text.skipToContent text.skipToNavigation
background-image

Disziplin als Anfang Der Zen-Weg zur Liebe von Zölls, Doris (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 29.05.2018
  • Verlag: Kösel
eBook (ePUB)
13,99 €
inkl. gesetzl. MwSt.
Sofort per Download lieferbar

Online verfügbar

Disziplin als Anfang

Innere Ordnung - innere Ruhe
Eine Begegnung in ihrer Tiefe wahrzunehmen gelingt, wenn wir mit unseren Gedanken ganz in der Situation sind und uns nicht ablenken lassen. Gedanken, die abschweifen, tragen uns aus der Situation in eine fantasierte Welt, die nichts mit der Gegenwart zu tun hat. Das regelmäßige Still-Sitzen und Meditieren auf dem Zen-Kissen beruhigt die Gedankenflut und führt zu kraftvoller Präsenz. Eine Disziplin, die sensibilisiert und glücklich macht.

Doris Zölls, Myô-en An, geboren 1954, ist seit 2003 spirituelle Leiterin des Benediktushofs. Die evangelische Theologin wurde von Willigis Jäger, Kyo-un Roshi im Jahr 2000 als Zen-Meisterin autorisiert. Sie gehört außerdem zur Sanbô-Zen Schule in Tokio. Doris Zölls ist verheiratet und hat drei Kinder.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 192
    Erscheinungsdatum: 29.05.2018
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641212148
    Verlag: Kösel
Weiterlesen weniger lesen

Disziplin als Anfang

DISZIPLIN ÜBEN HEISST LERNEN
UND VERSTEHEN

Wach auf, sagt Zen, erfahre dein Denken, Fühlen und Handeln als leer und substanzlos. Nur so verlieren sie ihre Macht über uns.

Diese Wachheit will geübt sein. Sie ist zwar nicht eine Fähigkeit, die wir uns von außen her aneignen müssten. Uns ist allen der Bodhisattvageist, der Geist des Erwachens, zu eigen. Bei den meisten von uns ist er jedoch verschüttet. Ihn freizulegen, bedarf der Disziplin, die sich als Durchhaltevermögen, Mut und Kraft zeigt.

DISZIPLIN NEU VERSTANDEN

Über Disziplin spricht man heute wenig, es hat einen sehr negativen Beigeschmack. Sie wird als Unterdrückung, als Gängelei angesehen, als Fremdbestimmung, Gehorsam, als eine Unterordnung unter eine Autorität oder Regeln, die freiwillig geschehen kann, doch meist erzwungen wird. Unter Disziplin fällt auch die Selbstdisziplin, die als Selbstbeherrschung verstanden wird, als ein kontrolliertes Verhalten, das große Anstrengung erfordert, um seine angestrebten Ziele erreichen zu können. In beiden Bedeutungen klingt ein sehr negativer Zug mit. Schon die Worte Beherrschung oder Gehorsam lassen uns an Unfreiheit und Zwang denken, die den Menschen in seiner Entfaltung eher behindern als fördern.

Ich möchte der Disziplin gerne einen neuen Stellenwert geben.

Für mich war und ist Disziplin eine große Hilfe, gesund und zufrieden durchs Leben zu gehen.

Ursprünglich kommt das Wort Disziplin von dem lateinischen Wort disciplina und wird mit Lehre oder Schule übersetzt. Sowohl eine Lehre wie die Schule gehen meines Erachtens nicht zwangsweise mit Beherrschung und Unterordnung einher. Schule kann ein Ort sein, an dem wir die Möglichkeit haben, für unser Leben zu lernen, wo wir Wissen über das Leben vermittelt bekommen. Geht es bei Disziplin um die Lehre des Lebens kann das ganze Leben für uns eine Schule, ein Feld des Lernens und Verstehens sein. Dass Menschen in der Geschichte Machtstrukturen aufgebaut haben und es noch immer machen, mit denen sie andere beherrschen oder willkürlich Gehorsam einfordern und dies dann mit Disziplin beschreiben, ist meines Erachtens eine Fehlinterpretation des Wortes Disziplin. Mich vom Leben inspirieren und schulen zu lassen, mich den Gesetzen des Lebens zu stellen und ihnen gerecht zu werden, ist für mich Disziplin. Dazu gehört, dass ich das Leben beobachte, es erkunde, hineinspüre, was es von mir fordert, damit ich glücklich und zufrieden sein kann. Selbstdisziplin hat für mich daher nichts damit zu tun, mich selbst zu knechten und zu kontrollieren. Selbstdisziplin ist für mich: mich ganzheitlich, sprich mit Körper, Geist und Seele in den Dienst des Lebens zu stellen, dem Leben gerecht zu werden. Dass dies meinem Trägheitsprinzip und meinen Trieben oft entgegensteht, ist ganz natürlich. Doch gerade durch Selbstdisziplin ist es möglich, diesem "inneren Schweinehund" nicht das Feld zu überlassen, der mich und meine Mitmenschen stets frustriert und unzufrieden zurücklässt, wenn wir ihm gefolgt sind.

Ich möchte aus meinem persönlichen Leben dafür ein Beispiel geben:

Ich hatte schon in jungen Jahren körperliche Beschwerden, die von mir täglich Körperübungen verlangten. Ließ ich sie weg, tauchten sehr schnell wieder Schmerzen auf. Mein Körper, mein Leben gaben mir die Aufgabe auf, täglich zu üben. Freunde und Geschwister bemitleideten mich, dass ich jeden Tag die Kraft und das Durchhaltevermögen aufbringen musste, zu üben und mich nicht einfach mal gehen lassen zu können. Heute nach fast 50 Jahren klagen sie, dass sie nicht so selbstdiszipliniert waren, für ihren Körper mehr zu tun.

Natürlich gab es Zeiten, wo es mir schwerfiel, meine Übungen auszuführen, doch die bevorstehenden Schmerzen waren für mich die Motivation, zu üben. Die Schmerzen haben mich beherrscht, nicht die tägliche Praxis, sie gaben mir Mut, Ausdauer und Kraft.

KRAFT AUS DER ÜBUNG

Wie oft jammern Erwachsene darüber, dass sie

Weiterlesen weniger lesen

Kundenbewertungen