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Dem Glauben trauen? Eine Ermutigung von Hilberath, Bernd J. (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 14.03.2016
  • Verlag: Matthias Grünewald Verlag
eBook (ePUB)
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Dem Glauben trauen?

Die Christinnen und Christen von morgen werden entweder solche sein, die erfahren haben, was sie im Glauben hält, oder sie werden nicht mehr Christen sein. Diese Prognose Karl Rahners bewahrheitet sich immer mehr. Christ sein wird ermöglicht durch Erfahrungen, die zum Glauben führen oder weiter auf ihn setzen lassen. Dem Glauben trauen heißt dann auch: sich selbst und dem anderen trauen, letztlich sich Gott anvertrauen können. Bernd Jochen Hilberath spürt deshalb in biblischen und poetischen Texten wie in alltäglichen Redewendungen Erfahrungen nach, die auch heute zu einem lebensfähigen und theologisch verantworteten Glauben einladen. Bernd Jochen Hilberath ist emeritierter Professor für Dogmatische Theologie und Dogmengeschichte und war bis 2014 Direktor des Instituts für Ökumenische und Interreligiöse Forschung an der Universität Tübingen.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 160
    Erscheinungsdatum: 14.03.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783786730644
    Verlag: Matthias Grünewald Verlag
    Größe: 1824 kBytes
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Dem Glauben trauen?

Glaubenserfahrungen?

Sind Sie schon mal vom Pferd gefallen? Wenn ja, dann vermutlich nicht wegen einer Glaubenserfahrung. Und wenn nicht vom Pferd gefallen, sind Sie dann wenigstens zu Boden gestürzt? Weil ein Licht vom Himmel Sie umstrahlte, wie es von Paulus in der Apostelgeschichte heißt? "Unterwegs aber, als er sich bereits Damaskus näherte, geschah es, dass ihn plötzlich ein Licht vom Himmel umstrahlte. Er stürzte zu Boden und hörte, wie eine Stimme zu ihm sagte: Saul, Saul, warum verfolgst Du mich?" (Apostelgeschichte 9, 3-4). Als Paulus wieder aufstand, war er für drei Tage blind, aß und trank nichts.

Soweit die Bekehrungserzählung in der Apostelgeschichte des Lukas. Im Brief an die Galater schreibt Paulus selbst nicht so dramatisierend, eher nüchtern (vgl. Gal 1, 10-24). An einem lässt er aber keinen Zweifel, und das will er im Streit um das wahre Evangelium den Galatern ins Stammbuch schreiben: Was ich euch als Frohe Botschaft verkünde, das ist nicht auf meinem Mist gewachsen, das habe ich mir nicht ausgedacht. Das habe ich aber auch nicht von den Aposteln vor mir oder von Petrus/Kephas allein. Nein: Nach dieser Offenbarung, in meiner Bekehrungserfahrung bin ich nach Arabien zurückgegangen und dann nach Damaskus. Wüstentage nennen wir das heute: Tage der Einkehr in der Weite und Stille der Wüste, ohne Ablenkung, in sich hineinhorchend, was da von den Worten Gottes im Herzen und im Kopf nachklingt.

Wem passiert schon so etwas? Oder vielleicht doch? Wie steht es um die Zukunft des Christentums, wenn Karl Rahner Recht hat mit seinem viel zitierten - weil noch wenig erlebten - Satz "Der Fromme von morgen wird ein 'Mystiker' sein, einer [eine], der [die] etwas 'erfahren' hat, oder er [sie] wird nicht mehr sein" (Frömmigkeit früher und heute, in: Schriften zur Theologie VII, 22). Mit den "Frommen" meint Rahner nicht auf bestimmte Frömmigkeitsformen fixierte Kirchentreue, sondern die Christen von morgen schlichtweg. Aus welchen Erfahrungen leben Christenmenschen, nähren sie ihr Glaubensleben? Gab es, gibt es gelegentlich so ein kleines, weniger dramatisches, aber immerhin: ein Offenbarungsereignis, eine Glaubenserfahrung bei der Verfolgung ihres Lebens? Offenbarung heißt ja, dass mir die Augen geöffnet werden, dass mir etwas aufgeschlossen wird, jemand erschlossen wird. Wenn es einschneidende Erfahrungen sind, muss ich vielleicht anschließend für einen göttlichen Moment (das sind die drei Tage, die Zeit Gottes), für einen göttlichen Moment die Augen schließen, damit ich die Welt mit den neuen Augen sehen kann.

Gibt es so etwas auch heute noch?

Ich weiß nicht, was die Leserinnen und Leser nach einem Moment, nach den symbolischen drei Tagen antworten würden. Ich will mich selbstverständlich nicht auf eine Stufe mit dem Völkerapostel stellen, wenn ich jetzt ein wenig dazu sage, was mir im Rückblick einfällt - was ich erinnere, wenn ich zurückschaue nach Erfahrungen, die für meinen Glauben prägend waren. Nehmen Sie es als bloße Anregung!

Zunächst fällt mir eine Erfahrung des zweifelnden Glaubens ein. Ich war Gymnasiast und Messdiener, als mitten im Ostergottesdienst in mir plötzlich die Frage hochkroch: Und wenn das alles nicht wahr ist? Wenn Jesus gar nicht auferweckt wurde? Ich weiß nicht, ob ich damals den 1. Korintherbrief schon im Kopf hatte, wo Paulus sagt: "Wenn aber Christus nicht auferweckt wurde, dann ist euer Glaube nutzlos" (1 Kor 15, 17a.b). Ich weiß es heute nicht mehr, aber die Anfrage bedrängte mich: Was wäre, wenn ...?

Nun, es wuchs sich nicht zu einer großen Krise aus. Und wenn heute immer wieder mal diese Frage hochkommt, dann orientiere ich mich an den anderen Erfahrungen, die ich im Glauben machen durfte. Dazu gehört auch der Blick auf die in der Bibel erzählten Totenerweckungen (z. B. Markusevangelium 5, 35-43: die Tochter des Synagogenvorstehers Jairus; Lukasevangelium 7, 11-17: der Sohn einer Witwe in Nain; Johannesevange

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