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Auf den Spuren der Pilger Mein Weg nach Santiago de Compostela von Spessart-Evers, Stefanie (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 20.03.2018
  • Verlag: Verlag Herder GmbH
eBook (ePUB)
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Auf den Spuren der Pilger

Die 'Meditation des Gehens' - was ist das eigentlich? Die Antwort auf diese Frage findet sich für Stefanie Spessart-Evers auf dem Jakobsweg. Ihr Ziel ist aber nicht Santiago de Compostela, sondern der Weg dorthin. In diesem Buch schildert die Autorin ihre Reise zu neuen und wertvollen Erfahrungen, mit allen Schwierigkeiten bis hin zum vollkommenen Gefühl der Achtsamkeit und der inneren Ruhe. Kennen nicht die meisten von uns diese Sehnsucht nach mehr inspirierender Lebendigkeit im eigenen Leben? Nach etwas, das neugierig macht, herausfordert und eine Abwechslung in den normalen Alltag bringt? Begibt man sich auf den Weg, wird man mit einem ganz neuen Blick auf die unterschiedlichsten Landschaften und Lebensformen samt ihrer kulturellen Geschichte sowie einer Fülle von Erlebnissen mit sich selbst und Menschen aus aller Welt beschenkt, wie man es sonst in dieser Intensität kaum erfährt. Warum sind die Jakobswege seit so vielen Jahren den meisten Menschen ein Begriff? Vielleicht weil sie eine Hoffnung nähren, etwas von dieser geheimen Sehnsucht nach mehr Lebendigkeit in körperlicher, seelischer, geistiger und auch spiritueller Hinsicht zu stillen. Diese Hoffnung kann sich erfüllen, wenn man sich aufmacht - und auf macht, auch im wörtlichen Sinne. Vielleicht kann dieses Buch schon ein Echo sein, eine innere Resonanz auslösen? Gleichzeitig schenkt eine solche Herausforderung, wie sie das Gehen eines langen Weges vermittelt, Erfahrungen, die motivieren können, auch im sonstigen Leben mehr Lebendigkeit und Tiefe zu suchen, den 'Geschmack des guten Lebens'. Dipl. Psychologin und Soziologin, geb. 1947, lebte und arbeitete nach ihrem Studium vier Jahre in Lateinamerika, bevor sie 1981-84 als Mitarbeiterin von Karlfried Graf Dürckheim und Maria Hippius in der Existentialpsychologischen Bildungs- und Begegnungsstätte in Rütte (Schwarzwald) wirkte. Nach der analytischen Weiterbildung (C.G. Jung) arbeitete sie seit 1989 in eigener psychotherapeutischer Praxis.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 240
    Erscheinungsdatum: 20.03.2018
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783451811555
    Verlag: Verlag Herder GmbH
    Größe: 2546 kBytes
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Auf den Spuren der Pilger

II. "Und hören nicht auf zu wandern, bis wir gewandelt sind" (Marie Luise Kaschnitz)

1. Wie alles begann

Ist es diese prickelnde Frühe, die mich so stark an "den Weg" erinnert? An einem Sommermorgen kurz vor fünf Uhr inmitten von Gerstenfeldern auf den Sonnenaufgang zu warten? Dasselbe Gefühl von Übermüdung in den Gliedern nach einer viel zu kurzen Nacht, doch mit der Zuversicht, dass ich aus anderen Quellen Kraft schöpfen kann?

Ein leichter Wind treibt die grün-goldenen Halme in fließenden Wellen vor sich her. Dieser matte Glanz eines wogenden Ährenmeeres, wie sehr erinnert er mich an die Wanderungen durch Navarra und Rioja, durch Kastilien und die Meseta in Nordspanien. Der Horizont so weit schwingend, rosig vor duftendem Morgen, die Luft erfüllt von Lerchengesang ...

Wie finde ich Worte dafür, wie alles begann? War es eine Sehnsucht in mir, die sich ein Bild formte, ohne dass ich davon wusste? In eigenartiger Verknüpfung "fügte" es sich, dass ich 1985 in einem winzigen Flecken im Herzen der Bretagne einem Harfenbauer in seiner Werkstatt begegnete. Er arbeitete in einem uralten Haus, umrankt von Heckenrosen hinter einem verwilderten Garten. Als ich eintrat, war er über geschwungene Harfenteile gebeugt, durchlichtet von der untergehenden Sonne, die durch das kleine Fenster strahlte. Zu diesem Zeitpunkt wusste ich noch nicht, dass ich wenige Tage später eine seiner Harfen zu mir nehmen würde. Zum Abschied sagte er: "Damit du weißt, wo deine Harfe entstand: Dies winzige Haus hier in Brec'h war im Mittelalter eine Herberge auf dem Pilgerweg nach Santiago de Compostela. Dort siehst Du noch die kleine, romanische Kirche, vielleicht gehörte sie zu einem Kloster hier ..." Damals hörte ich zum ersten Mal von diesem Weg und spürte sofort, dass etwas in mir antwortete.

Der Klang der Harfe verstärkte eine innere Sehnsucht in mir, ohne dass ich sie damals genauer beschreiben konnte. Oft spielte ich auf ihr in der Dämmerung oder sogar in der Dunkelheit der Nacht. Ich nannte sie mein "Instrument des Übergangs". Nach und nach fiel mir auf, dass Engel oft mit Harfen dargestellt werden. Weisen nicht auch sie auf den Übergang in eine andere Dimension hin? Und steht nicht auch der uralte Pilgerweg für ein Sehnen und Suchen der Menschen nach dem "ganz Anderen", vom frühen Mittelalter bis heute? Galt nicht der überlieferte Traum Karls des Großen vom "Sternenweg" quer durch Europa bis nach Galicien schon vor der Entdeckung des angeblichen Jakobusgrabes im 9. Jahrhundert als Hinweis dafür, dass die zahlreichen Dolmen und Petroglyphen in der Nähe vielleicht auf einen noch viel älteren Initiationsweg hindeuteten?

Es sollte noch Jahre dauern, bis ich auf "den Weg" kam und endlich begann, mich konkret darauf vorzubereiten: Outdoor-Klamotten kaufen, einen passenden Rucksack, Schlafsack und Bergschuhe. Die erste Lektion bezüglich Gewicht: Je leichter, desto teurer. Danach Probewandern.

Kurz vor meinem Aufbruch im April, zwei Stunden vor dem reservierten Flug nach Pamplona, rief meine über 80-jährige Mutter an: Gerade war Leukämie diagnostiziert worden, sie musste sofort ins Krankenhaus. Mit dem gepackten Rucksack und schon in Wanderschuhen fuhr ich zu ihr - und blieb die sechs Wochen, die ich mir für den Weg mühsam reserviert hatte. Ich begleitete sie beim Sterben und sie erlaubte mir diese wichtige Erfahrung als ersten "Pilgerweg". Auch der Tod ist ein Übergang. Eine kleine Harfe erleichterte es mir, seine archaische Präsenz auszuhalten.

Im Jahr darauf wurde es dann endlich wahr: Ich konnte den Weg beginnen. Plötzlich schien sich alles wie von selbst zu fügen ... Hatte ich vorher nach Weggefährten gesucht und mich schließlich mit dem Gedanken abgefunden, ihn auch alleine zu gehen, so fand ich jetzt sogar regelrecht Freude daran. Da hatte mein Mann überraschend einige Zeit frei verfügbar. Er entschloss sich, als Übergangsritual in eine andere Lebensphase ebenfalls den Jakobsweg

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