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Evangelische Ethik von Müller, Wolfgang E. (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 01.01.2014
  • Verlag: WBG Academic
eBook (ePUB)
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Evangelische Ethik

Kann eine theologische Ethik heute, angesichts einer sich als autonom begreifenden Welt, einen allgemeingültigen, universalen Anspruch erheben? Und was ist ihr Spezifikum? Am Leitfaden dieser Fragestellung führt W. E. Müller in die evangelische Ethik ein. Er erklärt deren Grundbegriffe und stellt die wichtigsten Ansätze vor, wobei er ?Klassiker? wie Luther, Schleiermacher, Schweitzer, Barth, Bonhoeffer und Brunner behandelt und schließlich eine eigenständige Grundlegung theologischer Ethik anhand der Grundworte Liebe, Freiheit und Gerechtigkeit entwickelt. Die Tragfähigkeit seines Ansatzes einer evangelischen Ethik zeigt Müller am Prüfstein einer der brennendsten Gegenwartsfragen, der Ökonomie, auf und gibt damit entscheidende Impulse für eine Wirtschaftsethik. Ausführliche Literaturhinweise und die allgemeinverständliche und didaktische Aufbereitung des Themas machen das Buch dabei zu einem unentbehrlichen Studienbegleiter. Prof. Dr. Wolfgang Erich Müller, geb. 1947, lehrte bis zu seinem Eintritt in den Ruhestand Systematische Theologie (Ethik) an der Universität Hamburg.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: AdobeDRM
    Seitenzahl: 192
    Erscheinungsdatum: 01.01.2014
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783534718856
    Verlag: WBG Academic
    Größe: 1000 kBytes
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Evangelische Ethik

II. Ansätze evangelischer Ethik

Aufgabe dieses Kapitels ist es festzustellen, ob sich der Vorwurf einer traditionalistischen oder partikularistischen Ethik generell für eine evangelische Ethik erheben lässt. Da es eine Vielzahl von entsprechenden ethischen Ansätzen gibt, liegt es nahe, diese Frage anhand wichtiger Modelle zu untersuchen. Auch wenn sich das Interesse auf eine gegenwärtige Ethik bezieht, so werde ich zunächst mit Luther, Calvin und Schleiermacher auf drei in ihrer historischen Wirkung sehr bedeutsame Ansätze eingehen, ehe ich mich mit Herrmanns liberaler Ethik dem 20. Jahrhundert zuwende. Dem folgen die außerordentlich einflussreichen Modelle von Barth und Bonhoeffer, 20 Thielicke als Repräsentant eines lutherisch geprägten Ordnungsdenkens und Richs Versuch einer zeitgemäßen Sozialethik. Die Ansätze von Trillhaas und Rendtorff, zwei um die Verbindung von Lebenswirklichkeit und theologischer Intention bemühte Entwürfe, die in hohem Maße der gegenwärtigen Säkularität gerecht zu werden suchen, beschließen diesen Teil. Im Interesse einer ausgewogenen Darstellung muss ich mich auf die genannten Positionen beschränken, die zugleich auf immer noch bestehende Unterschiede zwischen den evangelischen Konfessionen aufmerksam machen.

Im Folgenden werde ich die Ansätze der jeweiligen Autoren kurz darlegen und sie auf ihr Verhältnis zu einer allgemeinen Ethik befragen, um festzustellen, welche Bedeutung sie einer spezifisch evangelischen Ethik zuschreiben. Damit sind die Voraussetzungen gegeben, um die eigentliche Fragestellung dieses Kapitels zu beantworten. Anschließend kann auf Fragen nach dem Verhältnis von Ethik, Wissenschaft und Theologie eingegangen werden.
1. Zwei-Regimente-Lehre - Luther 21

Gesetz und Evangelium

Für Martin Luther gehen alle Gesetze der Welt auf Gott zurück, was er mit einem Verweis auf Röm 13,1f. oder 1 Petr 2,13 f. begründet sieht (75: WA 11, 247). Die Gesetze dienen allgemein der Regelung der zwischenmenschlichen Verhältnisse, richten sich also an alle Menschen: "Nun aber kein Mensch von Natur Christ oder fromm ist, sondern sie allzumal Sünder und böse sind, wehret ihnen Gott allen durchs Gesetz, dass sie ihre Bosheit nicht äußerlich mit Werken nach ihrem Mutwillen zu üben wagen" (75: WA 11, 250). Zudem lehrt das Gesetz die Sünden erkennen, "damit es den Menschen zur Gnade und zum Glauben Christi demütigt" (75: WA 11, 250). In diesen Bestimmungen des Gesetzes klingt bereits die Lehre von den zwei Regimenten an. Im Reich der Welt geht es um das friedliche Zusammenleben von Menschen und ihre Ausrichtung auf das Gute. Im geistlichen Reich haben sie dagegen den Heiligen Geist im Herzen. Folglich tun sie jetzt das Gute und leiden das Unrecht, "weil der Gerechte von sich selbst aus alles und mehr tut, als alle Rechte fordern" (75: WA 11, 250). Hier ist das Bild vom guten Baum maßgebend, der, weil im Glauben, gute Früchte bringt. Kann nunmehr, unter Berufung auf die Taufe aller Menschen (im damaligen Deutschland), versucht werden, die Welt nach dem Evangelium zu regieren, um so die Realisierung des Guten bereits in dieser Welt gewährleistet zu sehen?

Grundsätzlich ist es wahr, dass die Christen rechtschaffen sind, also kein Gesetz benötigen. Daraus aber zu folgern, man könne die Welt vom Evangelium aus regieren, weist Luther aufgrund seiner anthropologischen Grundbestimmung der Sündhaftigkeit des Menschen zurück: "Denn der Bösen sind immer viel mehr als der Frommen" (75: WA 11, 252). Würde man auch nur eine größere Zahl von Menschen nach dem Evangelium regieren, führte dies zum Kampf fast aller gegen alle. Um dieses nicht eintreten zu lassen, will Luther beide Regimente nicht miteinander ver mischen . Das geistliche Regiment macht rechtschaffen, das weltliche sorgt für äußeren Frieden und wehrt bösen Werken. Beide Regimente sind in der Welt aufeinander angewiesen, denn o

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