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Zarathustra und seine Religion von Stausberg, Michael (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 08.02.2016
  • Verlag: Verlag C.H.Beck
eBook (ePUB)
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Zarathustra und seine Religion

Der Name Zarathustra ist nicht zuletzt durch Nietzsches Werk vielen ein Begriff, aber über den historischen Zarathustra, der vor über 2500 Jahren lebte, und seine bis heute verbreitete Religion, den Zoroastrismus, ist nur wenig bekannt. Michael Stausberg bietet einen kompakten und allgemeinverständlichen Überblick über die Geschichte sowie die zentralen Themen, Organisationsformen, Rituale und Feiern dieser kleinen, aber alten Religionsgemeinschaft. Michael Stausberg ist Professor für Religionswissenschaft an der Universität Bergen (Norwegen). Zuseinen wichtigsten Veröffentlichungen gehören 'Faszination Zarathushtra' (2 Bände, 1998), 'Die Religion Zarathushtras' (3 Bände, 2002 2004) sowie 'Religion im modernen Tourismus' (2010).

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 128
    Erscheinungsdatum: 08.02.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783406691409
    Verlag: Verlag C.H.Beck
    Größe: 3887 kBytes
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Zarathustra und seine Religion

Aller Anfang ist Zarathustra

Friedrich Nietzsche begegnete Zarathustra erstmals in Sils-Maria. So beschreibt er es jedenfalls in einem seiner Lieder des Prinzen Vogelfrei (1887):

Hier sass ich, wartend, wartend, - doch auf Nichts,

Jenseits von Gut und Böse, bald des Lichts

Geniessend, bald des Schattens, ganz nur Spiel,

Ganz See, ganz Mittag, ganz Zeit ohne Ziel.

Da plötzlich, Freundin! wurde eins zu Zwei -

Und Zarathustra gieng an mir vorbei ...

Nietzsches Also sprach Zarathustra beginnt mit einer biographischen Notiz: "Als Zarathustra dreissig Jahre alt war, verliess er seine Heimat und den See seiner Heimat und ging in das Gebirge." Stimmt das? Wo lag Zarathustras Heimat, wann lebte er, und was hat es mit dem dreißigsten Jahr auf sich?

Diese Fragen führen uns weit weg von Sils-Maria, aus Europa, aus der Neuzeit. Leider aber ist es nicht so, dass wir Nietzsches literarisch-philosophische Inszenierung und die eigenartig gespaltene Faszination, die Zarathustra in Europa seit jeher umrankt, einfach vergessen können, um uns ohne weiteres der "historischen Wahrheit", dem "eigentlichen" Zarathustra zuzuwenden. Denn schon die ältesten Berichte über Zarathustra geben uns Rätsel auf. Bei jedem Versuch, diese Rätsel zu lösen, kommt die historische Einbildungskraft ins Spiel. Und diese wird oft von Stereotypen geleitet, die sich der europäischen Faszinationsgeschichte verdanken.
Griechische und iranische Angaben zu Zarathustras Lebenszeit

Schauen wir uns doch kurz die Quellen an. In der griechischen Literatur soll Zarathustra alias Zoroastres (Zoroaster) erstmals im 5. Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung [v. Chr.] erwähnt worden sein. Zugleich aber dürfen wir annehmen, dass er wesentlich älter war, denn unser Gewährmann, Xanthos der Lydier, weiß zu berichten, dass Zoroaster, der Perser, 6000 Jahre vor dem Jahre 480 gelebt habe, als der persische Großkönig Xerxes den Hellespont überquerte. Auch diese frühe Nachricht steht offenbar bereits im Zeichen verklärender Sinnstiftung: Schon die griechische Namensform Zoroaster, die etwas mit "rein" und einem "Stern" zu tun hat, weckt astrologische Assoziationen. Selbst wenn man 600 statt 6000 Jahre liest, weist das genannte Datum einerseits über den Zeitraum historisch verlässlicher Information hinaus und klingt andererseits sehr nach Weltalterkonstrukten (sechs ist die Hälfte von zwölf, einer Jahreseinheit). Diese - und andere - Berichte, die in der griechischen und lateinischen Literatur über Zarathustra kursierten, sind daher zwar religionsgeschichtlich aufschlussreich. Sie geben aber keine zuverlässigen Antworten auf unsere Fragen nach Zarathustras Lebenszeit und -ort.

Gibt es denn gar keine iranischen oder gar zarathustrischen Quellen, mag man fragen, die uns hier weiterhelfen? Doch, solche gibt es, aber diese Texte sind sehr viel jünger, und auch hier erscheinen die "Tatsachen" bereits im Lichte geschichtlicher Sinnstiftung, die zum Teil wiederum mit astrologischen Mustern operiert. Eine mittelpersische Quelle etwa berichtet, Zarathustra habe die von ihm empfangene Religion in der Welt verbreitet, und dann seien 300 Jahre vergangen, bis der Übelriechende Geist den verfluchten Alexander auf Iran gehetzt habe [AWN 1,1-5]. Ein anderer Text zeichnet folgendes Szenario: Zarathustra trat in Erscheinung, als "die Herrschaft des Millenniums" (nach 9000 Jahren) in das Zeichen des Steinbocks überging. Der damals herrschende König regierte noch 90 Jahre, nachdem Zarathustra seine Religion in Empfang genommen hatte. Weiterhin gab es noch vier Herrscher bis Alexander, die insgesamt 168 Jahre regierten [Bd. 36,7-9]. Daraus lässt sich schließen, dass Zarathustra 258 Jahre vor Alexander "die Religion empfing". Diese "Informationen" werden auch bei einigen späteren muslimischen Autoren weitergegeben. Zusammen mit a

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