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Mehr Ökumene wagen Über Taizé, die Reformation und gelebte Gemeinschaft von Alois, Frère (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 01.10.2016
  • Verlag: Edition Chrismon
eBook (ePUB)
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95 Fragen standen am Beginn des Gespräches zwischen Frère Alois, dem Prior der ökumenischen Bruderschaft in Taizé, und Siegfried Eckert, protestantischer Pfarrer und Landessynodaler. 95 Thesen sollten es nicht sein, denn die sind längst geschrieben. Dennoch stehen die Reformation, ihre Folgen und gegenwärtigen Herausforderungen im Zentrum dieses sehr persönlichen Gespräches. Ein spannender Dialog, der den einzigartigen ökumenischen Geist der über 75 Jahre alten Gemeinschaft von Taizé als wegweisenden Impuls für die Reformationsfeier- lichkeiten 2017 fruchtbar macht.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 192
    Erscheinungsdatum: 01.10.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783960380344
    Verlag: Edition Chrismon
    Größe: 318kBytes
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III.
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S IEGFRIED E CKERT : Das Stichwort "Barmherzigkeit" hat Papst Franziskus mit seinem Heiligen Jahr aufgenommen. Sie vertreten die Überzeugung, dass Christus denjenigen, der ihm nachfolgt, zu den Menschen sendet, um die Wunden der Trennung zu heilen. Warum fällt das der Christenheit so schwer? Schon in der Gemeinde von Korinth gab es Streitigkeiten und Parteiungen. Warum sind wir noch nie Einheitschristen gewesen?

F RÈRE A LOIS : Wo immer Menschen zusammenleben, braucht es eine Akzeptanz des anderen. Der andere ist anders als ich. Das ist eine riesengroße Bereicherung, aber auch eine große Schwierigkeit. Hier spiegelt sich in der Kirche das, was sich zwischen zwei Menschen im Kleinen abspielt. Gerade da will das Evangelium uns weiterführen, indem die Versöhnung uns auf Christus hin zentriert. Wir werden einander nicht gleichgemacht, sondern wir schauen in unserer Andersartigkeit gemeinsam auf Christus, der uns am Kreuz miteinander versöhnt. Das erleben wir unter uns Brüdern ganz konkret. Wir kommen nicht deshalb drei Mal am Tag zum Gebet zusammen, weil es so schön ist, sondern weil es für unsere Gemeinschaft lebensnotwendig ist. Die Brüderlichkeit unter uns würde ohne das gemeinsame Gebet allmählich verschwinden. Wir müssen immer wieder zusammenkommen und uns gemeinsam auf Christus ausrichten. Es braucht die äußerliche Form, die liturgische Form, die uns hilft, die innerliche Ausrichtung auf Christus zu leben. Wir machen aber auch die Erfahrung, dass sich zum Beispiel kulturelle Differenzen im gemeinsamen Leben nicht immer überbrücken lassen, selbst wenn wir uns noch so große Mühe geben. Es gibt Unterschiede, die sehr groß sind und die im Lauf der Jahrhunderte nie überwunden wurden. Ich denke da besonders an die Beziehung zwischen Europa und Afrika. Der Kolonialismus hat Wunden hinterlassen, die noch nicht verheilt sind. So braucht das Zusammenleben als Brüder viel Energie. Wir selbst können diese Unterschiede nicht immer ausgleichen, wir sind daher auf Christus angewiesen. In ihm können wir Unterschiede aushalten, ohne die Einheit zu verlieren. Trennungen werden in der Kirche immer wieder auftauchen, wie schon zur Zeit der Apostel in Korinth. Wichtig ist jedoch, dass diese sich nicht verfestigen, vor allem nicht institutionell, und wir unsere Identität nicht durch Abgrenzung voneinander definieren. Andernfalls schließen wir Christus aus. Deshalb sprach Frère Roger nicht mehr von Ökumene, sondern lieber von Versöhnung: Ich lebe als Versöhnter!

S IEGFRIED E CKERT : Hat er das Wort Ökumene gar nicht mehr verwendet?

F RÈRE A LOIS : Kaum, denn er war nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil sehr enttäuscht, dass die sichtbare Einheit der Christen, die er so sehr erwartet hatte, in weite Ferne gerückt war. Die ökumenischen Gespräche hatten dann eher die Tendenz, die Unterschiede herauszuarbeiten, anstatt Versöhnung zu bewirken. Frère Roger sagte immer: Wir müssen uns versöhnen, uns wirklich versöhnen! So hat er persönlich gelebt und so hat er die Communauté auf den Weg der Versöhnung geführt, die Verschiedenheit nicht ausschließt. Aber wenn sich die Verschiedenheit auf Christus bezieht, muss die Einheit das letzte Wort sein.

S IEGFRIED E CKERT : Martin Buber, der wunderbare jüdische Religionsphilosoph, betonte immer wieder, dass der andere anders ist, sein darf und wir den anderen anders sein lassen sollen. Ihm ging es darum, dass die Begegnung dieser jeweils anderen dennoch gelingt: zwischen Mensch und Mensch wie auch zwischen Gott und Mensch, zwischen Ich und Du. Sie sagen, es geht um die Einheit in Christus und durch Christus. Aber diese Einheit ist keine Gleichmacherei?

F RÈRE A LOIS : Nein, und wir können dies

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