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Die Wahrheit ist größer Der Weg eines unbequemen Theologen von Boff, Leonardo (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 14.03.2016
  • Verlag: Topos
eBook (PDF)
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Die Wahrheit ist größer

'Kümmer dich nicht um Ratzinger, der Papst bin ich!' Mit diesen Worten wandte sich Papst Franziskus an Leonardo Boff, als dieser zögerte, nach Rom zu kommen. Wie der Befreiungstheologe zusammen mit Fidel Castro das Vaterunser gebetet hat, wie er dem Präfekten der Glaubenskongregation erklärt hat, dass die Prostituierten noch vor den Kardinälen ins Reich Gottes eingehen - dies alles und vieles mehr erfährt man in diesem Buch. Im Gespräch mit einem Tiefenpsychologen schildert Boff selbst sein bewegtes Leben und seinen Denkweg. Leonardo Boff, Dr. theol., Dr. phil., geb. in Brasilien, ist einer der Gründungsväter der Theologie der Befreiung und Vordenker im Bereich Ökologie. Er ist Mitverfasser der 'Erd-Charta' und erhielt 2001 den alternativen Nobelpreis. Luigi Zoja ist Psychoanalytiker in der Tradition C. G. Jungs, Essayist und Buchautor.

Produktinformationen

    Format: PDF
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 144
    Erscheinungsdatum: 14.03.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783836750530
    Verlag: Topos
    Größe: 3050 kBytes
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Die Wahrheit ist größer

Zu Beginn

Luigi Zoja

Zu Beginn möchte ich gern in Erinnerung rufen, wie wir uns kennengelernt haben. Es war im Jahr 2010. Ich war gerade nach Rio de Janeiro gekommen, um einen Studientag zur Psychoanalyse von C.G. Jung zu eröffnen. Als ich mir das Programm des vorherigen Tages ansah, sah ich, dass ein gewisser "L. Boff" mit seiner Rede die gesamte Veranstaltung eingeleitet hatte. Ich fragte, ob das eine zufällige Namensgleichheit sei, aber man bestätigte mir, dass es sich tatsächlich um den Theologen Leonardo Boff, einen der Gründungsväter der Theologie der Befreiung, handle.

Ich musste dann an meine eigene Vergangenheit denken, als wir vor dreißig Jahren als Jugendliche den Namen Leonardo Boff ständig im Mund führten. Meine brasilianischen Kollegen klärten mich darüber auf, dass Boff zwar aufgrund der vatikanischen Zensur in Italien in der öffentlichen Debatte an den Rand gedrängt wurde, dass er aber in Brasilien weiterhin einer der einflussreichsten Denker sei. Und das Feld seiner Interessensgebiete habe sich ebenso erweitert wie sein Aktionsradius. Während der Siebziger- und Achtzigerjahre haben sich die progressiven Kräfte in Lateinamerika im Wesentlichen auf soziale Fragen konzentriert. In sozialer Hinsicht war Südamerika, und insbesondere Brasilien, ein Negativbeispiel. Die Unterschiede zwischen Reich und Arm waren extrem groß und völlig inakzeptabel. Heute ist Brasilien eines der wenigen Länder, in denen sich die Einkommensunterschiede verringert haben, während man weltweit eine drastische Zunahme der sozialen Ungleichheit beobachten kann. Das habe ich in meinem Buch Utopie minimaliste aus psychologischer Perspektive zu analysieren versucht.

Ich komme auf den erwähnten Kongress über C.G. Jung in Rio de Janeiro zurück: Meine brasilianischen Kollegen erläuterten mir, dass Boff sich über das soziale Thema hinaus, das im Zentrum der Theologie der Befreiung steht, immer stärker mit Umweltfragen beschäftigt habe. Das ist für die politisch progressiven Kräfte entscheidend, vor allem in einem Land wie Brasilien, wo die zerstörerischsten und zugleich profitabelsten Geschäfte nicht im Bereich der Industrieproduktion, sondern mit der "Inwertsetzung" der Wälder gemacht werden. Und schließlich stellen diese Wälder die größte Fläche unversehrter Natur auf dem ganzen Planeten dar.

Boff hat zur Thematik der wirtschaftlichen Ungerechtigkeit nicht nur die Ökologie hinzugenommen, sondern auch sein Engagement auf dem Gebiet der Anthropologie fortgesetzt. Die eingeborenen Völker Südamerikas, die Indigenas im Landesinneren, sind die am meisten Verzweifelten von allen. Sie sind Opfer im wahrsten Sinne des Wortes. Sie sind einer radikalen wirtschaftlichen Ausbeutung und einer physischen Vernichtung ausgeliefert, die einem allmählichen Genozid gleichkommt. Im Unterschied zu den Arbeitern, die zwar am Rand der Gesellschaft angesiedelt sind, aber immerhin noch in gewissem Maß in die Gesellschaft integriert sind, verlieren die Indigenas auch ihre Kultur und ihre Bräuche und versinken in Verzweiflung und Alkohol. Boff hat sich zu einem hervorragenden Kenner ihrer Mythen und Religionen entwickelt. Für das Verständnis dieses Gebietes ist der Begriff des "kollektiven Unbewussten", den uns C.G. Jung überliefert hat, entscheidend. Boff selbst ist zu einem Experten dieses Gründervaters der Psychoanalyse geworden. Als die portugiesische Gesamtausgabe C.G. Jungs vorbereitet wurde, hat man ihn deshalb um seine Mitarbeit und die Durchsicht auf sachliche Richtigkeit gebeten. Als ich auf dem brasilianischen Kongress von all dem erfuhr, habe ich zusammen mit einigen brasilianischen Kollegen vorgeschlagen, dass man Boff zum Ehrenmitglied der Internationalen Gesellschaft für Analytische Psychologie (IAAP) mache. Diese Initiative hatte schließlich im August 2013 auf dem internationalen Kongress in Kopenhagen Erfolg. In eben diesem Monat fand auch das Gespräch statt, aus dem dieses Buch her

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