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Reformation des Herzens Eine vierwöchige Reise zurück zu den Wurzeln von Brudereck, Christina (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 01.09.2016
  • Verlag: SCM R.Brockhaus im SCM-Verlag
eBook (ePUB)
13,99 €
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Reformation des Herzens

500 Jahre Reformation - was feiern wir da eigentlich? Um was ging es Martin Luther damals? Und hat es noch etwas mit uns heute zu tun - mit unserem Alltag, unserem Glauben, unserem Herzen? Christina Brudereck und Jürgen Mette nehmen uns mit auf eine vierwöchige Reise zu den vier Entdeckungen der Reformation: Gnade, Bibel, Christus und Glaube. Mal persönlich, mal theologisch, dann wieder humorig, lyrisch oder auch ein wenig provokant nähern sie sich diesen vier Säulen, die auch unsere Herzen nicht kalt lassen, wenn wir uns auf sie einlassen.

Jürgen Mette ( 1952) ist Theologe und war bis 2013 geschäftsführender Vorsitzender der Stiftung Marburger Medien und Lehrbeauftragter an der Evangelischen Hochschule Tabor. Er ist verheiratet, Vater von drei Söhnen und Großvater von sechs Enkelkindern. Seit ihn 2009 die Diagnose Parkinson getroffen hat, schreibt er Bücher, u. a. den Spiegel-Bestseller 'Alles außer Mikado', und ist als Referent unterwegs. Christina Brudereck spricht und reimt, reist und schreibt und verbindet dabei Theologie und Lyrik, Spiritualität und Kultur. Sie lebt in Essen als Mitglied der evangelischen Kommunität Kirubai und engagiert sich im CVJM e/motion, einem Gemeinde-Kultur-Projekt mitten im Ruhrgebiet.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 256
    Erscheinungsdatum: 01.09.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783417228618
    Verlag: SCM R.Brockhaus im SCM-Verlag
    Größe: 2309 kBytes
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Reformation des Herzens

[ Zum Inhaltsverzeichnis ]

- TAG 7 -
GNADE IST MACHT, NICHT STRAFE

Beim Nachdenken über die Bedeutung der Gnade für mein Leben habe ich eine interessante Entdeckung gemacht. Gnade ist mein Lebensthema, die tragende Konstante im Auf und Ab meiner Lebensreise. Jetzt verstehe ich, warum Filme, Bilder, Texte, Erlebnisse, Eindrücke und Stimmungen, die mich nachhaltig geprägt haben, alle mit dem Thema Gnade zu tun haben: Sie haben sich tief greifend im Bewusstsein verankert und bleiben daher immer präsent und abrufbar. Sie gehören zu den Schätzen meines Lebens - unwiederbringlich, einmalig und wertvoll.

Das erste Buch meiner Lebensreise, das mich geradezu gefesselt hat, war Durchs Tor der Herrlichkeit . Elisabeth Elliot schreibt über das Leben und den frühen und grausamen Tod der fünf Missionare, die das Evangelium zu den Huoroani in Ecuador gebracht haben. Ihr Mann war einer von ihnen. Mein Vater hat mir das Buch als Zehnjährigem "ans Herz gelegt". Die Witwe einer der Märtyrer hat sich später mit ihrem Kind auf den Weg zu den Mördern ihres Mannes gemacht. Sie hat sich in die Dschungelkultur eingefügt und so auf bewundernswerte Weise das Evangelium der Gnade gelebt.

Ein anderer Botschafter der Gnade ist Nelson Mandela. Nach rund einem Vierteljahrhundert mit Gefängnisaufenthalten und schließlich dem "Verlust" seiner eigenen Frau, die seinen Weg der Gnade nicht mitgehen konnte, überwand er die Apartheid Südafrikas mit Gnade, nicht mit Vergeltung. Das ist für mich eine Illustration des Evangeliums, wie sie kaum eindrücklicher beschrieben werden kann. Doch Apartheid ist nicht totzukriegen. Während ich diese Zeilen schreibe, häufen sich in den USA Fälle von polizeilicher Gewalt: Weiß gegen Schwarz. Unvergessen, wie Barack Obama anlässlich der Trauerfeier in Charleston das "Amazing Grace" angestimmt hat.

In der Welt der modernen Musik ist dieser Gospelklassiker eines der Lieder, das sich bei mir festgesetzt hat. Erst kürzlich hatte ich die Gelegenheit, die Uraufführung des von Andreas Malessa verfassten und von Tore W. Aas komponierten Musicals über John Newton mitzuerleben - den Autor dieses wohl bekanntesten Gnadenliedes der Weltliteratur.

In der Welt der Barockmusik ist mein persönliches Pendant dazu der zweite Teil der fünfstimmigen Bach-Motette "Jesu, meine Freude" mit dem trotzigen "Es ist nun nichts, nichts, nichts Verdammliches an denen, die in Christo Jesu sind". Meine Erinnerungen gehen zurück: Ich sehe mich in einer Phase der Selbstanklage, im Bewusstsein meiner Schuld. Diese Sache quälte mich in meinem Gewissen so sehr, dass ich ein Beichtgespräch suchte. Es gibt nichts Größeres in meinem Leben, als den Schritt ins Licht zu wagen, mich vor einem Menschen verletzlich zu machen, aus der makellosen Kulisse hervorzutreten und mein Innerstes nach außen zu kehren. Nach diesem seelsorgerischen Gespräch öffneten sich alle Schleusen der Barmherzigkeit und Gnade. Ich versenkte mich in die Bach-Motette "Jesu, meine Freude", die so herzrührend und befreiend auf verwundete Seelen trifft.

Es gibt nichts Größeres in meinem Leben, als den Schritt ins Licht zu wagen, mich vor einem Menschen verletzlich zu machen, aus der makellosen Kulisse hervorzutreten und mein Innerstes nach außen zu kehren.

Mitten in der Schönheit der Töne und Worte gibt es jedoch einen überraschenden Bruch: Der Chor hebt an: "Es ist nun nichts Verdammliches an denen, die in Christo Jesu sind." Das "nichts" wird dreimal trotzig wiederholt, als wollte man diese Zusage fest im Bewusstsein verankern. Seitdem kehre ich immer wieder zu dieser Motette zurück. Gibt es nach einem ehrlichen Sündenbekenntnis eine größere Bestätigung und Vergewisserung als dieses Zitat aus dem achten Kapitel des Römerbriefs? Ich atme auf und atme durch. Das ist der Kern der Reformation, das ist das Zentrum der Lebenswende Martin Luthe

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