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Ein Jude und ein Jesuit im Gespräch über Religion in turbulenter Zeit von Bollag, Michel (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 10.11.2015
  • Verlag: Matthias Grünewald Verlag
eBook (ePUB)
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Ein Jude und ein Jesuit

Das Zweite Vatikanische Konzil hat vor 50 Jahren das Verhältnis der katholischen Kirche zum Judentum theologisch neu bestimmt: Dialog ist nötig, um den Anderen und im Anderen sich selber zu verstehen. Michel Bollag und Christian Rutishauser nehmen als Jude und als Christ diesen Auftrag zum Dialog ernst. In ihrem intensiven Gespräch geht es einerseits um klassische, bis heute wirkende Fragen wie Alter Bund und Neuer Bund, Gottesverständnis und Offenbarung. Andererseits greifen sie aktuelle, politisch höchst brisante Probleme auf wie Evangelisierung und Judenmission, Landverheißung und Staat Israel, Dialog mit dem Islam und mit der postsäkularen Gesellschaft. Ein spannender, inspirierender und orientierender Gegenpol zu einer unübersichtlichen und auseinanderdriftenden Welt. Lic. phil. Michel Bollag ist "Fachreferent Judentum" und Co-Leiter des Zürcher Lehrhauses. Christian M. Rutishauser SJ, Dr. theol., geboren 1965, ist Bildungsleiter im Lassalle-Haus Bad Schönbrunn. Lehraufträge für Jüdische Studien an der Hochschule für Philosophie in München, an der Theologischen Fakultät Fribourg i. Ü. und an der Universität Gregoriana in Rom. Die Schwerpunkte seiner Arbeit liegen im Bereich Spiritualität, Exerzitien und Kontemplation.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 212
    Erscheinungsdatum: 10.11.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783786730576
    Verlag: Matthias Grünewald Verlag
    Größe: 1724 kBytes
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Ein Jude und ein Jesuit

2. Schöpfung, Offenbarung, Erlösung

Gespräch

CHR: Schöpfung, Offenbarung und Erlösung sind Worte, die im alltäglichen Sprachgebrauch kaum mehr vorkommen. Der Glaube verwendet sie, um Gesamtdeutungen des Lebens zu geben. Sie sind Antworten auf die Fragen: Woher kommen wir? Wohin gehen wir? Und was ist zu tun? Die drei Begriffe sind Metaphern und Grundprinzipien. Juden wie Christen benutzen diese Kategorien, auch wenn sie sie unterschiedlich deuten.

MB: Als religiöse Vertreter haben wir eine enorme Übersetzungsarbeit zu leisten, um diese Begriffe heutigen Menschen nahezubringen. Ein Schöpfer- und Richtergott, gar mit langem weißem Bart, hat in unserem Weltbild keinen Platz mehr. In Auschwitz ist das Bild eines allgütigen Gottes, der sichtbar interveniert und Rettung bringt, definitiv zerstört worden.

CHR: Als Glaubende und rational Denkende müssen wir Theologen diese Begriffe immer wieder neu auslegen, so dass sie ein Sinnangebot darstellen. Der Glaube will einen alternativen Blick eröffnen. Er kann jedoch abgelehnt werden. Auch ohne ihn lebt es sich gut. Sinndeutung ist für alle Beteiligten Arbeit. Religion ist weder Freizeitbeschäftigung noch Lifestyle und erst recht kein Kinderspiel. Es geht um höchste geistige Anstrengung, die Welt zu deuten und verantwortlich zu handeln.

MB: Dieser Aufgabe stellen sich viele wache Zeitgenossen, aber nicht mehr mit den Begriffen des monotheistischen Glaubens. Andere Religionsformen und philosophische Weltdeutungen breiten sich aus.

CHR: Die Weltdeutung orientiert sich heute an Naturwissenschaft und Philosophie. Da gibt es sehr viele gute Wertvorstellungen und kulturelle Errungenschaften. Bei anderen Phänomenen hätte die Kirche früher von einer heidnischen Kultur gesprochen.

MB: ...und die rabbinische Tradition spricht von avoda zara , von Fremdkulten und von Götzendienst.

CHR: Christine Busta sagt von sich: "Ich bin eine durch das Christentum gebrochene Heidin und für diese Brechung bin ich dankbar." Das gefällt mir. Die biblische Tradition möchte die Kultur, auf die sie stößt, umformen und gestalten, läutern und neue Perspektiven eröffnen. Wo wir uns heute an der Natur orientieren, lädt sie uns zum Beispiel ein, die Umwelt als Schöpfung zu sehen. Das ist ein anderes Konzept. So schreibt die Enzyklika Laudato si' von Papst Franziskus die katholische Soziallehre weiter. Sie betont den Zusammenhang von sozialer Frage und Ökologie. Die Flüchtlingsfrage und die Migrationsströme hängen mit westlicher Wirtschaftspolitik, ökologischer Zerstörung und Ausbeutung zusammen. Der Papst will durch Impulse aus der Schöpfungsspiritualität aber auch einen Mentalitätswandel herbeiführen.

MB: Du sprichst vom Konzept Schöpfung. Ich lese die biblische Schöpfungsgeschichte auch nicht als einen chronologischen Bericht über die Weltentstehung. Die jüdische Tradition liest sie primär als Anleitung zum Handeln im Nachahmen Gottes. Gott erschafft und ruht. Er erzeugt und zieht sich wieder aus dieser Welt zurück: Darin sehen wir ein Vorbild für unser eigenes Tun. Der Mensch soll ebenfalls schöpferisch in die materielle Welt eingreifen, damit diese für alle Lebewesen in gerechten Verhältnissen bewohnbar wird. Moderne Wissenschaft und Technologie sind ein Segen. Doch das Sich-Zurückziehen Gottes soll dem Menschen ein Vorbild sein für eigenes Aufhören und Sich-Zurückziehen, das Raum und Freiheit für andere schafft und für ihn selbst.

CHR: Ja, der Schöpfungsbericht beschreibt weniger, wie die Welt entstanden ist. Er ist Ursprungserzählung, formuliert das gestalterische Prinzip und will Paradigma sein. Auch die Herkunftsgeschichte eines Menschen ist nicht einfach objektive Information. Wenn ein Mensch von seiner Herkunft erzählt, will er mitteilen, wie er geprägt worden ist, damit man ihn verst

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