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Flucht in der Bibel Zwölf Geschichten von Not und Gastfreundschaft von Vorholt, Robert (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 01.09.2016
  • Verlag: Topos
eBook (PDF)
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Flucht in der Bibel

Wohl kein Thema hat die öffentliche Debatte der letzten Zeit so bestimmt wie die Situation der Flüchtlinge. Flucht und Vertreibung, Gastfreundschaft und Solidarität gehren zu den Urerfahrungen der Bibel. Der Auszug aus dem Sklavenhaus Ägypten ist der Beginn einer ganz neuen Geschichte mit Gott. Anhand von zwölf Fluchtgeschichten aus der Bibel geht Robert Vorholt der jüdisch-christlichen Gotteserfahrung nach. Robert Vorholt, Prof. Dr., geb. 1970, ist ordentlicher Professor für Exegese des Neuen Testaments an der Universität Luzern.

Produktinformationen

    Format: PDF
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 239
    Erscheinungsdatum: 01.09.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783836750622
    Verlag: Topos
    Größe: 683 kBytes
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Flucht in der Bibel

I.

"Weil du das getan
hast ..."
(Gen 3,14)

Vertreibung aus dem Paradies

D er biblische "Garten Eden" wird in griechischer Übersetzung "Parádeisos" - zu Deutsch "Paradies" - genannt. Ursprünglich stammt dieser Begriff aus der persischen Sprache und diente zur Bezeichnung eines umfriedeten Gartens. In dieser praktischen Bedeutung gelangte der Ausdruck auch in die griechische Sprachwelt. Xenophon (430-355 v. Chr.) benutzt ihn zum Beispiel zur Beschreibung von Parkanlagen persischer Großkönige. Gestaltete Gärten haben für die Menschen aller Zeiten eine besondere Bedeutung gehabt. Sie bringen Natur und Kultur zusammen. Es wundert daher kaum, dass sie leichthin zum Realsymbol kosmologischer Weltbilder wurden. Zahlreiche Mythen sprechen von einem urzeitlichen Garten und verbinden mit solch einem Paradies vollkommene Glückseligkeit. Dort leben die Götter; Helden und andere ausgezeichnete Sterbliche werden dorthin entrückt. Kronos, der Herr des Goldenen Zeitalters, wohnt nach der Vorstellung griechischer Mythologie auf den rosenumrankten Feldern Elysions, einer Traumlandschaft fortwährenden Frühlings.
Gottes Garten

Von einem Gottesgarten spricht auch das Alte Testament. Das zweite Kapitel der Genesis erzählt seine Geschichte:

4b Zur Zeit, als Gott, der Herr, Erde und Himmel machte, 5 gab es auf der Erde noch keine Feldsträucher und wuchsen noch keine Feldpflanzen; denn Gott, der Herr, hatte es auf die Erde noch nicht regnen lassen, und es gab noch keinen Menschen, der den Ackerboden bestellte; 6 aber Feuchtigkeit stieg aus der Erde auf und tränkte die ganze Fläche des Ackerbodens. 7 Da formte Gott, der Herr, den Menschen aus der Erde vom Ackerboden und blies in seine Nase den Lebensatem. So wurde der Mensch zu einem lebendigen Wesen. 8 Dann legte Gott, der Herr, in Eden, im Osten, einen Garten an und setzte dorthin den Menschen, den er geformt hatte. 9 Gott, der Herr, ließ aus dem Ackerboden allerlei Bäume wachsen, verlockend anzusehen und mit köstlichen Früchten, in der Mitte des Gartens aber den Baum des Lebens und den Baum der Erkenntnis von Gut und Böse. 10 Ein Strom entspringt in Eden, der den Garten bewässert; dort teilt er sich und wird zu vier Hauptflüssen. 11 Der eine heißt Pischon; er ist es, der das ganze Land Hawila umfließt, wo es Gold gibt. 12 Das Gold jenes Landes ist gut, dort gibt es auch Bdelliumharz und Karneolsteine. 13 Der zweite Strom heißt Gihon; er ist es, der das ganze Land Kusch umfließt. 14 Der dritte Strom heißt Tigris; er ist es, der östlich an Assur vorbeifließt. Der vierte Strom ist der Eufrat. (Gen 2,4b-14)

Ausgehend von einer Art Urzustand, berichtet der biblische Text von der Erschaffung des Menschen. Das Ganze wird in das Licht einer kunstvollen Handlung getaucht. Der Ausdruck "formen" ist in der hebräischen Bibel - ähnlich wie "erschaffen" - allein Gott vorbehalten. Er ist der Künstler, der Mensch ist Gottes Kunstwerk. Es ist bezeichnend, wie groß hier vom Menschen gedacht wird. Der Mensch ist mit unermesslicher Würde ausgestattet seit Anbeginn. Er ist viel mehr als eine nur zufällig ins Dasein geworfene Kreatur - er ist von Gott gewollt, ein wahres Meisterstück.

Kurz zuvor fiel noch der Hinweis, es habe niemanden gegeben, der den vorhandenen Ackerboden hätte bestellen können - der Mensch sei schließlich noch nicht geschaffen worden (Gen 2,5). Jetzt ist er da - doch überraschenderweise stellt Gott die Krone seiner Schöpfung nicht gleich hinter den Pflug, wie folgerichtig zu erwarten stünde, sondern setzt ihn in einen Garten. Eden mag früher einmal tatsächlich der Name eines Landstrichs gewesen sein. 1 Für die biblische Erzählung ist Eden ein Programmwort. Im Hebräischen erinnert das Wort an Freude und Wonne.

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