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Wenn Gott verschwindet, verschwindet der Mensch Eine Verteidigung des Glaubens von Bauerdick, Rolf (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 11.10.2016
  • Verlag: Deutsche Verlags-Anstalt
eBook (ePUB)
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Wenn Gott verschwindet, verschwindet der Mensch

Was der Glaube an Gott heute bedeutet
Kein Himmel, keine Hölle, kein Gott! Nicht nur John Lennon erträumte eine friedliche Welt ohne Religion. Immer mehr Menschen scheint die Abkehr vom Glauben das Heilmittel gegen Kriege, Unrecht und Gewalt, gegen Fanatismus, Unmündigkeit und kirchliche Bevormundung.
Der Katholik und Weltreisende Rolf Bauerdick folgt den Wegen und Irrwegen des Christentums der Gegenwart nicht als distanzierter Beobachter. Er zeigt, was es heißt, wenn der Mensch die spirituelle Dimension seines Daseins verliert. In einer Zeit, in der die alten Gottesbilder verschwinden und der Mensch selbst zum Maß aller Dinge wird, wirbt Bauerdick für einen selbstbewussten Glauben, der Tradition und Freiheit versöhnt. Dieser Glaube lebt vom steten Wachhalten des Fragens und verlässt sich nicht auf ewig gültige Antworten. Rolf Bauerdicks Buch ist eine äußere und innere Reise auf den Spuren einer der zentralen Fragen des Menschseins.

Rolf Bauerdick, Jahrgang 1957, lebt im Münsterland. Nach dem Studium der Literaturwissenschaft und Theologie wurde er Journalist. Er hat Reportagereisen in rund sechzig Länder unternommen; seine Text- und Bildreportagen erscheinen in europäischen Tageszeitungen und Magazinen u.a. in Stern, Brigitte, Spiegel, GEO, Playboy und wurden vielfach preisgekrönt, u.a. mit dem Natali-Award (für Menschenrechtsjournalismus) der Europäischen Union und beim Hansel-Mieth-Preis. "Wie die Madonna auf den Mond kam", sein viel beachtetes Debüt, erschien 2009, wurde in zwölf Sprachen übersetzt und 2012 mit dem Europäischen Buchpreis in der Kategorie "Roman" ausgezeichnet.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 336
    Erscheinungsdatum: 11.10.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641101367
    Verlag: Deutsche Verlags-Anstalt
    Größe: 732kBytes
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Wenn Gott verschwindet, verschwindet der Mensch

Vorwort

Der Hase und der Igel und die Angst, niemals anzukommen

Beginnen wir mit einem Wettlauf, der tödlich endet. Zumindest für einen der Rivalen. Unter der Nummer 187 fand das Rennen Eingang in die Märchensammlung der Gebrüder Grimm und nahm von dort den Weg in die Theologiegeschichte des späten 20 . Jahrhunderts. In dem Märchen von Hase und Igel treffen zwei gegensätzliche Charaktere aufeinander, die sich idealtypisch ergänzen. Der Igel, von dem Hasen wegen seiner krummen Stummelbeine verspottet, verkörpert die Pfiffigkeit der im echten Wortsinn Zukurzgekommenen. Der flinke Hase hingegen repräsentiert die Blindheit selbstgefälligen Hochmuts. Aus trügerischer Überlegenheit nimmt er die Herausforderung des Igels an, sich auf einem Feld beim Lauf durch die Ackerfurchen zu messen. Den Gewinn des Wetteinsatzes, eine goldene Münze und eine Flasche Branntwein, wähnt der Hase sicher. Doch der Igel greift zu einem Trick. Heimlich postiert er seine Frau, die ihm zum Verwechseln ähnelt, am Ende des Ackers, während er selbst am Start ausharrt. Als der Hase dem Ziel entgegeneilt, ruft die Igelfrau: "Ich bin schon hier!" Der brüskierte Verlierer fordert ein neues Rennen. Nur wartet am anderen Ende der Strecke der Igelgatte bereits als allgegenwärtiger Sieger. Wie bekannt erweist sich der Hase als hartnäckig. Erst beim vierundsiebzigsten Rennen bricht er nach einem Blutsturz tot zusammen.

Gemeinhin gehört die Sympathie der Märchenleser dem listigen Igel. Der katholische Fundamentaltheologe Johann Baptist Metz indes liest die Erzählung gegen den Strich. Er ergreift Partei für den Hasen. Metz bedient sich des Märchens, um seine Idee eines Glaubens darzulegen, der sich kritisch in die Konflikte in Geschichte und Gesellschaft einmischt. Hase und Igel symbolisieren für Metz zwei gegensätzliche Modelle christlicher Identitätsbildung: Der Hase rennt und rackert sich ab. Er geht das Risiko ein, zu stürzen, zu scheitern und auf der Strecke zu bleiben. Der Igel steht für die sichere und bequeme Variante. Ohne sich einem Wettlauf auszusetzen, hat er sein Ziel immer schon erreicht.

Dem doppelten Igel entspricht die Vorstellung von einem Gott, der vor, nach und jenseits aller Zeit existiert. Welche Höhen und Tiefen der Mensch auch durchläuft, Gott ist bereits da. Über der Geschichte waltend und sich selbst immer gleich bleibend ist er Schöpfer und Erlöser, Ursprung und Ziel. Der Glaube an ihn verleiht vermeintliche Sicherheit, erkauft um den Preis eines Selbstbetrugs. Der "Igel-Trick" erzeuge die Illusion, so Metz, "die Straße der Geschichte fest im Blick" zu haben. Warum sollte der Gläubige, der Anfang und Ende der Geschichte überschaut, sich noch auf den Weg machen? Warum sich auf das Wagnis des Lebens einlassen?

Hase oder Igel? Wem auch immer die Sympathie gelten mag, als Allegorie für den Gottesglauben taugt das Märchen im 21 . Jahrhundert nur noch bedingt. Der Wettlauf setzt das Fundament eines kollektiven Selbstverständnisses voraus, von dem nur noch Fragmente geblieben sind. Der Acker, auf dem der Hase und der Igel wetteiferten, war das Feld des homo religiosus . Auf dessen Terrain wird nicht darum gerungen, dass geglaubt wird, sondern wie . Dieses Feld liegt heute nicht bloß brach. Es scheint unfruchtbar geworden und vertrocknet. Womöglich auch überdüngt, mit einer inflationären Rede von Gott, dessen Existenz zwar behauptet, aber nicht erfahren wird. Gott! Der Begriff ist entkernt, füllbar mit allzu menschlichen projektiven Zuschreibungen. Kein Attribut blieb Gott erspart, alle denkbaren Bilder wurden gedacht: der geoffenbarte Gott, der verborgene Gott, der verschwundene Gott, der schweigende Gott, der verheißene Gott. Er ist der lebendige, liebende, hörende, sehende, verstehende, der grausame und strafende, der allmächtige, der ohnmächtige, der entthronte, der stille oder der sterbende Gott. Für viele auch

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