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Entängstigt euch! Die Flüchtlinge und das christliche Abendland von Zulehner, Paul M. (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 08.02.2016
  • Verlag: Patmos Verlag
eBook (ePUB)
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Entängstigt euch!

Seit Monaten kommen Flüchtlinge in großen Scharen zu uns: Frauen, Männer, kleine Kinder, Alte. Das ruft bei der Bevölkerung Gefühle wach, die in ganz unterschiedliche Richtung gehen: Die einen fühlen Ärger, andere Sorge, wieder andere Zuversicht. Wer Ärger fühlt, tendiert zur Abwehr. Die Zuversichtlichen hingegen sind bereit zum Einsatz. Man findet sie als Freiwillige auf Bahnhöfen, sie arbeiten in zivilgesellschaftlichen Einrichtungen und Kirchengemeinden mit. Wie aber kommt es, dass die einen abwehren und die anderen sich einsetzen, die einen zu Wutbürgerinnen, die anderen zu Gutbürgerinnen werden, die einen hetzen, die anderen helfen? Eine aktuelle Umfrage zeigt: Die Entscheidung fällt auf Grund der jeweiligen Persönlichkeitsstruktur. Es sind die Ängste eines Menschen, welche zur Abwehr oder zum Einsatz veranlassen. Immer deutlicher wird am Beispiel der Flüchtlinge, dass wir in einer Angstgesellschaft leben. Paul M. Zulehner geht in diesem aktuellen Zwischenruf den Ursachen dieser Ängste nach und den Möglichkeiten, sie zu überwinden. Er tritt Pauschalisierungen entschieden entgegen und entwickelt eine Vorstellung davon, was Christsein in der Flüchtlingszeit heißen kann. Und er geht der Frage nach, welche Rolle die Kirchen spielen und was sie tun können, um von der Angst zu heilen. Denn: Wird die Angst kleiner, kann der solidarische Einsatz größer werden. Paul M. Zulehner, Dr. phil., Dr. theol., gehört zu den bekanntesten Religionssoziologen Europas. Von 1984 bis zu seiner Emeritierung im Jahr 2008 war er Professor für Pastoraltheologie in Wien. In seinen zahlreichen Veröffentlichungen beschäftigt er sich vor allem mit religionssoziologischen, kirchensoziologischen und pastoraltheologischen Themen.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 96
    Erscheinungsdatum: 08.02.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783843607612
    Verlag: Patmos Verlag
    Größe: 962 kBytes
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Entängstigt euch!

I Unsere Gesellschaften zwischen Abwehr und Einsatz

Option Abwehr

Leitbild Orban, Stacheldraht und Festung

Wer für Abwehr der ankommenden Flüchtlinge optiert, findet im ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orban, seiner Abschottungspolitik sowie dahinter seiner Option für eine "illiberal-national-christliche Demokratie" ein attraktives Leitbild. 79% der Menschen mit Ärger stimmen der Aussage zu: "Ungarns Ministerpräsident Viktor Orban hat das Richtige getan, als er an der Grenze zu Serbien und Kroatien einen Stacheldrahtzaun bauen ließ." Bei keiner anderen Aussage ist der Unterschied zu den Menschen mit Sorge (18% Zustimmung) bzw. mit Zuversicht (2% Zustimmung) so groß.

Bei dieser Frage liegen also zwischen beiden Optionen Meinungswelten. Dieser hohen Wertschätzung der Politik Viktor Orbans entspricht, dass für jene, die nicht für Abwehr optieren, gerade Ungarn und sein Ministerpräsident eine Art "Feindbild" abgeben:

Nach vielen Jahren beobachte ich wieder mit großer Sorge die unglaubliche Macht der Medien in Ungarn. Während der Papst und der österreichische Kardinal sowie die Bischöfe sich ganz klar für Aufnahme und Hilfe im Sinne des Evangeliums für Flüchtlinge bekennen, gibt es im Nachbarland Ungarn viele hochrangige Kirchenpersonen, die offen fremdenfeindliche und islamophobe Aussagen treffen und sogar offen sagen, dass der Papst sich in der Flüchtlingsfrage irrt. Orban hat die katholische Kirche "auf Kilo" aufgekauft. Die katholische Kirche verhält sich so, dass wegen der vielen staatlichen Förderungen für Kirchen- und Pfarreirenovierungen in den letzten Jahren der Orban-Regierung eine totale Loyalität gezollt wird. (Mann, 1975)

Eine herausragende Position der Personen mit Ärger und Tendenz zur Abwehr ist die Aussage: "Die Außengrenzen der Europäischen Union sind abzuriegeln. Notfalls mit einem Stacheldrahtzaun." 13 Das ist die Ansicht von 73% der Menschen mit Ärger. Dem entspricht, dass 67% von diesen fordern: "Es sollten an den Grenzen rasch Stacheldrahtzäune gebaut werden." 14 55% sympathisieren mit dem Bild "Europa soll zu einer Festung ausgebaut werden." 15

[Ich empfinde] Sorge, weil im Hintergrund erhebliche Meinungsunterschiede bzw. der Beschaffenheit und Ziele der EU stehen und dass Gerechtigkeit darunter nachhaltig leidet. Der westliche Teil der EU kennt und beachtet nicht einmal den östlichen genug, um nachhaltige Entscheidungen zu treffen, ganz zu schweigen von den Flüchtlingen. Die Berichterstattung ist nicht differenziert genug (darauf gibt es Hinweise auch in diesem Fragebogen). Zwischen "Festung Europa" und "Laissez faire" muss eine richtige Lösung gefunden werden, zu der mehr Dialog(bereitschaft) nötig ist. Das Ganze ist eine Herausforderung und eine Chance. (Mann, 1970)

Zum Bild von der "Festung Europa" vermerkt Wolfgang Thierse: ",Festung Europa' ist natürlich ein problematischer Begriff, obwohl wir das ja erleben: Unsere ost-europäischen Nachbarn möchten, dass die Grenzen dichtgemacht werden. Europa zur Festung zu erklären, wird nicht viel helfen. Wenn Flüchtlingsursachen so dramatisch sind wie jetzt - Bürgerkrieg, Krieg, Armut -, finden Menschen immer einen Weg in diesen reichen Kontinent." 16
Argumente für die Option Abwehr

Zum Profil der Option Abwehr gehören die aus deren Sicht "guten Argumente". Einer, der starken Ärger angesichts der Flüchtlinge fühlt, schrieb sich in der Online-Umfrage diesen so von der Seele:

AUSNAHMSLOS ALLE "Flüchtlinge" kommen aus sicheren Drittstaaten. In KEINEM der durchreisten Drittstaaten ist ihr Leben bedroht. USA, Frankreich und andere beteiligte Länder haben die "Diktatoren" Nordafrikas ermordet (Gaddafi) oder mit aktiver Beteiligung gestürzt (arabischer Frühling) und damit diese Länder destabilisiert. In Syrien w

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