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Pater, ich vergebe Euch! Missbraucht, aber nicht zerbrochen von Pittet, Daniel (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 17.08.2017
  • Verlag: Verlag Herder GmbH
eBook (ePUB)
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Pater, ich vergebe Euch!

Vier Jahre lang wurde Daniel Pittet vom Kapuziner-Priester Pater Joel misshandelt, zu pornografischen Fotos gezwungen und immer wieder vergewaltigt. In seinem Buch beschreibt Pittet sein Martyrium in allen Details. Ein Martyrium, das schockiert und das vor allem Fragen aufwirft. Warum hat niemand geholfen? Wie kann ein Mensch so etwas tun? Und noch mehr: Wie kann ein Mensch so etwas überleben? Pittets Geschichte ist nicht nur die Geschichte eines unmenschlichen Leidens, sondern auch die einer unglaublichen Starke: Er hat seinen Glauben nicht verloren und seinem Peiniger sogar vergeben. Pittets Buch deckt deshalb nicht nur auf, was Missbrauch wirklich bedeutet, sondern erzählt vor allem vom Überleben und Weiterleben. Sein Buch erschüttert, macht traurig und wütend. Zugleich aber zeigt es einen Mann, der den Weg zurück gefunden hat und der sagt: 'Ich habe ihm vergeben und habe mein Leben auf dieser Vergebung aufgebaut.' Daniel Pittet, 1959 geboren in der französischen Schweiz, wurde als Kind jahrelang von einem Kapuzinerpater missbraucht. Erst nach Jahren wagte er den Schritt in die Öffentlichkeit und half entscheidend mit, das ganze Ausmaß der Verbrechen des Paters aufzudecken und ihm das Handwerk zu legen. Heute arbeitet Daniel Pittet in Fribourg als Bibliothekar und ist Familienvater von sechs Kindern. Er ist Herausgeber und Autor zahlreicher Veröffentlichungen und stark engagiert in Kirche und Gesellschaft. Sein Buch 'Lieben heißt alles geben' wurden in vielen Sprachen weltweit publiziert und erreichte eine Millionen-Auflage.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 224
    Erscheinungsdatum: 17.08.2017
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783451811982
    Verlag: Verlag Herder GmbH
    Größe: 674 kBytes
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Pater, ich vergebe Euch!

Das Chaos meiner Kindheit

Am 10. Juni 1959 versucht mein Vater, meine Mutter umzubringen. Er hält ein großes Messer in der Hand und verletzt sie damit am Hals. Voller Panik fleht sie ihn unter den angsterfüllten Blicken meiner älteren Schwester an, sie in Ruhe zu lassen. Vergebens. Mein Vater lässt das Messer fallen, nimmt eine Rasierklinge und ritzt ein Andreaskreuz in ihren Bauch. In den Bauch seiner Frau, in dem ich in diesem Augenblick lebe, in dem ich mich bewege. Meine Mutter ist im achten Monat schwanger. Ihr Bauch, das bin ich.

Am 10. Juli 1959 erblicke ich das Licht der Welt. Es ist ein schlechter Start ins Leben. Durch den Angriff meines Vaters bin ich für immer gezeichnet. Schon jetzt bin ich ein Überlebender.

Meine Eltern sind ein ungleiches Paar. Mein Vater ist ein kräftiger Mann, er ist Maurer und ein Arbeitstier. Von seiner Familie weiß ich so gut wie nichts. Meine Mutter ist eher intellektuell veranlagt, feinfühlig und wohlerzogen. Ihre Mutter Alice ist französischer Abstammung, sie kommt aus einer Gutsbesitzerfamilie, die über eine gewisse Bildung verfügte. Durch den Krieg war die Familie verarmt, sie hatten Frankreich verlassen müssen. Sie hatten sich in Genf niedergelassen, wo mein Urgroßvater eine Anstellung als einfacher Landarbeiter fand. Meine Großmutter fühlte sich deswegen herabgesetzt in ihrem Stand.

Gleichwohl hatte die Familie die guten Manieren und das tadellose Benehmen ihrer Vorfahren übernommen. Meine Großmutter war stets gepflegt und hatte eine vornehme Ausstrahlung. Sie erzog uns streng, war auf Bildung bedacht. Das Essen wurde in ausgesuchtem Geschirr serviert, wir benutzten Silberbesteck, von dem wir uns immer fragten, wo es herstammte. Zu Tisch saßen wir aufrecht, die Hände korrekt platziert.

Nachdem meine Großmutter geheiratet hatte, verließ sie Genf. Das Paar ließ sich in Romont im Kanton Fribourg nieder. Mein Großvater Élie, Alices Ehemann, war ein Bauernsohn. Wie es damals gang und gebe war, kam auch er aus einer vielköpfigen Familie mit zehn Kindern. Als die Eltern starben, waren die Kinder noch minderjährig. Sobald mein Großvater das entsprechende Alter erreicht hatte, wurde er Fahrer in der Firma seines Onkels. Er kutschierte alle möglichen Leute umher und liebte es, die dabei aufgeschnappten Anekdoten zum Besten zu geben. Doch wie seine Eltern starb auch er jung und ließ meine Großmutter und die drei Kinder ohne jedes finanzielle Polster zurück. Doch in der Familie meiner Mutter waren alle immer sehr solidarisch untereinander. So sagte ihr ein Verwandter irgendwann: "Mach ein Geschäft auf, ich leih dir das nötige Geld!" Daraufhin ließ sie sich beraten und eröffnete einen Schreibwarenhandel, der es ihr zumindest ermöglichte, sich und ihre Kinder durchzubringen.

Mein Großvater Élie hatte eine Schwester, die in den Orden der Paulus-Schwestern eingetreten ist, der gemeinhin euvre de Saint-Paul genannt wird. Sie sollte eine entscheidende Rolle in meinem Leben spielen. Jene Ordensgemeinschaft versteht ihr Apostolat so, dass sie Verkündigung stark über die Medien betreibt, und arbeitet dabei eng mit Laien zusammen. Deshalb hat diese Gemeinschaft den Ruf, sehr weltoffen zu sein. Wie meine Tante, so wollte auch meine Mutter ihr Leben eigentlich der Religion weihen. Sie trat ins Kloster ein und verbrachte etwa ein Jahr bei den Paulusschwestern. Während dieser Zeit lernte sie meinen Vater kennen und verfiel seinem Charme. Sie erzählte ihrer Mutter davon, die sich beim Pfarrer der Gemeinde, aus der der junge Mann stammte, Rat holte. Es war durchaus üblich, sich beim Pfarrer zu informieren. Dieser hatte nichts zu beanstanden und erinnerte sich vielmehr daran, dass mein Vater ein guter Messdiener gewesen sei, was in den Augen meiner Großmutter eine sehr fromme Eigenschaft war. So erteilte sie meiner Mutter die Erlaubnis, das Kloster zu verlassen und zu heiraten. Meine Mutter überkamen jedoch Zweifel an ihrer Entscheidung, als sie

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