, in der Rollenmuster festgelegt waren, in der Mann und Frau und König und Knecht und Priester und Prophet ihre festen gesellschaftlichen Positionen einnahmen, taucht wie ein leuchtender Pfad immer wieder das Motiv des göttlichen Geistes auf, der alle Menschen gleichermaßen in einen geistbegabten Zustand versetzt. Allen gemeinsam sind dann Einsichten, Visionen und Träume. Es ist ein biblisches Motiv, das die Idee einer hierarchiefreien Kommunikation wachhält und die Idee, dass alle Menschen das Recht und die Begabung haben, sich an den Träumen und Visionen einer künftigen Welt und eines künftigen Zusammenlebens zu beteiligen. Diese Ideen haben auch die Reformatoren inspiriert, wenn sie vom Priestertum aller Gläubigen sprachen und die Überzeugung vertraten, dass die Auslegung des Evangeliums in das tägliche Leben keine Sache der Autoritäten sei, sondern die Sache eines jedes Einzelnen. Sie waren der Überzeugung, dass die göttliche Wahrheit des Evangeliums immer wieder in einer gemeinsamen Suchbewegung aller Gläubigen aufscheint.

Von dieser Idee der Beteiligung aller her gedacht, ist eine Technologie, die Menschen miteinander hierarchiefrei vernetzt, die Erfüllung einer großen Vision. Mit einem Mouseclick könnte man nun Gleichberechtigung schaffen, die Kommunikationsrechte aller in dieser so ungerechten Welt verwirklichen.

Man könnte die Diskursräume öffnen und die Menschen dazu befähigen, ihre Träume miteinander zu teilen.

Man kann sogar behaupten, die Idee hinter der Netztechnologie verwirklicht eine biblische Vision und realisiert ein biblisches Muster für gelingende zwischenmenschliche Kommunikation. Es ist der Traum derer, die das Weltwissen allen zugänglich machen wollen, die Basisdemokratie und zivile Einmischung für ein Überlebensmittel künftiger Gesellschaften halten. Es ist der gemeinsame Traum derer, die glauben, Kreativität müsse geteilt werden und die guten Ideen der Menschheit gehörten allen. Zu diesem Traum von Partizipation zählt unmittelbar die Überzeugung, dass Menschen befähigt werden können, mit diesen veränderten Formen der Kommunikation umzugehen. Denn Kommunikation ist immer auch ein Teil der kulturellen Bildung.

Es ist ein gigantischer Lernprozess, in den die modernen Gesellschaften eintreten, damit man als Bewohner des neuen digitalen Lebensraums nicht zum Spielball undurchschaubarer Gesetzmäßigkeiten und Programme wird. Es müssen also die fremden algorithmischen Logiken erlernt und die Spielregeln und Sprachen verstanden werden, damit die Menschen beurteilen und beherrschen können, welche Informationen über sie in diesem neuen Lebensraum kursieren. Denn zur Beteiligung aller gehört auch die Fähigkeit, die Grundlagen der Kommunikation, deren "Geist" und deren Regelwerke zu verstehen.

Wenn es wahr ist, dass jede Religion immer auch bestimmte Formen von Kommunikation hervorbringt, dann muss nach den Mustern der biblischen Mastererzählung für Christen ein dringendes Anliegen sein, für eine hierarchiefreie und selbstbestimmte Kommunikation einzutreten und die Menschen dazu zu befähig

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