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Nur noch eine Tür Letzte Gespräche an der Schwelle des Todes von Schulz, Uwe (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 30.10.2014
  • Verlag: fontis - Brunnen Basel
eBook (ePUB)
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Nur noch eine Tür

Der Tod ist eines der meistthematisierten Tabus der Gegenwart: Einerseits scheint er sich vereinzelt und unsichtbar in einer stummen Parallelwelt zu ereignen, in Krankenbetten, auf Palliativstationen und in Hospizen. Andererseits ist er spektakulärer Teil der Alltagskultur, dramatisiert in Krimis, boulevardisiert in den Nachrichten, popularisiert in Ego-Shooter-Spielen, bagatellisiert in modischen Accessoires. Die Verdrängung ist einer "Geschwätzigkeit des Todes" gewichen, die uns alle doch nur weiterhin alleinlässt mit der Frage, wie wir dem eigenen Ende entgegengehen wollen. Dieses Buch konfrontiert uns mit Fragen, die der Tod an uns richtet: Was kommt danach? Worauf darf der Sterbende hoffen, was glauben? Zwölf Menschen setzen sich hier mit diesen Fragen existenziell auseinander, weil sie dem Tod ins Gesicht sehen. Sterbende und Sterbebegleiter, Glaubende, Agnostiker und Zweifler - sie alle offenbaren dem erfahrenen Interviewer und Journalisten Uwe Schulz, was sie bewegt. Und sie richten damit gleichzeitig Fragen an unser aller Leben: Welchen Sinn hat es? Auf welches Ziel richten wir es aus? Was ist wichtig? Und was hat es auf sich mit dem Glauben an eine Auferstehung?

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 200
    Erscheinungsdatum: 30.10.2014
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783038486381
    Verlag: fontis - Brunnen Basel
    Größe: 710 kBytes
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Nur noch eine Tür

Einleitung

Erste letzte Worte

Achtung, dieses Buch steckt voller wahrer Geschichten, wie sie jedem von uns widerfahren könnten; Geschichten, die kein Happy End im klassischen Sinn haben. Sie enden alle tödlich.

Alle Achtung, Sie haben dieses Buch trotzdem aufgeschlagen.

In derselben Zeitspanne, die Sie für die Lektüre dieses Satzes hier brauchen, sterben rund um die Welt rein statistisch zwölf Menschen. Global betrachtet, enden laut Faktenkatalog der CIA pro Jahr mehr als 56 Millionen Menschenleben. Realität, und doch unfassbar.

Der Schriftsteller Max Frisch hat in der Totenrede für seinen Freund Peter Noll diese Realität betrachtet, zunächst Ernst Bloch zitiert, der mit 90 Jahren sagte, er sei nur noch neugierig auf das Sterben als eine Erfahrung, die er noch nicht gemacht habe, und abschließend so formuliert: "Kein Antlitz in einem Sarg hat mir je gezeigt, dass der Eben-Verstorbene uns vermisst. Das Gegenteil davon ist überdeutlich. Der Verstorbene hat eine Erfahrung, die mir erst noch bevorsteht und die sich nicht vermitteln lässt - es geschehe denn durch eine Offenbarung des Glaubens." 1

Dieses Buch nähert sich der Erfahrung, die uns noch bevorsteht, so weit wie möglich an, betrachtet sie von der einzig uns zugänglichen Seite aus, verspricht aber keine allumfassende Offenbarung. Auf sie können wir nur hoffen als Geschenk, das wir am Ende unserer Tage empfangen.

Die hier protokollierten Gespräche offenbaren Wahrheiten so sanft und zerbrechlich, dass wir Lebenden sie ergreifen und behutsam in uns bergen oder auch geschäftig über sie hinweggehen können, als hätten uns die kleinen Offenbarungen nichts zu bedeuten. Keiner der hier Befragten drängt sich mit Ermahnungen, moralischen Appellen oder Lehrsätzen auf. Jeder der hier Befragten stellt sich aber individuell und ehrlich den Fragen, die unsere Endlichkeit ans Leben stellt.

Als ich das erste Mal vor einem Sterbezimmer stand, überfielen mich binnen weniger Atemzüge Tausende widerstreitender Empfindungen, wie sie jetzt vielleicht auch in Ihnen emporsteigen. Greifen konnte ich auf die Schnelle nur eine bebende Furcht, die Fassung zu verlieren, eine vibrierende Verunsicherung, vielleicht das Falsche zu sagen, leise surrende Wissbegier, die Wirklichkeit hinter der Zimmertür zu erkunden, bohrende Trauer um den Menschen, der wie niemand sonst auf der Welt mich liebte, eine sprudelnde Sehnsucht, die mich wie eine Unterströmung vom festen Grund hinauszog ins Weite. Und in allem spürte ich den mächtigen Drang, sofort weit fortzulaufen, bis das alles nicht mehr wahr wäre, was sich da als Realität aufdrängte. Dann klopfte ich an und trat ein.

Der Tod kommt oft wie ein Dolchstoß, der ins Innerste dringt. Das Telefonat mit der halb unter Tränen erstickten Nachricht, dass Ralph nicht mehr aus dem Koma erwacht ist nach seinem Autounfall: "Er hat es nicht gepackt." Die Kurznachricht von Kaya im Display: "Ruf mich bitte an!" Der Satz der Gynäkologin beim Blick aufs Sonogramm: "Keine Herzaktivität mehr."

An einem Augustmontag im Jahr 2010 schleicht der Tod dagegen vergleichsweise sanft heran, direkt in meine Mailbox: Eine Neuigkeit, lese ich als Betreff über den Zeilen, welche Michael um 4 Uhr 29 morgens losgeschickt hat an seine Vertrauten:

Liebe Freunde,

ich wähle den ungewöhnlichen Weg der Sammel-Mail, um Euch von einer neuen Entwicklung bei mir zu erzählen. In den nächsten Wochen und Monaten werde ich vermutlich immer wieder mal schlecht zu erreichen sein, immer wieder mal "abtauchen". Gut möglich, dass ich Euch persönlich daher erst sehr spät von meiner Erkrankung berichten könnte. Das allerdings will ich vermeiden. Mit diesen Zeilen seid Ihr auf dem Stand der Dinge, denn mir ist wichtig, dass Ihr wisst: Ich bin seit ein paar Wochen Krebspatient. Die Nachricht hat mich Mitte Juli erreicht, dann - vier Tage nach der Diagnose - bin ich in Heidelberg operiert worden. Es geh

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