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Geschichte als Argumentationsfeld für die Gegenwart Arbeiten zur Luther- und Müntzerrezeption von Junghans, Reinhard (eBook)

  • Verlag: Evangelische Verlagsanstalt GmbH
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Geschichte als Argumentationsfeld für die Gegenwart

Die theologischen Grundkonzepte Martin Luthers und Thomas Müntzers wurden von kirchlichen und gesellschaftlichen Strömungen oft für eigene Interessen instrumentalisiert, so dass die historischen Personen nur noch eine untergeordnete Rolle spielen. Ihre Wirkung verblasst im Verhältnis zur Intention des Rezipienten, für seine Gegenwart Impulse zu setzen. Damit wird der Rezipient zum handelnden Subjekt. Dieser Perspektivwechsel führt dazu, zunehmend von Rezeptionsgeschichte und weniger von Wirkungsgeschichte zu schreiben. Daraus entwickelt sich auch eine differenzierte Bewertung, die sowohl nach einer angemessenen Beurteilung historischer Gegebenheiten als auch nach einer sinnvollen Würdigung von gegenwärtigen Diskussionszusammenhängen des Rezipienten fragt. [Historical Scholarship as a Platform for Present-Day Debate: Works on the Reception History of Luther and Müntzer] Church and state movements used Luther and Müntzer's theological concepts to serve their own interests. For them, the historical figures Luther and Müntzer played a subordinate role. Consequently the influence of the historical figures was fading in relation to the recipient's intention to find suitable answers for his own time. Thereby the recipient became an active part of the reception process which led to the increasing preference of the term reception history over the term "Wirkungsgeschichte" (history of effects). This analytical shift allows for a balanced evaluation, incorporating historical reality as well as an analysis of the recipient's contemporary context. Junghans, Reinhard, Dr. theol,, Jahrgang 1960, studierte in Leipzig Theologie. Er war als Pfarramtsleiter in Leipziger Kirchgemeinden tätig, seit 2014 ist er Studieninspektor am Evangelischen Studienhaus in Leipzig-Stötteritz. Nebenher ist Jungshans in der reformationsgeschichtlichen Forschung aktiv, er arbeitete an einem Forschungsprojekt zur protestantischen Katechismusgeschichte bei der Hanns-Lilje-Stiftung.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 200
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783374052370
    Verlag: Evangelische Verlagsanstalt GmbH
    Größe: 2396 kBytes
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Geschichte als Argumentationsfeld für die Gegenwart

Die Lutherrezeption Johann Gottfried Herders

Eine Untersuchung mit besonderer Berücksichtigung seiner theologischen Schriften und rezeptionstheoretischen Überlegungen 1

"Man sollte jedes Buch als den Abdruck einer lebendigen Menschenseele betrachten können; je lebendiger und wahrer der Abdruck ist, je weniger der Verfasser hofirte und ein elendes Allgemeingeschwätz zwischen den vier Ecken des Randes gab: [...]! Oft ist's ein Räthsel ohne Auflösung, eine Münze ohne Umschrift: die flachsten Leser, und meistens die hohlsten, daher auch die lautesten von allen, die respectabeln Kunstrichter, messen nach ihrem unmaasgeblichen wenigen Selbst, schreien und verdammen. Der bescheidnere Weise [...] suchet mehr im Geist des Urhebers als im Buch zu lesen; je mehr er dahin eindringt, je lichter und zusammenhängender wird Alles. Das Leben eines Autors ist der beste Commentar seiner Schriften, wenn er nämlich treu und mit sich selbst eins ist, nicht einer Heerde an Wegscheiden und Landstraßen nachblöcket."

Johann Gottfried Herder 1778 2

Diese Untersuchung stellt sich zwei Herausforderungen. Zum einen verlangt die sprachwissenschaftliche Dissertation von Michael Embach über "Das Lutherbild von Johann Gottfried Herder" (1987) 3 ein grundsätzliches Nachdenken über das, was die Darstellung einer Rezeptionsgeschichte leisten soll. Zum anderen steht der Lutherforschungskongress 1993 in Saint Paul, Min. vor der Tür, auf dem sich eines der beiden Hauptthemen mit der Geschichte der Lutherrezeption beschäftigen wird. Die im folgenden am Beispiel Herder angeschnittenen Grundsatzfragen betreffen viele rezeptionsgeschichtliche Arbeiten. Die Ausführungen sollen helfen, den Rezeptionsprozess differenzierter und umfassender darzustellen und angemessener zu beurteilen, als es weithin geschieht.
I Herder als ein zweiter Luther

Sowohl in seinem streng lutherischen Elternhaus im ostpreußischen Mohrungen als auch in der Schulzeit waren die Bibel und pietistische Erbauungsschriften die wesentlichsten Bestandteile seiner Bildung. An der Universität Königsberg lernte er eine pietistisch gefärbte Orthodoxie kennen. Johann Georg Hamann hatte Herder immer wieder auf Luther hingewiesen und sich gegen die Luthervergessenheit seiner Zeit gewandt. 7 Punktuell bezog sich Herder auch auf die Luthervorstellung Gotthold Ephraim Lessings. 8
II Herders Beschäftigung mit Luther

In Herders Bibliothek befanden sich drei große Lutherausgaben. Es waren dies die Jenaer, 21 die Leipziger einschließlich eines Registerbandes 22 und die Saalfelder. 23 Hinzu kommen noch eine ganze Reihe von Einzelschriften, wie "De servo arbitrio" (1525), zwei Lutherbibeln (1541, 1545) 24 von Hans Lufft, eine "Hauspostille" und nicht zu vergessen die Tischredenausgabe (1571) 25 von Johannes Aurifaber. Herder besaß auch acht Konvolute von zumeist je 20 Lutherdrucken. 26 Nur manchmal nannte er die Ausgabe, aus der er zitierte. So teilte er z. B. in den Anmerkungen zur Schrift "Älteste Urkunde des Menschengeschlechts" mit, er habe die Jenaer Ausgabe verwendet. 27
III Herders Interpretation der biblischen Schöfungsgeschichten unter Beachtung von Luther

Nach der neueren Forschung erhob Herder den Menschen zum Maßstab seiner Bibelauslegung, ohne jedoch den Offenbarungscharakter der Heiligen Schrift grundsätzlich in Frage zu stellen. Damit wandte er sich gegen die Inspirationslehre und vertrat eine Inkarnationslehre in Anlehnung an Luther, nach welcher Gott in der Bibel "Fleisch" geworden ist. 44 Deshalb musste nach Herder die Bibel "menschlich" gelesen werden. 45 Der Alttestamentler Hans-Joachim Kraus sah in der Herderschen Formulierung "Einfalt der Herzen" den Schlüsselbegriff für dessen Hermeneutik. 46
IV Herders Aktualisierung von Luthers L

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