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Drei im Blau Kunst und Glaube von Schörghofer, Gustav (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 25.09.2013
  • Verlag: Residenz Verlag
eBook (ePUB)
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Drei im Blau

Wo sich Glaube und Kunst begegnen - und auf den Menschen treffen. Kunst und Glaube werden heute oft für unvereinbar gehalten. Doch der Jesuitenpater Gustav Schörghofer spannt einen Bogen über die Jahrhunderte bis zur Gegenwart, von glaubensbildender Kunst zu bildhaftem Glauben, und hebt damit den Gegensatz auf: Einerseits zeigt er hinter Techniken und Themen der Maler das tiefe Grundbedürfnis der Menschen, über sich selbst hinausgehend Sinn zu entdecken wie zu stiften. Andererseits lässt er den Wert sichtbarer Schönheit und poetischen Geistes für religiöse Lehren begreifen. Aus dieser doppelten Perspektive gelingt Strich für Strich ein Bild von Kunst und Glaube, welches Nähe schafft, wo lange Zeit nur Distanz gesucht wurde. Gustav Schörghofer geboren 1953 in Salzburg, studierte Kunstgeschichte und Klassische Archäologie in Salzburg sowie Philosophie und Theologie in München und Rom. 1981 Eintritt in die Gemeinschaft der Jesuiten, 1988 Weihe zum Priester und seit 1998 Rektor der Jesuitenkirche-Universitätskirche. Regelmäßige Betreuung von Künstlerprojekten sowie Beiträge in diversen Zeitschriften, u. a. in Geist und Leben, Wort auf dem Weg und entschluß.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 224
    Erscheinungsdatum: 25.09.2013
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783701744237
    Verlag: Residenz Verlag
    Größe: 3776 kBytes
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Drei im Blau

BIRNEN/KOSMOS - ein kleines Bild von Heinrich Menches. Zwei rotbraune Dreiecke nehmen ein mächtiges Blau in ihre Mitte. Die heftige Bewegung der Pinselstriche, Aufschäumen und Versinken der Farbe: Blau, aus dem Blauweiß ins Schwarzblau. Und schwebend im Blau drei gelbe Birnen. 1

"Und als er an einem Tag auf den Stufen desselben Klosters die Tagzeiten unserer Herrin betete, begann sich ihm der Verstand zu erheben, als sähe er die heiligste Dreifaltigkeit in Gestalt von drei Tasten ..." 2 So schildert Ignatius von Loyola in seiner Autobiografie, dem "Bericht des Pilgers", seine Schau Gottes. Ignatius spricht von sich selbst in der dritten Person. Er sagt nicht, er habe drei Orgeltasten gesehen und diese hätten ihn an die Dreifaltigkeit erinnert. Er sagt, er habe die Heiligste Dreifaltigkeit in Gestalt von drei Tasten gesehen. Sie hat sich ihm zu erkennen gegeben. Aber nicht in mächtigen Erscheinungen, sondern in der Gestalt unscheinbarer Gegenstände. Gott kann in den Gestalten dieser Welt wahrgenommen werden. In Gestalt von drei Orgeltasten. Oder von drei Birnen im Blau.

Jesuitenkosmos - eine Installation von Christoph Steinbrener und Rainer Dempf. Von November 2008 bis Mai 2009 war über den gesamten Innenraum der Wiener Jesuitenkirche/Universitätskirche eine Ansicht der Erde aus dem Weltall gespannt. Über dem Blau der Meere weiße Wolken. Schwarz die Weite des Raums. Ein Astronaut schwebt im Freien. Teile der Raumstation. Die Gewölbefresken eines der prächtigsten hochbarocken Kirchenräume Wiens sind mit diesem auf ein engmaschiges Netz gedruckten Foto der NASA verhängt, das Bild des von Engeln bevölkerten Himmels ist durch ein neues Bild ersetzt worden. Das Motiv der "Eroberung des Himmels mit technischen Mitteln" wurde mit neuen Methoden umgesetzt, der Innenraum der Kirche mit einer aus der Werbung bekannten Technik neu interpretiert. Das neue Bild forderte eine Wendung des Blicks, eine radikale Änderung der Blickrichtung. Nicht mehr Aufstieg des Blicks in himmlische Zonen, sondern ein Abstieg des Blicks auf die Erde. Der umgekehrte Blick geht von oben nach unten.

Diese Sichtweise entspricht jener, die Ignatius von Loyola in seinem Exerzitienbuch für die "Betrachtung über die Menschwerdung" vorschlägt: "Die drei göttlichen Personen sehen und erwägen, gleichsam auf ihrem königlichen Sitz oder Thron ihrer göttlichen Majestät, wie sie das ganze Angesicht oder die Rundung der Erde und alle Völker schauen." 3 Die Installation Jesuitenkosmos bot dem Betrachter eine Ansicht der Welt aus der Perspektive der göttlichen Personen. Sie verbarg das in der Apsiswölbung gemalte Bild der Dreifaltigkeit. Doch sie bot die Möglichkeit, die Welt mit den Augen Gottes zu betrachten. Der Blick Gottes auf die Welt entdeckt mehr als bloß einen schönen blauen Planeten.

Michael Collins, ein Mitglied der Mannschaft von Apollo 11, schlug nach der Rückkehr vom Mond vor, auf zukünftigen Flügen auch einen Dichter, einen Priester und einen Philosophen mit an Bord zu nehmen: "Dann werden wir eine bessere Vorstellung von dem bekommen, was wir gesehen haben."

Unsere Erde, der "Blaue Planet". Wir haben sie gesehen, mit den Augen derer, die vom Mond oder frei schwebend im All zurückgeschaut haben: im Schwarz das leuchtende Blau der Erde. Wo wir geschützt durch Luft und von der Schwere am Boden gehalten leben. Schwer oder luftig. Wo wir unter freiem Himmel Häuser und Hütten bauen. Auf festem Boden oder auf Sand. Wo wir Heimat suchen, einen Ort der Ankunft. Im Blau der Erlösung.

Die Welt aus dem All zu sehen. Von außen auf sie zu schauen. Der Blaue Planet als Ort der Rast. Wo Leben Erlösung findet. Wo es zur Entfaltung kommt. Wo es kommt und geht, im Blau der Erde. Blau ist die Farbe des Unendlichen, des Ewigen und der Reinheit. Wir leben eingetaucht ins Blau.

Blau des H

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