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Warum der Antisemitismus uns alle bedroht Wie neue Medien alte Verschwörungsmythen befeuern von Blume, Michael (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 18.03.2019
  • Verlag: Patmos Verlag
eBook (ePUB)
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Warum der Antisemitismus uns alle bedroht

Nach jüdischer Überlieferung begründete Sem, Sohn Noahs, die Tradition der 'semitischen' Schriftreligion, aus der u.a. das Judentum und Christentum sowie der Islam entstanden. Gegen diese weltverändernde Kraft der Schriftreligionen stemmten sich Gegenmythen, die den Zusammenhalt, die Bildungserfolge sowie den Kinderreichtum von Juden und anderen Semiten als bedrohliche Verschwörungen deuteten. Durch das Aufkommen von Medien wie Buchdruck, Radio, Film, Internet und Social Media entfaltet dieser Antisemitismus eine enorme Gegenbewegung, die imstande ist, die Grundlagen der Zivilisation zu erschüttern. Michael Blume legt in seinem neuen Buch dar, wie die Wechselwirkung aus Medien, Mythen und Demografie die menschliche Geschichte der letzten Jahrtausende prägte. Ferner, so Blume, wird der Kampf zwischen dem buchorientierten Semitismus und dem digital neu beflügelten Antisemitismus die kommenden Jahrzehnte bestimmen. Einige demokratische Rechtsstaaten sind bereits zu populistischen Autokratien zurückgefallen. Das mediale Ringen um die Zukunft der Menschheit und die Rolle der Religionen darin hat damit gerade erst begonnen. von Michael Blume, Antisemitismusbeauftragter in Baden-Württemberg wie Gefühle die Geschichte bestimmen hochaktuell in Zeiten von 'fake news' Dr. Michael Blume ist Religions- und Politikwissenschaftler. Der evangelische Christ ist mit einer Muslimin verheiratet und leitet das Referat 'Nichtchristliche Religionen, Werte, Minderheiten und Projekte Nordirak' im Staatsministerium Baden-Württemberg. Für seinen Blog wurde er 2009 von den führenden Wissenschaftsbloggern mit dem Scilogs-Preis ausgezeichnet; als erster Deutscher wurde er in das internationale Forschernetzwerk der Evolutionary Religious Studies berufen. 2015/16 verantwortete er das Sonderkontingent des Landes für schutzbedürftige Frauen und Kinder aus dem Nordirak. Er hat über Religion und Hirnforschung ('Neurotheologie') promoviert. Er wurde von der Landesregierung Baden-Württemberg zum ersten Beauftragten gegen Antisemitismus in Deutschland berufen. Michael Blume lehrt Medienethik am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) und bloggt bei den scilogs von Spektrum der Wissenschaft.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 208
    Erscheinungsdatum: 18.03.2019
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783843611244
    Verlag: Patmos Verlag
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Warum der Antisemitismus uns alle bedroht

Der gefährliche Weg
zu den dunklen Seiten unseres Herzens
Annäherungen

"Ich habe keine unumstößliche Theorie über die Anfänge des Antisemitismus. [...] Alles, was ich mit fester Überzeugung sagen würde, ist, daß der Antisemitismus zum größeren Problem des Nationalismus gehört, das noch nicht ernsthaft untersucht worden ist, und daß der Jude offensichtlich als Sündenbock herhalten muß, obwohl wir noch nicht wissen, wofür ."

George Orwell (1945) 1

"Existierte der Jude nicht,
der Antisemit würde ihn erfinden."

Jean-Paul Sartre (1944) 2

Vielleicht kommen Ihnen einige der folgenden Fragen bekannt vor: Warum geht es in Geschichtsschreibung und Politik eigentlich immer wieder so viel um Juden? Ist der Antisemitismus nicht auch nur eine Variante des Rassismus, wie es ihn auch gegenüber anderen Menschengruppen gibt? Warum heißt es eigentlich "Antisemitismus" und nicht einfach nur "Judenhass"? Wird jetzt auch jede Kritik an der Politik Israels zum Antisemitismus erklärt? Warum sollte das Phänomen des Antisemitismus auch noch im 21. Jahrhundert besonders relevant oder sogar gefährlich sein? Heißt es nicht schon seit Jahrzehnten in ständigem Alarmismus, der "Antisemitismus nehme besorgniserregend zu" und habe "die Mitte der Gesellschaft erreicht"? War er denn je woanders? Und warum wirken antisemitische Propagandastücke oft so faszinierend und eindrucksvoll, viele Reden und Gedenktermine gegen den Antisemitismus aber oft so unsäglich langweilig?

Als ich vor 20 Jahren gemeinsam mit Murat Aslanolu das erste Mal durch die Sicherheitsschleuse der Israelitischen Religionsgemeinschaft Württembergs schritt, war ich noch ein junger, werdender Bankkaufmann und brachte viele dieser Fragen mit. Murat und ich waren die Vorsitzenden einer frisch gegründeten Christlich-Islamischen Gesellschaft (CIG), in der sich vor allem junge Menschen christlichen und islamischen Glaubens zum damals neuen Dialog in deutscher Sprache zusammengefunden hatten. Doch zu unserer Verblüffung gab es auch unter jungen Leuten einige muslimische und christliche Stimmen, die dafür plädierten, diesen christlich-islamischen Dialog "gegen die Juden" zu führen. Denn an allen Problemen zwischen den Religionen, an allen Kriegen seien doch am Ende "die" schuld.

Wir hatten persönlich noch keine bewussten Beziehungen zu Jüdinnen und Juden, fanden es aber intuitiv unfair, Menschen zu verurteilen, die dazu nicht einmal angehört worden waren. Und im Dialog zwischen Christen und Musliminnen hatten wir doch erfahren, dass nichts besser gegen Vorurteile half als direkte Begegnungen! Also riefen Murat und ich in jugendlichem Überschwang einfach bei der jüdischen Gemeinde an, stellten uns vor und fragten an, ob "jemand" dort Zeit für ein Gespräch mit uns finden würde.

Dieser Jemand empfing uns mit schlohweißem Haar und strahlenden Augen - der damalige Vorsitzende Meinhard Tenné freute sich enorm über das Interesse junger Christen und Muslime und nahm sich in der Bibliothek der Gemeinde für uns Zeit. Zwischen deutschen und hebräischen Schriften wurden wir Freunde und zogen bald gemeinsam als "die drei Ms" (Murat, Meinhard und Michael) brückenbauend durch Veranstaltungen und Gotteshäuser.

Der Holocaust-Überlebende Meinhard beschrieb und begründete in seiner Autobiografie "Aus meinem Leben" später unser jahrelanges gemeinsames Engagement. Meinhard hatte den Hass des Antisemitismus in vielfachen Formen erlebt und engste Angehörige verloren. Er war der Meinung, Angehörige von Judentum, Christentum und Islam müssten sich für "eine Entgiftung im Verhältnis der Religionen zueinander" engagieren. 3 Gemeinsam mit immer mehr Freundinnen und Freunden aus den "abrahamitischen" Religionen und dem christlichen Stifterpaar Lisbeth und Karl-Hermann Blickle entsta

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