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Luther, Müntzer, Calvin und Co. Machtpolitik und Glaubenseifer in der Reformation von Clévenot, Michel (eBook)

  • Verlag: Topos
eBook (ePUB)
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Luther, Müntzer, Calvin und Co.

Die Reformation ist viel mehr als Martin Luther! Michel Clevenot schildert in packenden Einzelporträts die weniger bekannte Seite dieser Umbruchszeit. Neben Luther, Thomas Müntzer, Johannes Calvin u.a. weist er auf den großen Anteil der Frauen hin (z.B. Catherine Schutz). Mit der Bartholomäusnacht stellt er die dunkelste Seite dieser Zeit heraus und zeigt in einer spannenden Schilderung des Konzils von Trient, wie die Reformation auch die römische Kirche nachhaltig verändert hat. Michel Clévenot, 1932-1993, Kaplan, Religionslehrer und geistlicher Leiter der Christlichen Studentischen Jugend (JEC) in Frankreich. Er wurde bekannt mit seinen Beitragen zu einer 'materialistischen Bibellektüre' und vor allem mit einer zwölf Bande umfassenden, spannend erzahlten Kirchengeschichte aus der Perspektive 'von unten'.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 108
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783836760744
    Verlag: Topos
    Größe: 1079 kBytes
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Luther, Müntzer, Calvin und Co.

"Ich habe nie zu einer Partei gehört ..."

Erasmus von Rotterdam, der Fürst der Humanisten

Erasmus von Rotterdam an seinen lieben Thomas Morus:

Als ich vor einiger Zeit von Italien wieder nach England zog, wollte ich die langen Stunden, die im Sattel zu verbringen waren, nicht alle mit banaler, banausischer Unterhaltung totgeschlagen haben und ließ mir darum dies und das aus unserem gemeinsamen Studiengebiet durch den Kopf gehen oder schwelgte in Erinnerungen an die ebenso liebenswürdigen wie gelehrten Freunde, die ich in England wiederzufinden hoffte. Dabei pflegte mir dein Bild, lieber Morus, zuallererst vor die Seele zu treten, denn in der Ferne gedachte ich des Fernen mit nicht weniger Behagen, als mir der Verkehr von Angesicht zu Angesicht behagt hatte, das Schönste, meiner Treu, das mir das Leben je bescherte. Da ich nun unbedingt etwas treiben wollte, eine ernste Absicht aber unterwegs wohl nicht möglich schien, kam es mir in den Sinn, zur Unterhaltung eine Lobrede auf die Moria, wie die Griechen sagen, auf die Torheit, zu verfertigen.

"Eine schöne Muse, die dir solches eingab!" wirst du sagen. Nun, vor allem danke ich die Idee deinem Namen Morus, der dem Namen Moria geradeso ähnlich ist, wie du selbst ihrem Wesen unähnlich bist; man kann aber - darüber ist alles sich einig - unähnlicher gar nicht sein. Und dann glaubte ich, ein solches Spiel der Fantasie werde besonders dir gefallen; denn ein Scherz wie dieser - er ist, will ich hoffen, weder vulgär noch überall witzlos - machte dir stets großen Spaß, und ohnehin schaust du das menschliche Treiben mit den Augen eines Demokrit an, nur dass du bei allem scharfen Verstand, der dich weit von den landläufigen Ansichten wegführt, zugleich der umgänglichste, gemütlichste Mensch bist, der doch wieder mit allen auf alles einzugehen vermag und liebt. So wird dir denn diese kleine Stilübung als Andenken an deinen Freund nicht unwillkommen sein. Du wirst aber auch deine Hand über sie halten, denn dir ist sie gewidmet und dir gehört sie jetzt, nicht mir.

[...] Ob dies mir gelang, mögen andere entscheiden; doch wenn nicht Selbstgefälligkeit mich narrt, darf ich wohl sagen: Der Torheit galt mein Hymnus, aber ganz töricht ist er nicht.

Auf den Vorwurf der Bosheit wäre zu erwidern, dass man dem Witz noch stets erlaubt hat, sich ungestraft über das Treiben der Leute lustig zu machen, solange er nicht anfängt, Gift und Galle zu spritzen. Umso stärker überrascht mich die Empfindlichkeit der modernen Ohren, die nichts mehr ertragen außer hochtrabende Titulare, oder jene verkehrte Pietät, die schneller die gröbste Lästerung Christi verzeiht als das feinste Tröpfchen Spott, das einen Fürsten oder Prälaten trifft, zumal in Sachen Finanzen.

[...] Wen auch das nicht beruhigt, der sage sich zumindest, es sei schön, von der Torheit Schelte zu kriegen; ließ ich die auftreten, so musste sie eben sprechen, wie es zur Rolle passt. 1

Dieses Widmungsschreiben, das wahrscheinlich im Sommer 1509 abgefasst wurde, bringt vortrefflich den Charakter der beiden Protagonisten und die ganz besondere Geisteshaltung, die sie mit den "Humanisten" ganz Europas teilen, zum Ausdruck. Zu diesen zählten einige Tausend Gelehrte, von denen die meisten Kleriker waren. Sie waren ausgebildet in den gleichen klassischen Fächern (dem Studium der alten Griechen und Lateiner), durchdrungen von den gleichen Prinzipien (Bewunderung der Antike und Sorge um ein dem Evangelium gemäßeres Christentum) und korrespondierten untereinander in einem sehr ciceronianischen Latein. Sie waren oft auf Reisen, von einer Universität zur Werkstatt eines berühmten Buchdruckers, sie schätzten erholsame Ruhepausen, gutes Essen und unbeschwerte Gespräche. Sie verachteten das "Gewöhnliche" und glaubten, eine Internationale der Intellektuellen zu bilden. Sie bezeichneten sich gerne als "We

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