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Nur echte Engel sind schwindelfrei Geschichten zwischen Himmel und Erde von Fischer, Gerhard (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 17.06.2015
  • Verlag: SCM Hänssler im SCM-Verlag
eBook (ePUB)
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Nur echte Engel sind schwindelfrei

Verbotene Schlittenfahrten auf der zugeschneiten Dorfstraße, betrunkene Weihnachtsmänner und ein Pfarrer, der Frauen (durch Gebet natürlich) verschwinden lässt. Gerhard Fischer erzählt aus seiner Jugendzeit in Hitlerdeutschland, den Nachkriegsjahren und von seinen Erlebnissen als Pfarrer im Reisedienst. Ansteckend und fröhlich, nachdenklich und eindringlich berichtet er von Lebens- und Glaubenserfahrungen. Gerhard Fischer arbeitete in einer Holzfabrik, später dann als Gemeindediakon. Von 1975 bis zu seinem Ruhestand war er Gemeindepfarrer in Falkenau bei Chemnitz, wo er heute noch mit seiner Frau lebt.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 208
    Erscheinungsdatum: 17.06.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783775173131
    Verlag: SCM Hänssler im SCM-Verlag
    Größe: 1539 kBytes
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Nur echte Engel sind schwindelfrei

[ Zum Inhaltsverzeichnis ]

Zions Töchter

"Du bist ein ganz böser Junge. Zu dir kommt das Christkind in diesem Jahr bestimmt nicht !"

Diese Drohung aus dem Mund meiner Mutter galt mir, einem Jungen von sechs Jahren.

Was hatte ich verbrochen, dass meine Mutter - eine sonst so gütige Frau - mir eine solche Strafe ankündigte?

Ich weiß es noch genau. Ich war zum wiederholten Male mit meinem Schlitten die Dorfstraße hinuntergerodelt, was wir Kinder nicht durften. Erstens glätteten wir mit unseren Schlittenkufen die Fahrbahn, sodass die Leute ausrutschten und hinstürzten, zweitens könnten wir einen Unfall verursachen, meinte der Schutzmann.

Nein, bitte stell dir den Straßenverkehr nicht in seinen heutigen Dimensionen vor. In unserem Ort Heidersdorf gab es ein einziges Auto, das vom "Butterbellmann", unserem Milchhändler; der fuhr täglich höchstens einmal dorfab und wieder hinauf. Ansonsten wurde die Straße von Pferdefuhrwerken benutzt. In jeder Stunde kam etwa eins vorbei, in Ausnahmefällen auch mal zwei. Also, wo sollte da die Gefahr liegen?

Nun, die gab es in gewisser Weise schon. So war es mehrfach passiert, dass entgegenkommende Pferde vor den Schlitten "scheuten" oder gar "durchgingen", ihr Fuhrwerk über den Straßengraben rissen und samt Kutscher und Fracht in den Schnee kippten. Schließlich kamen wir auf unseren meist selbst gebauten "Käsehitschen" mit Tempo und Geschrei die Dorfstraße herunter.

"Bahne frei! Kartoffelbrei!!"

Die Fußgänger flohen an den Straßenrand und schimpften hinter uns her. Keiner freute sich an unserem Vergnügen.

Die Dorfstraße war als Rodelbahn verboten. Aber es gab in der ganzen Umgebung keine bessere Bahn als diese Straße.

Wenn wir das Dorf bis zum Ende (oder Anfang) hinaufliefen, konnten wir vier Kilometer abwärtsrodeln. Wo gibt's das schon!

Aber dafür haben Erwachsene kein Verständnis.

Nun hatte ich also die Bescherung. Nein, im Gegenteil: Es würde für mich keine Bescherung geben. Das Christkind würde an mir vorbeigehen.

Das war schlimm - sehr schlimm. Es war geradezu zum Heulen. Dann brauchte es auch gar kein Weihnachten zu geben. Was sollte ein Weihnachten ohne Christkind - und damit ohne alle Geschenke - für einen Sinn haben?

Ein kleiner Hoffnungsschimmer blieb meine immer brave Schwester. Zu der würde das Christkind auf jeden Fall kommen, und wenn es dann einmal im Hause wäre, fiele für mich vielleicht doch etwas ab?

Meine "strenge Oma" (im Unterschied zu unserer "gütigen Oma"; sie besuchten uns abwechselnd) riss diesen winzigen Hoffnungskeim samt der Wurzel aus meiner geschundenen Seele.

"Schlag dir das aus dem Kopf. Ja, das Christkind wird zu deiner Schwester kommen; aber an dir wird es wortlos und unsichtbar vorbeigehen."

Aus der Traum vom fröhlichen Weihnachten.

Voller Reue und Buße hockte ich vor unserem Haus auf meinem Schlitten, während die anderen Kinder fröhlich die Dorfstraße hinunterrodelten.

"Bahne frei! Kartoffelbrei!"

Da fuhren sie - Heinz, Roland, Siegfried, Hanna, Irene und Julia.

Julia war die Tochter eines Lehrers. Mein Vater hatte den gleichen Beruf und legte als Schulleiter besonderen Wert auf die Vorbildwirkung seiner Kinder. Julia hieß mit Nachnamen "Ziemann".

Ich fuhr gern mit ihr Schlitten; am liebsten lud ich sie auf meinen und hängte ihren Schlitten einfach hinten an.

Als echter ritterlicher Kavalier ließ ich sie vor mir sitzen und übernahm hinter ihr den schwierigen Part des Lenkens. Ihre beiden langen, blonden Zöpfe flogen mir um die Ohren, und das fand ich herrlich.

Heute fuhr sie ohne mich! Ich litt.

Vielleicht sollte ich ihr sagen, dass das Christkind an allen vorbeiläuft, die verbotenerweise auf

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