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Weltliteratur im SPIEGEL - Band 2: Schriftstellerporträts der Sechzigerjahre Ein SPIEGEL E-Book

  • Erscheinungsdatum: 01.10.2015
  • Verlag: SPIEGEL-Verlag
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Weltliteratur im SPIEGEL - Band 2: Schriftstellerporträts der Sechzigerjahre

Weltliteratur im SPIEGEL Band 2: Schriftstellerporträts aus dem SPIEGEL der Jahre 1960 bis 1969, ausgewählt und eingeleitet von Martin Doerry. Mit Beiträgen über die Gruppe 47, Louis Aragon, Ingeborg Bachmann, Tania Blixen, Heinrich Böll, Günter Grass, die Gebrüder Grimm, Peter Handke, Gerhart Hauptmann, Ernest Hemingway, Georg Heym, Stefan Heym, Rolf Hochhuth, Jewgenij Jewtuschenko, Uwe Johnson, James Joyce, James Krüss, Karl May, Marquis de Sade, Nathalie Sarraute, Jean-Paul Sartre und William Shakespeare. Martin Doerry, geboren 1955, ist promovierter Historiker und kam 1987 zum SPIEGEL. Von 1998 bis 2014 war er stellvertretender Chefredakteur des Nachrichten-Magazins. Seither schreibt er als Autor für das Kulturressort.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 380
    Erscheinungsdatum: 01.10.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783877631539
    Verlag: SPIEGEL-Verlag
    Größe: 3533 kBytes
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Weltliteratur im SPIEGEL - Band 2: Schriftstellerporträts der Sechzigerjahre

SPIEGEL 32/1960
TANIA BLIXEN
Faselgeschichten

Babette, exquisite Köchin in einem feudalen Restaurant, hat während der Kommune-Aufstände nach dem Französisch-Deutschen Krieg von 1870/71 ihr Herz für ihre Klasse entdeckt und den Kommunarden die Gewehre laden helfen, mit denen Babettes aristokratische Gäste - und nicht nur die - erschossen werden. Nach dem Ende des Aufstands entkommt Babette aus Paris, findet in Norwegen eine neue Stellung bei zwei alten Damen, die wenig Sinn für Kochkünste haben, und fühlt sich um die Bewunderung betrogen, die ihre frühere Kundschaft über delikat zubereitete Speisen äußerte. So beschwert sich Babette bei den Norwegerinnen: "Sie müssen verstehen, Mesdames", sagte sie schließlich, "diese Leute gehörten zu mir, es waren meine Leute. Sie waren dazu erzogen und geübt, mit größerem Aufwand (zu speisen), als Sie, meine lieben Damen, auch nur begreifen können." Babettes paradoxe Klage über den Verlust ihrer alten Bewunderer, die sie hatte umbringen helfen - der tragikomische Seelenkonflikt einer Köchin aus Leidenschaft und Revolutionärin aus Standesbewußtsein -, ist repräsentativ für die Art, in der die 75jährige dänische Autorin Tania Blixen - vollständig: Karen Baronesse Blixen-Finecke - in ihren Geschichten Probleme und Schicksale anzulegen pflegt. In einem beinahe 30jährigen Schriftstellerleben hatte ihr diese Art des Erzählens überall Erfolg eingetragen, nur nicht in Deutschland. Erst das neueste Buch der Blixen, das kürzlich in deutscher Sprache erschienen ist und in dem auch Babettes Geschichte erzählt wird - die "Schicksalsanekdoten" - scheint Wandel zu schaffen. Die "Schicksalsanekdoten" fanden weit über den kleinen Kreis stereotyper Blixen-Verehrer hinaus auch in Deutschland Widerhall und hoben die Autorin in der Bundesrepublik zum erstenmal in die Sphäre der Erfolgsautoren; ihr Buch tauchte sogar in der Bestseller-Liste der Hamburger "Zeit" auf. Bis zu den "Schicksalsanekdoten" war Tania Blixen die einzige skandinavische Autorin von Weltruf, die weder durch deutsche Vermittlung ihren Weg zur Weltliteratur machte noch in Deutschland anerkannt und gelesen wurde. Auch Hemingways oft zitierter Ausspruch, daß Tania Blixen den Literatur-Nobelpreis eher verdient habe als er, hatte die Zurückhaltung der deutschen Leser gegenüber der Dänin nicht ändern können. In den Vereinigten Staaten dagegen hatte sich die dänische Baronin Blixen gleich mit ihrem ersten Buch, "Seven Gothic Tales" (1934), durchgesetzt, und als Tania Blixen im Winter 1958/59 nach Amerika fuhr, wurde ihr Besuch zu einer Art öffentlichem Ereignis: "Es waren nicht nur meine Bücher, die sie gelesen hatten, sondern viele kannten mich vom Aussehen her. Ich konnte im Theater oder auf der Straße nicht gehen, ohne angesprochen zu werden. Kann einem Schriftsteller etwas Hübscheres widerfahren? Es war ein merkwürdiges Erlebnis." Höhepunkt des öffentlichen Triumphs war damals ein festliches Diner, bei dem die europäische Aristokratin mit der kräftigen Nase neben den amerikanischen Dramatiker Arthur Miller ("Hexenjagd") und dessen Stargattin Marilyn Monroe gesetzt wurde. Um die Differenz zwischen den beiden gegensätzlichen Frauen zu mildern, war die amerikanische Schriftstellerin Carson McCullers ("Das Herz ist ein einsamer Jäger"), berühmt dafür, ebenso handfest schreiben wie trinken zu können, hinzugezogen worden. Doch das Diner verlief anders, als die Arrangeure erwarteten: Zwischen den drei Dichtern fand nur ein kurzer gegenseitiger Austausch von Lob für die eigenen und Tadel für die Werke anderer Schriftsteller statt; dann widmete Tania Blixen sich ausschließlich Marilyn Monroe; die beiden Frauen schieden als Freundinnen. Konstatierte der Berichterstatter der "Berlingske Tidende": "In ihrem ganzen Gespräch kam das Wort Buch nicht mehr als höchstens einmal vor." Tania Blixen: "Wir hatten eine riesig vergnügliche U

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