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Gewalt in den Weltreligionen von Baudler, Georg (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 01.02.2012
  • Verlag: WBG Academic
eBook (ePUB)
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Gewalt in den Weltreligionen

Religionen waren von Anfang an mit Gewalt verbunden, das zeigt sich an der Rekonstruktion archaischer Opferrituale wie an den Ursprungsmythen der Völker. Erst allmählich konnte in der Entwicklung der Glaubensgemeinschaften die Vergöttlichung der Gewalt überwunden werden. Georg Baudler zeichnet diese Entwicklung nach und macht anhand zahlreicher historischer Beispiele deutlich, welche kulturellen und intellektuellen Voraussetzungen geschaffen werden mussten, um das Ideal des Friedens und der gewaltlosen Auseinandersetzung zu verbreiten. Er hat dabei westliche wie östliche Entwicklungslinien im Blick und arbeitet besonders heraus, wie in der so genannten ?Achsenzeit? (Karl Jaspers) religiöse Führergestalten wie Jesus und Buddha auftraten, die der Gewaltausübung und -feier andere Modelle gegenüberstellten. Dass aber damit die Tradition des Gewaltkultes noch nicht restlos gebrochen werden konnte, zeigen Beispiele, die bis in die Gegenwart reichen.

Georg Baudler, geb. 1936, ist Professor für Katholische Theologie und ihre Didaktik in Aachen.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: AdobeDRM
    Seitenzahl: 219
    Erscheinungsdatum: 01.02.2012
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783534709328
    Verlag: WBG Academic
    Größe: 1039 kBytes
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Gewalt in den Weltreligionen

I. Mutter und Raubtier: Älteste Gottessymbole

Die Mutter-Kind-Beziehung

Der älteste Anspruch der Wirklichkeit, der auch zur Entstehung des spezifisch menschlichen Denkens und Fühlens geführt hat, entstammt sehr wahrscheinlich der Mutter-Kind-Beziehung. Das Kind war für die Mutter und die Mutter war für das Kind die wichtigste, sie emotional am stärksten ansprechende Wirklichkeit. In der von Raubtieren bevölkerten Savanne ein noch völlig hilfloses Kind zu gebären, zu ernähren und großzuziehen, war eine Aufgabe, deren Mühe und Schwierigkeit für uns heutige Menschen kaum mehr vorstellbar sind, insbesondere wenn man bedenkt, dass das menschenartige Wesen weder mit Hörnern oder Reißzähnen ausgestattet, noch zu einer so schnellen Flucht fähig war wie eine Antilope oder ein Zebra. Die amerikanische Paläoanthropologin Nancy Makepeace Tanner, die viele Jahre lang selbst Feldforschungen durchführte, hat detailliert die Lebensumstände dieser frühen Hominiden erforscht und die Bedeutung der Mutter-Kind-Beziehung für die Entstehung des Menschen beschrieben. 5 Es ist kennzeichnend für die Gewaltverhaftetheit und die Gewaltfaszination unserer Gesellschaft, dass die Interpretation der Vormensch-Funde in Südafrika, wie sie Raymund Dart 6 gegeben hat - der Vormensch als brutal-gewaltiger "Killeraffe" -, eine breite Resonanz in den Medien gefunden hat und noch heute das Bewusstsein vieler Menschen prägt. Das Menschsein hat sich nach dieser Vorstellung einbahnig durch eine immer stärkere Verfeinerung der Jagdwerkzeuge und Jagdmethoden ergeben. Wenig später wurde indes klar, dass Dart die Knochenfunde falsch interpretiert hatte. Das häufige Zusammentreffen von Hominiden- und Raubtierknochen weist nicht darauf hin, dass diese frühen Hominiden schon Raubtiere gejagt haben, sondern umgekehrt darauf, dass sie Beute der Raubtiere geworden sind. Der Australopithecus, aus dem heraus sich der Mensch entwickelt hat, war kein gewaltiger Jäger, sondern ein Sammler und Aasesser, der für Raubtiere leicht erjagbar war. Diese Sammeltätigkeit, zu der auch das Aufsuchen von Fleischüberresten an den Fressplätzen der Raubtiere gehörte, war vor allem die Aufgabe der Frau, die nicht nur für sich selbst, sondern auch für ihre Kinder Nahrung herbeischaffen musste. Doch als Adrienne L. Zihlmann und Makepeace Tanner dem falschen Bild vom Man the Hunter das richtige Bild von der Frau als Sammlerin - Woman the Gatherer - gegenüberstellten, wurde dies nur von feministischen Kreisen hauptsächlich in Amerika beachtet. Dass man in allen bisherigen Evolutionstheorien den Anteil der Frau vergessen hatte, führte zu keinen Schlagzeilen in der Presse.

Dabei ist genau hier das Terrain, wo jener Rubikon verläuft, jener Grenzfluss, an dem sich das Leben zum Menschsein hin öffnet. 7 Gewiss kann alles, was dem Menschen in seiner Welt begegnet, für ihn eine symbolische, Sterblichkeit und Tod transzendierende Bedeutung bekommen. Aber es ist naheliegend, dass für das Kind die Mutter und für die Mutter das Kind stärker noch als Steine, Bäume, Tiere und Wolken eine symbolische, das bloß Gegenständliche transzendierende Bedeutung ausstrahlen. Durch den aufrechten Gang des Australopithecus und die wachsende Gehirngröße bedingt, ist nicht nur das Menschenkind, sondern auch schon das Hominidenkind eine "biologische Frühgeburt" 8 . Die Zuwendung und Fürsorge der Mutter blieb auch noch nach der Geburt eine Art geistig-symbolischer "Uterus", ohne den das Kind nicht leben konnte; und umgekehrt lenkt das kleine, hilflose Wesen, das die Mutter gebar, alle Kräfte und alle Aufmerksamkeit der Mutter auf sich und motiviert sie zu ihrem mütterlichen Handeln.

Von Anfang an ist dieses Handeln ein Kampf gegen den stets drohenden Tod und umgekehrt befreit die Fürsorge der Mutter das Kind von seiner kreatürlichen Einsamkeits- und Todesangst. Dieses Angehen

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