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Sprüche

  • Erscheinungsdatum: 16.11.2011
  • Verlag: Vandenhoeck & Ruprecht
eBook (PDF)
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Sprüche

Proverbia, das alttestamentliche Buch der Sprüche, ist eines der vielfältigsten biblischen Bücher. Das wird nicht nur darin deutlich, dass es die Weisheitstraditionen seiner kulturellen Umwelt mehrfach widerspiegelt, sondern auch dadurch, dass es in Form und Stil sehr abwechslungsreich ist. Außerdem umfasst es in kompositorischer wie redaktioneller Hinsicht stark unterschiedliche Sammlungen. Nicht zuletzt weist das Buch in seinen Weisheitslehren einen breiten inhaltlichen Spannungsbogen auf. Schließlich ist die Aktualität des Spruchbuches in den jüngsten Jahren aus verschiedenen Gründen erheblich gestiegen.Sprüche sind Allgemeingut der Menschen. Das Reden in Sprüchen war dabei keine Besonderheit für Israel; die Praxis oder gar die Kunst des Gestaltens von Sprichwörtern ist in den meisten alten Kulturen anzutreffen. Das Alte Testament war auch keine Insel im literarischen Meer des alten Nahen Orients, Israel stand im Austausch mit seinen Nachbarn und ihren Kulturen. Das zeigt sich besonders auf dem Gebiet der alttestamentlichen Weisheitsschriften, zu denen das Buch Hiob und der Prediger neben dem Spruchbuch zu zählen sind sowie die deuterokanonischen Schriften der Weisheit des Jesus Sirach und der Weisheit Salomos.

Dr. theol. Magne Sæbø ist em. Professor für Altes Testament an der Gemeindefakultät in Oslo und ehemaliger Präsident der International Organization for the Study of the Old Testament (1995-1998).

Produktinformationen

    Format: PDF
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 389
    Erscheinungsdatum: 16.11.2011
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783647512396
    Verlag: Vandenhoeck & Ruprecht
    Größe: 1803 kBytes
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Sprüche

Nachwort zum Hauptteil A der Sammlung II (S. 219-220)

Wenn man kurz auf die kommentierten Kapitel 10–15 zurückblickt, fällt zunächst auf, dass diese Kapitel nicht nur verschiedener Länge sind, sondern auch dass sich die längeren Kapitel am Anfang und Ende (Kap.10–11 und 14–15) und die zwei kürzeren (Kap. 12–13) in der Mitte des Hauptteils A befinden. 177 Dieser Umstand mag noch bedeutsamer erscheinen, wenn er mit dem weiteren Befund verbunden wird, dass eben die Kapitel, die stilistisch und theologisch am meisten ‚entwickelt' sind, ebenfalls am Anfang und Ende des Hauptteils zu finden sind.

Das dürfte wohl kaum zufällig sein, sondern mag die redaktionsgeschichtliche Annahme nahelegen, dass um die Kapitel mit kürzeren und einfacheren Sammlungen, in denen die Einzelsprüche vorherrschen (12–13), längere und stärker redigierte Sammlungen herum gelegt worden sind (Kap. 10–11 und 14–15), die in formaler und inhaltlicher Hinsicht eine weitere kunstvolle Bearbeitung der Sprüche erfahren haben, und zwar in der Form von Spruchpaaren und anderen Spruchbildungen bis zu Klein-Kompositionen; das gilt insbesondere die ersten Kapitel, vor allem 10, aber auch 11. Inhaltlich wollen die rahmenden Kapitel am Anfang und am Ende (Kap. 14 und besonders Kap. 15) den Eindruck erwecken, dass sie eine ethisch-religiöse und theologische Deutung und damit auch gewissermaßen eine Re-Interpretation des alten und sehr reichen Überlieferungsgutes der Erfahrungsweisheit ausmachen.

So mag sich denn ein lebendiger und komplizierter sowie auch variantenreicher Gestaltungsprozess vollzogen haben, in dem man sich beim modus procedendi auch Rahmungen oder eines Ringmusters bedient hat. Dabei erscheint in hermeneutischer Hinsicht vor allem wichtig, dass der Rahmen das Gerahmte deutet; und dabei lässt sich auch und nicht zuletzt beobachten, dass das Wichtigere einer Deutung dem Gedeuteten öfter vorangestellt wird.

Das methodische Phänomen einer interpretativen Voranstellung des Neuen vor dem Vorgegebenen sowie der methodische Griff eines Rahmens oder Ringmusters als strukturelle Mittel in der redaktionellen und interpretativen Gestaltung waren aber auch mehrfach in Sammlung I (Kap. 1–9) anzutreffen. Darüber hinaus haben die sechs Kapitel dieses Hauptteils viel Gemeinsames, obschon die Gestaltung im Stil und Inhalt eine beeindruckend hohe Beweglichkeit und Variabilität an den Tag legt.

Zum Gemeinsamen gehört zunächst das Phänomen des parallelismus membrorum, vor allem der antithetische Parallelismus, der in den ersten vier Kapiteln durchgehend ist, der aber in den letzten Kapiteln etwas nachlässt, während in denen der synonyme und der sog. synthetische Parallelismus stärker vortreten (vgl. etwa 14, 7. 10. 14. 26; 15, 3. 10–12. 23), wobei auch dieses Stilmittel eine größere Variation erkennen lässt, als oft wahrgenommen wird.

Inhaltlich zeigt sich die hier typische Antithetik vor allem in der Kontrastierung bestimmter Personengruppen, die als Gegentypen dargestellt werden, und zwar die Gegensätze von Gerechten und Frevlern, so besonders in den ersten Kapiteln, und von Weisen und Toren sowie von Reichen und Armen. Im Übrigen weist der oft rasche Wechsel der Themen eine hohe Beweglichkeit in der Darstellung, die dann gelegentlich schwer zu erklären sein kann. In dem allen ergibt sich somit ein überaus komplexes thematisches Gewebe, das für die hoch entwickelte Gestaltungskunst der Weisen ein eindrucksvolles Zeugnis ablegt.

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