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Gut, besser, am besten Ethische, theologische und historische Reflexionen zu Leistung und Erfolg in Sport, Kirche und Gesellschaft

  • Erscheinungsdatum: 01.12.2016
  • Verlag: Evangelische Verlagsanstalt GmbH
eBook (ePUB)
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Gut, besser, am besten

"Leistung führt zu Erfolg und Erfolg beruht auf Leistung" - so lässt sich das Versprechen der bürgerlichen Gesellschaft ausdrücken. Allerdings ist dies nicht unumstritten: Zwar fungiert das Leistungsprinzip als einzig öffentlich rechtfertigungsfähiger Maßstab der Statusvergabe, über den die postmoderne Gesellschaft ihrem Selbstverständnis nach verfügt, doch wird immer wieder auch Kritik an dem Leistungsprinzip deutlich. Gerade die Kirchen beteiligen sich an einer solchen Kritik und fühlen sich berufen zu mahnen, auch den Menschen, der zu keiner Leistung fähig ist, die Achtung nicht zu versagen. Ziel des Bandes ist es, die unterschiedlichen ethischen, theologischen und historischen Diskurse zu Leistung und Erfolg im Schnittfeld von Sport, Gesellschaft und Kirche aufeinander zu beziehen und dadurch wechselseitig zu beleuchten.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 160
    Erscheinungsdatum: 01.12.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783374047048
    Verlag: Evangelische Verlagsanstalt GmbH
    Größe: 1542 kBytes
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Gut, besser, am besten

L EISTUNGS - UND F ORTSCHRITTSGEDANKEN ALS CHRISTLICHE N EUSCHÖPFUNG ?

Überlegungen zur antiken christlichen Theologie und zum Sport

Ulrich Volp

"Wer [...] sich aber den nötigen Strapazen und dem Training und der richtigen Lebensweise nicht unterziehen will, bleibt ohne Siegerkranz und gelangt nicht zu dem erhofften Erfolg. So darf [...] sich einer weder von Beginn an für ausgeschlossen von den Siegertrophäen des Heilandes erklären, [...] noch darf er andererseits, wenn er ohne Training und ohne Wettkampf bleibt, hoffen, ohne den Staub und den Schweiß der Arena den Siegeskranz 1 des ewigen Lebens zu erlangen." 2

Clemens von Alexandrien (ca. 150 - 215), einer der bedeutendsten griechischsprachigen Theologen aus der Zeit zwischen Paulus und Chrysostomos, benutzt die sportliche Metaphorik im Zusammenhang mit der Frage, ob ein Kamel durch ein Nadelöhr und auch ein Reicher ins Himmelreich kommen könne - durch Training und den Staub und den Schweiß der Sportstätte sei bei Gott möglich, was bei den Menschen unmöglich erscheine, so sein Resümee. Diese Stelle ist nur ein Beispiel von vielen; der Sport und seine Gedankenwelt begegnen immer wieder in der antiken Theologie, was schon häufig bemerkt wurde. 3 Schon Paulus bediente sich "agonistischer" Metaphorik, 4 auch im zweiten Clemensbrief, 5 im vierten Makkabäerbuch 6 und bei Philon von Alexandrien 7 begegnet sie, so dass es nicht überraschen dürfte, dass dieses Thema auch von den Kirchenvätern immer wieder aufgegriffen wurde. Im Folgenden will ich die einzelnen Belege nicht noch einmal besprechen, sondern stattdessen versuchen, noch etwas grundsätzlicher auf die Bedeutung der Agonistik beziehungsweise des Sports für das antike Christentum zu blicken.
1. D ER L EISTUNGS - UND F ORTSCHRITTSGEDANKE

Gewöhnlich werden vor allem vier Grundgedanken genannt, die dem Sport immanent zu sein scheinen und die immer wieder aufgeführt werden, wenn es darum geht, auszudrücken, was "man" vom Sport "lernen" könne, was also der gesellschaftliche, pädagogische und allgemein-menschliche Nutzen des Sports sei: Erstens die Gesundheit von Seele und Körper, kurz "ASICS" - anima sana in corpore sano 8 lautet das Firmennamen-Akronym eines Sportartikelherstellers; zweitens der Spielgedanke, 9 drittens der Fairnessgedanke 10 und viertens der Leistungs- oder Fortschrittsgedanke. Alle vier Grundgedanken spielen in unterschiedlicher Gewichtung stets eine Rolle, wenn etwa über die Bedeutung des Sports in den schulischen Curricula nachgedacht wird. Sie sind schon bei dem Theologen und Pädagogen Comenius (1592 - 1670) zu finden, der im 17. Jahrhundert den Spielgedanken mit dem Wettkampfs- und Fortschrittsgedanken verband und zu einem entscheidenden Baustein seiner Pädagogik machte. 11 Alle vier Grundgedanken - Gesundheit, Spiel, Fairness und Leistung/Fortschritt - werden immer wieder problematisiert und führen regelmäßig zu kritischen Äußerungen zum Sport: Der Sport sei nicht mehr der Gesundheit von Geist und Körper verpflichtet, es gehe nicht mehr um Spiel und Fairness, sondern nur noch um Leistung und Erfolg, um "höher - schneller - weiter", oder sogar: "Der Gesundheitswahn des heutigen Sports hat sich zu einer eigenen Religion entwickelt." 12
2. L EISTUNG UND INDIVIDUELLER F ORTSCHRITT IM ANTIKEN C HRISTENTUM

Fortschritt in der Entwicklung von Individuen kommt in der Regel durch Beobachtung anderer und sich daran anschließender Lern- und Übungsprozesse (Training) zustande, wenn er nicht sch

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