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Die Assassinen Geschichte eines islamischen Geheimbundes von Halm, Heinz (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 23.02.2017
  • Verlag: Verlag C.H.Beck
eBook (ePUB)
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Die Assassinen

Die Assassinen sind für ihre politischen Morde berüchtigt - so sehr, dass das Wort 'assassin' in vielen Sprachen zum Synonym für 'Mörder' geworden ist. Wer aber waren die Assassinen wirklich? Heinz Halm beschreibt, wie im 11. und 12. Jahrhundert ein schiitischer Geheimbund entstand, der sich im Besitz der wahren Botschaft des Islam glaubte, Burgen in Iran und Syrien eroberte und die Kreuzfahrer in Angst und Schrecken versetzte. Erst den Mongolen gelang es, die letzte Festung des 'Alten vom Berge' einzunehmen. Doch einige Gemeinden überlebten. Auf sie gehen die Anhänger des heutigen Aga Khan zurück. Heinz Halm war Professor für Islamwissenschaft an der Universität Tübingen und gilt als einer der besten Kenner des schiitischen Islams.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 130
    Erscheinungsdatum: 23.02.2017
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783406704154
    Verlag: Verlag C.H.Beck
    Größe: 4440 kBytes
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Die Assassinen

1. Die Vorgeschichte

Heysessini, Assissini, Assassinen

"Wisse, dass es im Gebiet von Damaskus, Antiochia und Aleppo in den Bergen ein Volk der Sarrazenen gibt, das in seiner eigenen Umgangssprache Heysessini und auf Romanisch segnors de montana [die Alten vom Berge] heißt. [...] Sie wohnen in den Bergen und sind nahezu unüberwindlich, da sie sich in schwer befestigte Burgen zurückziehen. Ihr Land ist nicht sehr fruchtbar; daher leben sie von der Viehzucht. Sie haben auch ihren eigenen Herrn, der nicht nur allen Sarrazenenfürsten nah und fern größte Furcht einflößt, sondern auch den christlichen Nachbarn und ihren Großen, denn er hat die Gewohnheit, sie auf außergewöhnliche Weise umzubringen."

Der Autor dieser Zeilen ist der Abt Arnold von Lübeck, der als erster Deutscher Kunde von der geheimnisvollen Gesellschaft gibt, die im 12. Jahrhundert die Kreuzfahrerstaaten beunruhigte. Sein Gewährsmann war ein Straßburger Domherr namens Burchard, der 1175 als Gesandter Kaiser Friedrich Barbarossas zu Sultan Saladin nach Damaskus und Kairo gereist war ( Arnoldi Chronica Slavorum VII, 8).

Besser informiert war Wilhelm von Tyrus, der, um 1130 in Jerusalem geboren, nach Studien in Paris und Bologna Domherr in seiner Heimatstadt Jerusalem, Kanzler des Königreichs Jerusalem und 1175 Erzbischof von Tyrus wurde (gest. 1186). In seiner titellosen Chronik, einer der wichtigsten lateinischen Quellen aus der Zeit der Kreuzzüge, berichtet er: "In der Provinz Tyrus, die Phönizien heißt, gibt es in der Umgebung des Bistums Antaradus (Tartûs) ein Volk, das zehn Burgen mit dem dazugehörigen Umland besitzt und, wie wir oft gehört haben, aus ungefähr 60.000 oder mehr Menschen bestehen soll. Diese haben die Gewohnheit, sich ihren Herrn nicht aufgrund erblicher Nachfolge, sondern nach dem Vorrang des Verdienstes selbst zu geben und einen Meister zu wählen und als Präzeptor an ihre Spitze zu stellen, den sie, alle anderen Ehrentitel verschmähend, den Alten ( senex ) nennen, dem sie sich dermaßen zu Unterwerfung und Gehorsam verpflichten, dass es nichts Hartes, Schwieriges oder Gefährliches gibt, das sie nicht auf des Meisters Geheiß inbrünstig zu erfüllen trachten. Wenn ihm und seinem Volke etwa irgendwelche Fürsten missliebig oder verdächtig sind, gibt er einem oder auch mehreren der Seinen einen Dolch, und dieser strebt dorthin, wohin er befohlen worden ist, und ohne zu erwägen, wie die Sache ausgehen könnte und ob er davonkommen würde, geht der, der den Auftrag erhalten hat, sogleich dorthin, wohin er befohlen wurde, und rastet nicht eher, als bis es ihm gelingt, den erhaltenen Befehl zu vollstrecken und den Willen des Meisters zu erfüllen. Die Unseren wie auch die Sarrazenen nennen dieses Volk Assissini , ohne dass wir wissen, wovon dieser Name abgeleitet ist." (XX, 29).

Obwohl die Zeitgenossen sich den Namen nicht erklären konnten, ist er doch rasch in der Bedeutung "Meuchelmörder" zunächst in die romanischen Sprachen - französich assassin , italienisch assassino , spanisch asesino - und dann in andere europäische Sprachen eingegangen und hat entsprechende Verbformen erzeugt. Nur im Arabischen, aus dem er doch kommen müsste, scheint er zu fehlen. Da das Wort Assassinen aber keine Selbstbezeichnung der Organisation war, von der hier die Rede sein soll, und erst spät auftritt, soll seine Herkunft erst später erörtert werden.
Die religiösen Wurzeln: Zwölfer-Schiiten und Ismailiten

Die von den Kreuzfahrern als Assissini oder Heysessini bezeichnete religiöse Gemeinschaft war den islamischen Zeitgenossen unter den Namen Bâtiniyya oder Nizâriyya bekannt. Sie war eine Abspaltung

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